HOME

Unterwegs mit Pokémon-Go-Nerds: "Ich habe sofort gesehen, dass du keine Ahnung hast"

Vielen erwachsenen Pokémon-Go-Spielern ist es irgendwie peinlich, dass sie spielen. Denn "von außen" kann das kaum jemand verstehen. Und dann gibt es noch richtige Nerds, deren gesamter Tag sich ums Kämpfen organisiert.

Pokémon-Go-Spieler

Sie treffen sich, um zu kämpfen: Pokémon-Go-Spieler verabreden sich über Slack oder Whatsapp, damit sie eine Chance haben, besonders große Pokémon zu erlegen

Benjamin habe ich am Stuhlmannbrunnen kennengelernt. Dort saß ich Anfang November am frühen Abend trotz Eiseskälte auf einer Bank und hatte mein Telefon in der Hand. An einem Ort wie diesem lässt das nur einen Schluss zu: Die spielt. Ohne Pokémon Go hätte ich auch nicht gewusst, dass der gigantische Brunnen mit einem Zentaurenkampf zwischen Altonaer Bahnhof und Rathaus nach seinem Stifter benannt worden ist. Heute dient die Anlage mit der Figurengruppe aus grün angelaufenem Kupfer als Arena für andere Kämpfe. Doch die bleiben normalen Passanten verborgen – um sie zu sehen, muss man Pokémon Go spielen. 

Stuhlmannbrunnen

Am Stuhlmannbrunnen in Altona kämpfen nicht mehr nur Zentauren, doch die Pokémon-Go-Arena bleibt für Nicht-Spieler unsichtbar


Es war schon dunkel, als Benjamin meinen zwölfjährigen Begleiter Bruno und mich ansprach. Mit Bruno war ich bei dem Sauwetter unterwegs, weil wir uns schon lange vorher für diesen Tag verabredet hatten: Der 500. Jahrestag der Reformation hatte uns schul- und arbeitsfreie Zeit beschert. Benjamin hat uns gefragt, ob wir Pokémon Go spielen. Als wir das bejahten, fragte er, ob wir einer Whatsapp-Gruppe beitreten möchten, über die sich Spieler organisieren. Und ich dachte nur: "Warum sollte ich?"

"Wir" sehen alle gleich aus

Pokémon-Go-Spieler erkennt man nicht nur daran, dass sie auf ihre Handys gucken, während sie herumlaufen. Von ihren Telefonen führen Kabel in ihre Jacken- oder Hosentasche, die in einem Juice Pack münden. Denn ohne Strom-Nachschub wäre schnell Schluss mit der Jagd. 

Bevor ich die Gruppe getroffen habe – ich habe mich dann doch darauf eingelassen –, wollte ich von Benjamin wissen, wie oft er spielt. "Eigentlich täglich", antwortete der Florist, der am Ohlsdorfer Friedhof für Blumenarrangements bei Beerdigungen zuständig ist. Das hat mich nicht überrascht, denn auch bei mir vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht wenigstens einen Pokestop drehe und ein Pokémon fange, denn nur so erhält man den Wochenbonus. Benjamin hat vier Tage nach dem App-Release angefangen zu spielen, am 17. Juli 2016. Der 40-Jährige hat inzwischen die höchste Stufe des Spiels erreicht, Level 40, und schon wieder 28.000.000 Punkte plus. Für Spieler wie mich klingt das unglaublich.

Genau wie ich nutzt Benjamin sämtliche Wege, die er zu Fuß zurücklegt, um sein Telefon einzuschalten. "Früher ist man ja immer noch mal extra losgelaufen, aber seit ich alle Pokémon habe und viele Arenen auf dem Status Gold, mache ich das etwas seltener." Früher, das war auch eine Zeit, in der es "illegale" Twitter-Accounts gab, die einem verraten haben, wo gerade welches Pokémon spawnt. 30 Minuten hatte man Zeit, um dorthin zu gelangen und es zu fangen. Bis Juli 2017 sah man noch gelegentlich Horden von Kindern oder Teenagern auf den gleichen Ort zuströmen. Dann hat der Spielehersteller Niantic die Schnittstellen-Schlupflöcher gekittet.

