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Neulich im Netz: Rabimmel, rabammel: Advent Advent und die 42

Komm, du lieber Weihnachtsmann und zünde diesen Christbaum an. Wer heutzutage noch Geschenke per Fuß eingekauft, ist selber schuld.

Drei, zwei eins, meins. Und wer nicht auf dem größten Marktplatz der Welt fündig wird, schaut eben andernorts im Web. An allen Ecken und Enden locken Sonderangebote und Spitzenpreise. Es gibt nichts, was nicht zu haben wäre. Etwa halbschattige Kalender (www.cofanifunebri.it) mit grenzdebilen Blondinen, die Kandelaber haltend um Särge herum krabbeln und auch darüber hinaus eher bestattungsfremde Posen einnehmen.

Als Weihnachtsgeschenk möglicherweise nicht unumstritten, doch man kann sich ja auch für anderes entscheiden. Keinesfalls aber sollte man zu jenen Gaben greifen, die schon im Leben neben der Datenautobahn vor allem von der Einfallslosigkeit des Schenkers zeugen. Doch wie sieht das ideale Geschenk aus? Der Rechner, der die Antwort auf diese Frage kennen könnte, müsste wohl hundertfach größer sein als jener, der seinerzeit die Zahl 42 (www.bbc.co.uk/cult/hitchhikers) ausspuckte auf die gleichfalls nicht unwichtige Frage nach dem Sinn des Ganzen (http://hitchhikers.movies.go.com).

Einzelhandel vs. Internet

Sehr sinnvoll übrigens, dass bei den voradventlichen Laternenumzügen Elektrolämpchen Wachskerzen ersetzen. Das erhöht nicht nur die Lebensdauer der Laternen, sondern sorgt zugleich auch für ungetrübte Heiterkeit bei den Trägern. Ob der klassische Einzelhandel noch existiert, wenn jene Laternenträger den Kinderschuhen entwachsen sein werden, ist ungewiss. Das Internet ruiniere sie, und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Aber wenn sie, die Einzelhändler, in den heißen Wochen vor dem Fest den Laden eine halbe Stunde länger öffnen als sonst, wollen sie sich gleich von der Welt für ihr außerirdisch selbstloses Handeln feiern lassen. Unbeschuhte Jungfern sollen Winterblüten auf salzverkrustete Wege streuen, Väter ihre Töchter zur unentgeltlichen Hilfestellung freigeben und Bürger aus allen Himmelsrichtungen heran strömen und künden von der großen Tat der umgehend heilig zu sprechenden Kaufleute zwischen Kiel und Berchtesgaden. Und selbstverständlich kaufen, bis die Kassen platzen.

Doch Merkel hin, Merkel her: hierzulande gibt es nur einen König. Und der war, ist und wird niemals der Kunde sein. Weswegen das Web tatsächlich der bessere Platz zum Einkaufen ist für all jene, die nicht zu Kreuze kriechen wollen vor unhöflichen, herrischen, unverschämten und desinteressierten Kaufmännern und -frauen. Und die Handvoll Händler, die es wirklich gut mit dem Kunden meinen, ihn lieben und herzen und stets nur sein Bestes wollen, die wird es auch morgen noch geben. Daran wird kein Internet etwas ändern.

Thomas Hirschbiegel
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