Orhan Pamuk Nationalisten ziehen den Stecker


Orhan Pamuk, derzeit der bedeutenste türkische Schriftsteller, redet auch in Sachen Menschenrechte Tacheles. Nun haben nationalistische Landsleute seine Homepage gehackt - und eine harsche Botschaft hinterlassen.

Mit seinen Romanen will Orhan Pamuk Brücken zwischen Europa und dem Orient schlagen. Seine Werke sind in 35 Sprachen übersetzt und in über 100 Ländern veröffentlicht. Für seine Mittlerrolle zwischen Europa und der Türkei hat Orhan Pamuk den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

In seinem Heimatland ist er indes ein Hassobjekt der Nationalisten. Auslöser war ein Interview, in dem er die Türkei ins Visier genommen und Meinungsfreiheit sowie die Garantie der Menschenrechte unmissverständlich eingefordert hatte. Darauf nahm ihn die türkische Justiz ins Visier und klagte Pamuk wegen "Verunglimpfung des Türkentums" an.

Am ersten Gerichtstag schlugen türkische Nationalisten auf den Schriftsteller ein. Worauf das Verfahren auf unbestimmte Zeit vertagt wurde. Jetzt haben Hacker mit offenbar nationalistischem Hintergrund seine Webseite aus dem Verkehr gezogen. Ein mysteriöser türkischer Radiosender löschte Pamuks Homepage und stellte folgende Botschaft online:

"Jeder, der sein Vaterland beschimpft, ist nicht ohne Strafe davongekommen und wird auch nicht davonkommen. Diese Seite ist von CigiCigi.com außer Betrieb gesetzt worden. Alle Informationen von der Person die sich Orhan Pamuk nennt, sind nun in unserem Besitz. Falls er sich von seiner Einstellung und seinem Verhalten nicht distanziert, werden weitere Handlungen folgen."

Bekräftigung der Kritik

Pamuk allerdings hatte sich von den Angriffen nie beeindrucken lassen. "Ich verteidige, das was ich gesagt habe, Wort für Wort", bekräftigte der Istanbuler Autor mehrfach vor der Presse. Er werde dafür in dem Verfahren, das inzwischen eine internationale Dimension erhalten hat, "mit erhobenem Haupt" die Verantwortung übernehmen.

Mit Material von Reuters/DPA DPA

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