Der Sonntagsspaziergang – wie alles begann

Was mich von Anfang an begeistert hat, ist, wie viel Neues ich durch Pokémon Go erfahre. In meinem Viertel gehe ich nicht mehr den direktesten Weg zum Einkaufen oder nach Hause, sondern einen, an den mich die App lockt, weil dort irgendwas "los" ist. Ich weiß nun, wie rund um mein Haus die Menschen auf den Stolpersteinen heißen und wann und wo sie Opfer der Nazis geworden sind. Ich habe kleine Streetart-Kunstwerke oder gemauerte Fassadenintarsien wahrgenommen, kenne sämtliche Kirchen und war in einigen Ecken zum ersten Mal, obwohl ich schon fast mein halbes Leben in der gleichen Straße wohne. Das liegt daran, dass die Pokéstops und Arenen die Namen der Orte tragen, an denen ihr virtueller Platz ist. Hinzu kommt, dass ich anders gucke, weil ich nicht wie früher alles mit dem Fahrrad erledige, sondern mehr laufe, weil ich mich für die App sonst zu schnell bewege. 

Sonntags suchen meine Freundin Brigiddl und ich uns ein Ziel, fahren mit dem Rad dorthin und gehen spazieren. Mit dem Telefon in der Hand und nach dem Prinzip "Oh, ein Pokémon!" sammeln wir ein, was auf unseren Displays auftaucht. Konstant, aber planlos – und ohne die Erwartung, jemals ein wirklich super starkes Pokémon zu bekommen, für die man seit diesem Sommer mit mehreren Personen an einem sogenannten Raid, einem Kampf, in einer Arena teilnehmen muss. Das hat uns nie interessiert, wir sind hunter and collector und witzeln gerne, dass wir sowieso die letzten beiden Menschen in Deutschland sind, die noch spielend herumlaufen. Seit ich Benjamin kenne, weiß ich das besser. 

Professionell spielen mit der Raidgroup

Als sich Mitte des Jahres die Voraussetzungen geändert haben, hat sich Benjamin einer Whatsapp-Gruppe angeschlossen, um Mitspieler zum Erlegen der sogenannten legendären Pokémon zu haben. Seit Benjamin Bruno und mir angeboten hat, uns dort aufzunehmen, habe ich viel gelernt.

Gegründet hat die Gruppe Felix, 22 und Soziologie-Student. Er spielt Pokémon Go seit dem ersten Tag und er war schon als Kind Fan. Vor rund zehn Jahren sah er regelmäßig die damals erfolgreiche Sendung auf RTL II und hat "Pokémon" auf dem Gameboy, Nintendo DS oder mit Freunden auf dem Game Cube gespielt. Dass der Hersteller Niantic für 2018 "Harry Potter: Wizards Unite" als To-Go-App angekündigt hat, interessiert ihn zum Beispiel überhaupt nicht. "Ich mag zwar die Filme, aber bei Pokémon Go passt der Inhalt auch zum Spiel. Man geht wirklich auf Tour und jagt Pokémon", erklärt er seine Liebe, die allerdings unter dem neuen Arenasystem leidet: "Das hat den ambitionierten Spielern jeglichen Anreiz genommen", sagt er. "Und das ist nicht nur meine Meinung."

Auch Felix' tägliches Leben hat sich durch die App verändert. "Wenn ich Uni habe, spiele ich deutlich weniger, aber auf dem Weg zur Uni und zurück mache ich ein paar Arenen, steige zwischendurch aus und nehme dann den nächsten Bus, der fährt ja alle fünf Minuten. Das bietet sich an. Und ich mache meinen täglichen Raid. Spätestens jeden zweiten Tag." 

Kommunikation in der Whatsapp-Gruppe

Kommunikation in der Whatsapp-Gruppe, die gegründet wurde, um in Arenen an den schwierigen Raids teilnehmen zu können: eindeutige Ortsangaben über Google Maps (l.), latent hakelige Kommunikation (M.) und mein erstes selbst erlegtes legendäres Pokémon (r.) – Raikou.

