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Datenflatrates bei Handys: "Grenzenloses Surfen" hat Grenzen

Angebote für Flatrates für Telefon-, Handy- und Internetverträge gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Die Werbung verpricht Pauschaltarife ohne Begrenzungen. Doch wer seine Flatrate besonders intensiv nutzt, dem droht die Kündigung. Zurzeit sind es vor allem Mobilfunkanbieter, die teure Nutzer abservieren.

Von Birgit Haas

"Unbegrenzt surfen", "Egal, wie viele Stunden", "Ganz gleich, wie viel Volumen" - das sind Schlagworte, mit denen der Mobilfunkanbieter Base für seine Internetflatrate wirbt. Die Pauschalangebote, auch zum Telefonieren oder SMS-Schreiben, sind erfolgreiche Produkte. Sie versprechen dem Kunden endlose Freiheit zum kleinen Preis. In letzter Zeit jedoch machen sich verschiedene Anbieter mit Kündigungen unbeliebt. Zum Beispiel bei Bernd Macheleidt, dem Anfang April fristlos von dem zu E-Plus gehörenden Anbieter Base gekündigt wurde. Im Schreiben der Mobilfunkfirma stand nichts über endloses Surfen im Internet. Vielmehr wurde dem IT-Ingenieur aus Bremerhaven unterstellt, dass seine "unübliche Nutzung" das E-Plus-Netz störe und er die Flatrate durch "Aufrechterhalten einer Onlineverbindung über mehrere Tage hinweg und permanente Datenübertragung missbrauche. "Ich dachte, dass das der Sinn einer Flatrate sei", wundert sich Macheleidt.

In seinem Büro in Bremerhaven und zu Hause hört Macheleidt oft Internetradio. 1,4 Gigabyte lädt er bei der permanenten Datenverbindung täglich aus dem Netz. Bernd Macheleidt ist ein "Poweruser", ein Vielnutzer, dessen monatliches Datenvolumen mehr als zehn Gigabyte beträgt. Rund 1,5 Prozent der Kunden sind Vielnutzer, schätzt Hans-Peter Eitel, Gründer und Geschäftsführer der Radicens GmbH, die unter Marke "Moobicent" auf dem Markt des mobilen Internet auftritt. Die Poweruser bringen dem Mobilfunkanbieter keinen Gewinn. Die Konkurrenz auf dem Mobilfunkmarkt ist groß, deshalb sinken die Preise für Flatrate-Produkte. Demzufolge verringert sich die Ertragsgrenze und die Kundengruppe der Vielnutzer wird immer größer.

Viele Anbieter sortieren aus

Nicht nur Base sortiert diese unrentablen Kunden aus. Arcor, Alice und Congstar sorgen gleichermaßen für empörte Beschwerden in diversen Internetforen, zum Beispiel bei onlinekosten.de. Dort machen Handynutzer ihrem Ärger über die vermeintlichen Kündigungswellen Luft. "Wettbewerb auf Kosten der Kunden", nennt Carola Elbrecht, Telekommunikationsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband, die Tatsache, dass der Druck, dem die Unternehmen ausgesetzt sind, an den Kunden weitergegeben wird. Bernd Macheleidt meint: "Die Unternehmen haben sich verkalkuliert."

Statt Flatrates zeitlich oder im Volumen zu begrenzen, kündigen die Unternehmen den Kunden, bei denen sie draufzahlen. Eine eingeschränkte Flatrate wäre eine Absage an das abgegebene Produktversprechen. Und damit auch eine Absage an die lukrativen Kunden. Base plane deshalb keine Veränderungen und werde auch in Zukunft seinen Vielnutzern kündigen, so E-Plus-Pressesprecher Klaus Schulz. Mit Vertragsende setzt der Mobilfunkanbieter den Kunden endgültig vor die Tür, ein Folgevertrag kann nicht abgeschlossen werden.

Auslegungssache

So werden die Flatrate und ihre Bedingungen zur Auslegungssache der Mobilfunkversorger. Keiner weiß so richtig, was Arcor unter "außergewöhnlich hoher Nutzung" oder Base unter "unüblicher Nutzung" versteht.

Der Kunde bleibt verunsichert zurück und verliert das Vertrauen in die Anbieter. Sich gegen die Kündigung zu wehren ist schwierig, aber nicht unmöglich. Bernd Macheleidt hat erfolgreich eine einstweilige Verfügung gegen Base erwirkt. Sein Internetanschluss wurde eine Woche nach der Kündigung wieder freigeschaltet. Base lässt nun prüfen, ob die Verfügung rechtens ist und will den Fall vor Gericht verhandeln. Das Urteil würde einen Präzedenzfall im rechtlichen Freiland der Flatrates schaffen. Aber das Risiko für Macheleidt ist hoch: Sollte er verlieren, muss er die Kosten des Verfahrens tragen und Schadensersatz an E-Plus zahlen.

Auch Congstar, die Discountmarke der Deutschen Telekom AG, kündigt SMS- und Sprechflatrates. Ohne Begründung. In den AGB ist festgelegt, dass Kunde und Unternehmen jeden Monat den Vertrag auflösen können, eine Mindestvertragslaufzeit gibt es nicht. Die flexible Vereinbarung kommt Congstar entgegen. Wie viele der etwa 200.000 Kunden sich von einem Monat auf den anderen einen neuen Anbieter suchen müssen, darüber schweigt Congstar genauso wie zu den Gründen der Kündigungen. Auch wenn die Kündigungen rechtlich gesehen einwandfrei sind, aber der Kunde wird vor den Kopf gestoßen. Für ihn ist sowohl beim Vertragsabschluss als auch später nicht klar, wie viel er telefonieren kann ohne gekündigt zu werden. Wer sich für eine Flatrate entscheidet, muss damit rechnen, dass "unbegrenztes Surfen" durchaus seine Grenzen hat.

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