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Handynummern: Kein Schwein ruft mich an

Das gute alte Telefonbuch ist überfragt, wenn es um Handynummern geht. Ein neuer Vermittlungsdienst soll das nun ändern und Handybesitzer erreichbarer machen. Eine Gesetzesänderung macht es möglich.

Von Arndt Ohler und Gerhard Hegmann

Die lästige Suche nach Handynummern könnte mal ein Ende haben, doch billig wird der neue Service nicht sein

Die lästige Suche nach Handynummern könnte mal ein Ende haben, doch billig wird der neue Service nicht sein

Führende Mobilfunkunternehmen arbeiten mit Auskunftsanbietern an einer Superdatenbank für die weit über 80 Millionen Handynummern in Deutschland. So soll möglich werden, dass Nutzer indirekt Zugang zu Millionen Handyanschlüssen bekommen können, die nicht in Datenbanken von Anbietern wie Deutsche Telekom, Telegate oder Go Yellow enthalten sind. "Ja, es gibt entsprechende Pläne der großen Carrier", heißt es in informierten Kreisen. Auslöser für den Aufbau der Datenbank ist eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes. Danach dürfen Handynutzer über einen Gesprächswunsch informiert werden - selbst wenn ihre Nummer nicht im Telefonbuch steht. Go Yellow baut über seine neue Tochter 118.000 dafür einen Vermittlungsdienst auf. Die Branche sieht jetzt die Möglichkeit, dass die von einem Anrufer gewünschte Person entweder von einer Vermittlung oder per SMS informiert wird. Der Gesuchte kann selbst entscheiden, ob er das Gespräch annimmt oder zurückruft. Die Handynummer bleibt verborgen. "Die Leute wollen erreichbar sein, aber nicht von Jedermann", sagte ein Manager.

Lukratives Geschäft für Anbieter

Für die Branche lösen sich durch das Projekt zwei Probleme. Derzeit sind lediglich etwa drei bis fünf Prozent der fast 100 Millionen deutschen Handynummern in Telefonbüchern oder im Internet zu finden. Durch die neue Datenbank würde die Abdeckung sehr deutlich steigen. Zudem können Anbieter wie Deutsche Telekom, Telegate oder Go Yellow mit zusätzlichen Umsätzen rechnen. Das Geschäft ist lukrativ: Ein Anruf kostet je nach Anbieter mindestens zwischen 75 Cent und knapp 2 Euro. Zuletzt ging die Zahl der Anrufe zurück. Onlineanbieter sowie CDs mit Telefonnummern haben den Bedarf deutlich gesenkt. Die hohen Preise haben zudem kleinere, aggressive Anbieter wie die Auskunft 11.813 angelockt. Das Unternehmen mit Sitz in Grünwald bietet seit einiger Zeit Anrufe für 59 Cent pro Minute an. Bei Erfolg will das Unternehmen den Preis senken.

Kernproblem Datensicherheit

Neben der Frage, wie die Umsätze zwischen Mobilfunkanbietern, dem Betreiber der Datenbank sowie den Auskunftsdienstleistern aufgeteilt werden, ist Datensicherheit eines der Kernprobleme. "Wie kann verhindert werden, dass die jeweiligen Juwelen der Carrier - der Datenpool der eigenen Daten - vor dem Zugriff der Wettbewerber geschützt werden?", beschreibt ein Beteiligter das Dilemma. Bevorzugter Partner für die Zusammenführung, den Betrieb und die Sicherheit der neuen Handynummern-Datenbank ist bislang das Unternehmen IT2media. Das Unternehmen wollte die Pläne gestern nicht kommentieren. Trotz der vielen Beteiligten "sollte das Projekt dieses Jahr ins Laufen kommen", sagte ein Beteiligter.

FTD