Er weiß, wie's geht

So strukturiert wie sein Uni-Weg ist auch die Art, wie Felix raidet. Er weiß genau, mit welchem Pokémon er ein anderes bekämpfen muss und welche Attacken sich am besten für einen Arena-Angriff eignen. "Ich habe sofort gesehen, dass du keine Ahnung hast. Du hast die falschen Pokémon benutzt. Relaxo zum Beispiel, den kannst du gut zum Verteidigen in eine Arena stellen, aber der eignet sich nicht im Angriff", verrät mir Felix ungerührt. Shame on me, ich hatte gedacht, ich nehme einfach meine Stärksten.

Am liebsten würde Felix das Spiel weiterhin alleine spielen. Ihn nervt, dass man Mitspieler braucht, um in den Arenen die legendären Pokémon zu erlegen. Er kann nicht verstehen, warum Leute wie ich einfach so drauflos spielen, ohne sich vorher schlau zu machen. Effizienz und Fairness sind ihm wichtig. Deswegen stört es ihn auch, wenn Leute mit mehreren Accounts auf diversen Telefonen unterwegs sind und sich im Niantic-Shop kaufen, was sie brauchen. "Manche haben da schon ein paar Tausender für die Raid-Pässe ausgegeben. Die machen dann 20 Raids am Tag oder sowas. Das ist im Prinzip wie verstecktes Glücksspiel. Je öfter man Raids macht, um so bessere Pokémon kriegt man. Und wenn man ganz viel Geld ausgibt, hat man die allerbesten Dinger." Dass sich das nicht durch Spielleistung erarbeiten lässt, ärgert ihn.

Niantic stellt jedem Spieler täglich nur einen kostenlosen Eintrittspass zur Verfügung, wer in mehr Arenen raiden möchte, muss zahlen. 99 Cent pro Pass. "Ich würde auch kein Geld ausgeben, wenn ich viel Geld hätte“, sagt Felix. "Das macht für mich den Spielfaktor kaputt und alles zu wirtschaftlich." Auch in der Whatsapp-Raidgruppe gibt es Leute, die viel Geld zahlen. Sie spielen mit zwei Handys und zwei oder mehr Accounts parallel und fahren von Raid zu Raid. "Die haben anscheinend ein anderes Verhältnis zu Fairness", vermutet Felix.

Mein erstes Mal – mit total netten Typen

Knapp 150 Mitglieder, rund zwei Drittel davon sind männlich, informieren sich in dieser Whatsapp-Gruppe, wann sie wo hingehen müssen, um an einem Kampf teilzunehmen, für den es mehrere Spieler braucht. Die Postings dort unterliegen einer strengen Disziplin: Eine Markierung bei Google Maps zum Arena-Standort, Gattung des zu besiegenden Pokémon, die Uhrzeit, wann es losgeht sowie die Teilnehmer plus deren Level und Team – mehr Informationen sind wegen der großen Anzahl der Leute aus Gründen der Chat-Hygiene nicht erwünscht. Wer doch mal mehr schreibt, wird freundlich auf die "Labergruppe" hingewiesen, eine weitere Whatsapp-Gruppe, in der sich rund 60 Leute auch über Dinge unterhalten dürfen wie die Namen, die sie ihren erlegten Pokémon geben. Zum Glück lassen sich, wie jede Gruppe bei Whatsapp, auch diese stumm schalten – zu manchen Uhrzeiten trudeln sonst minütlich Nachrichten ein.

Mich hat die Freundlichkeit überrascht, die mir bei meiner ersten Teilnahme an einem Raid entgegenschlug. Für den Angriff auf ein Raikou braucht man mindestens fünf, besser sechs Spieler ab Level 35 aufwärts – sonst kriegt man ihn nicht klein.
Da ich nicht wusste, wie man einen dieser nur für kurze Zeit erscheinenden Raid-Bosse bekämpft, habe ich mich den fremden Menschen, die vor der Christuskirche standen und Telefone in der Hand hielten, gleich mit den Worten "Das ist mein erstes Mal" vorgestellt. "Kein Ding, wir coachen dich da durch", kam es zurück. Und dann wurde gewartet, bis alle, die sich angekündigt hatten, angekommen waren.

