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Streit um Urheberrecht: Youtube verbannt Online-Klavierlehrer

Mark de Heide ist ein Youtube-Star: Mit Online-Tutorials bringt er Millionen Fans das Klavierspielen bei - nun musste er 300 seiner Videos löschen, weil er angeblich Urheberrechte verletzt hat.

Von Christoph Fröhlich

Tanzschritte, Hemden bügeln, Schminktipps: Im Zeitalter des Mitmach-Internets sind Online-Tutorials der große Renner. Auch das Spielen eines Instruments kann man mit den kurzen Webfilmchen lernen. Einer der erfolgreichsten Produzenten ist der 23-jährige Rechtswissenschaftler Mark de Heide aus den Niederlanden. Er hat während seines Studiums angefangen, Videos auf Youtube hochzuladen, in denen er erklärt, wie man Songs auf dem Klavier nachspielt. Sein Portfolio reicht von Adele über Bruno Mars bis zu den Alternative-Rockern Evanescence. Seine Videos waren so beliebt, dass er sich nach dem Studium auf das Produzieren von Klavierlektionen konzentrierte. Mittlerweile ist er einer der 150 besten Partner von Youtube in den Niederlanden und konnte sich von den Einnahmen sogar ein Haus kaufen. Nun musste er allerdings einen herben Rückschlag einstecken: Youtube hat ihn aufgefordert, mehr als 300 seiner Videos zu löschen. Seine Fans laufen Sturm.

Streit um Buchstaben

Dreimal die Woche stellte de Heide seine Videoanleitungen ins Internet, in denen er Akkorde erklärt oder Schritt für Schritt Klassiker und aktuelle Pop-Hits nachspielt. Mehr als vier Jahre störte sich niemand daran. Nun gibt es offenbar gleich zwei Probleme: Erstens stuft Youtube seine Songs als Verbreitung von Coverversionen und damit als Urheberrechtsverletzung ein. Außerdem gebe es einen anderen Youtube-Klavierlehrer, der ähnliche Videotutorials anbietet, sagt de Heide in einer Videobotschaft an seine Fans. Dieser sieht sein geistiges Eigentum verletzt, weil er - wie auch de Heide - in seinen Videos über den Klaviertasten die Noten als Buchstaben anzeigt, um unerfahrene Klavierspieler zu unterstützen. So ist beispielsweise über der Untertaste D der Buchstabe D zu sehen. Diese Darstellungsform hätte der andere Musiklehrer angeblich zuerst entwickelt, heißt es in dem Videostatement.

Den Namen des anderen Musiklehrers verschweigt de Heide. "Ich bin sehr wütend auf den Mann, verriet der Musiker stern.de. "Ich werde den Kanal aber auf jeden Fall weiterführen und andere Videos hochladen." In den Kommentaren unter dem Video wird aber bereits heftig spekuliert. So heißt es in einem Beitrag: "Sag uns wer die Person ist, die sich beschwert hat. Dann können wir regeln, dass niemand mehr auf seine Seite geht."

Reine Willkür bei Youtube

Doch der Zorn richtet sich nicht nur gegen den anderen Musiklehrer, sondern auch gegen Youtube selbst: "Eigentlich sollte das Urheberrecht vor Diebstahl schützen, mittlerweile ist es zur puren Gier verkommen." Andere Kommentatoren empfehlen de Heide auf die Videoplattform Vimeo auszuweichen. Dabei ist das Verhalten von Youtube nicht nur schwer nachvollziehbar, sondern auch noch willkürlich: Dutzende von Online-Musiklehrern covern berühmte Songs. Eine der bekanntesten Tutorial-Sammlungen ist "Stefans Musikworkshop" aus Deutschland, der sogar für den renommierten Grimme Online Award nominiert ist.

Auch bei anderen Musikern scheint Youtube ein Auge zuzudrücken: Tausende covern Songs von Adele, Rihanna und Co. auf allen möglichen Instrumenten. Einige treiben es sogar noch wilder und spielen Musik aus Videospielen auf Früchten und zupfen Songs der Heavy-Metal-Ikonen Iron Maiden auf der Harfe.

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Mitarbeit: Daniel Regnery