Auf die inneren Werte kommt es an

Während ich bislang geglaubt hatte, dass die Zahl der Wettkampfpunkte (WP) über die Stärke eines Pokémon Auskunft gibt, lernte ich in dieser Runde sofort, dass ein anderes Kriterium zählt: der Individual Value, abgekürzt IV und eine Kennzahl, die sich erst durch die Installation einer weiteren App ermitteln lässt – Poke Genie zum Beispiel. Der Aspekt bedeutet mir derzeit noch nichts. Ein neuer Eintrag im Pokédex, der Bilderübersicht, die sämtliche gefangenen Pokémon zeigt, ist mir wichtiger. Meine Mitspieler allerdings konnten kaum fassen, dass ich nicht weiß, was der IV ist.

Pokémon in einer Arena

Typischer Humor der Spieler: In diese Arena wurde eine Babygruppe gestellt – die kleinste Ausgabe der Pokémon – Kussilla, Elekid, Pii, Magby, Fluffeluff und Togepi (v.l.n.r.)

"Unser Sohn hat das angeschleppt", beantwortet Nicole, 45, die Frage, wie sie zu Pokémon Go gekommen ist. "Er hat dann irgendwann aufgehört zu spielen, weil es ihm zu langweilig geworden ist, und wir sind kleben geblieben." Nicole und ihr Mann sind ebenfalls Mitglieder der Altonaer Raidgruppe. Die Redakteurin nutzt jeden Weg, um ihr Telefon einzuschalten und trifft sich zum Kämpfen mit den anderen. "Ich spiele jeden Tag, auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg nach Hause. Das läuft immer mit, ich hab’s immer an, egal ob ich Bus fahre oder S-Bahn, irgendwas geht immer mit", sagt sie und das bedeutet, dass auch beim Anfahren und Abbremsen ein paar Meter in der App notiert werden. "Ich schaffe es aber nicht, jeden Tag einen Raid zu machen, weil ich auch mal länger arbeite." In Europa finden nur bis zirka 19 Uhr Raids statt, es gibt bereits eine Petition, in der Niantic um die Ausdehnung der Spielzeit gebeten wird.

Aber spielsüchtig sind wir natürlich alle nicht ...

Egal mit wem ich gesprochen habe, spielsüchtig ist natürlich kein einziger Pokémon-Go-Spieler. Selbst wenn sie gleich mehreren Raid-Gruppen angehören, die ihre Telefone mit Nachrichten und Treffen beschicken, und täglich auf der Jagd sind. Die positiven Effekte überwiegen so sehr, dass das Wort Sucht nicht zu passen scheint. "Man kommt raus und trifft andere Leute, die ich im normalen Leben niemals getroffen hätte", sagt Nicole. Zwischen manchen Spielern sind bereits mehr als Zweck-Freundschaften entstanden. Einige sind etwa zusammen nach Amsterdam gefahren, um an einem Event teilzunehmen, bei dem andere Pokémon auftauchen als normalerweise. Das Safari-Zone-Event lockte mehr als 20.000 Teilnehmer an sieben europäischen Standorten in die Einkaufszentren der Städte, die dort über sechs Millionen Pokémon gefangen haben.

Es ist ein Leben in einer virtuellen Parallelwelt. Kommunikation über Whatsapp mit Leuten, über die man nichts weiß, Ziele ansteuern, die von außen betrachtet Kirchen, Brunnen oder Grabstätten sind, Monster fangen, die nur digital existieren. Dann steht man nebeneinander, sagt Hallo, einigt sich über die Gruppenzusammensetzung, tippt 240 Sekunden auf sein Handy ein. Ist das legendäre (oder weniger legendäre) Vieh besiegt, muss es jeder für sich "nur noch" fangen – das ist das Schwierigste. Während die Langsamsten noch Bälle abfeuern, sagen die Ersten schon wieder tschüs. Oder gehen vor zur nächsten Arena. Wie soll man Außenstehenden erklären, warum das Spaß macht?

Harte Strafe in Russland: Russe spielt an ungewöhnlichem Ort Pokémon Go - nun droht ihm Gefängnis


Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.