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Apple "iPhone": Ein Handy zum Streicheln

Apple geht unter die Handy-Hersteller. Monate voller Spekulationen sind zu Ende. Das "iPhone" ist da - eine Kreuzung aus Smartphone und iPod, mit interessantem Bedienkonzept. Wer das teure Stück besitzt, wird sich ständig die Hände waschen.

Von Ralf Sander

Nach monatelangen Spekulationen ist es da: Auf der Hausmesse Macworld Expo in San Francisco hat Apple tatsächlich ein Mobiltelefon vorgestellt, das den Namen "iPhone" trägt. In seiner bewährt unbescheidenen Art begrüßte Apple-Chef Steve Jobs das Publikum mit den Worten: "Wir schreiben heute gemeinsam Geschichte". Was er dann präsentierte, war eine Kombination aus Mobiltelefon, Musikspieler und Handheld-Computer, verpackt in einer edlen iPod-ähnlichen Hülle und ausgestattet mit interessanten Bedienideen.

Nur eine Taste hat das iPhone, "Home", um zum Startbildschirm zurückzukehren. Ansonsten wird das Gerät ausschließlich über den großen berührungsempfindlichen Touchscreen bedient - und zwar nicht mit einem Stift, wie bei den meisten PDA, sondern nur mit den Fingern. Multitouch heißt das Eingabesystem, das Apple selbstbewusst als das "revolutionärste Userinterface seit der Maus" bezeichnet. Je nach Anwendung werden auf dem Bildschirm Knöpfe zum Antippen angezeigt. Andere Elemente werden durch auf das Display gemalte Gesten bedient. Durch Listen mit Liedern beispielsweise lässt sich mit einer Wischbewegung scrollen. Für Texteingabe lässt sich auch eine vollständige Tastatur einblenden.

Sensationelle Sensoren

Mithilfe verschiedener Sensoren soll das Handy erkennen, was sein Benutzer gerade tut. Dreht man das iPhone um 90 Grad, passt sich der Inhalt des Bildschirms an und füllt das Display im Querformat. Die Helligkeit der Umgebung beeinflusst die Stärke der Displaybeleuchtung. Wird das Gerät zum Telefonieren ans Ohr gehalten, schaltet sich der Bildschirm selbstständig ab, um Strom zu sparen und unabsichtliche Eingaben zu verhindern. Auch eine Ohrmuschel kann Tasten drücken... Außerdem misst laut Apple das Gerät sogar den Abstand zum Ohr und regelt daraufhin die Lautstärke.

Im Innern des iPhones verrichtet ein Prozessor eines bisher unbekannten Herstellers seine Arbeit. Hier kam es im Trubel der Jobs-Show zunächst zu einer Fehlinformation: Apple selbst verkündete, der Prozessor käme - wie bei den Mac-Computern - von Intel. Am Abend kamen von beiden Seiten die Dementis.

Apples Betriebssystem Mac Os X steuert das Handy. Eine Verbindung zu Windows-PCs sei aber möglich, um Adressen und Kalender zu synchronisieren und sich mit iTunes zu verbinden. Schließlich steckt in dem Telefon ein kompletter iPod mit seinen bewährten Musik- und Video-Funktionen. Eine Digitalkamera mit einer Auflösung von zwei Megapixeln ist eingebaut. Das Mobiltelefon beherrscht die Mobilfunkstandards Quad-Band GSM und EDGE, zur Überraschung vieler Experten wird UMTS nicht unterstützt. Um als persönlicher digitaler Assistent zu funktionieren, verfügt das iPhone über Standardfunktionen wie Kalender, Adressbücher und einen E-Mail-Client, der auch HTML-Mails darstellen kann. Zum Surfen im Web, das drahtlos über Bluetooth und WLan möglich ist, dient die Mobilvariante von Apples eigenem Browser Safari. Der Kartendienst Google Maps ist vorinstalliert. Werden irgendwo auf einer Website Telefonnummern dargestellt, können diese durch Antippen gleich gewählt werden. (Weitere technische Daten im Kasten.)

Die Maße des vorne glänzend schwarzen und auf der Rückseite iPod-weißen Geräts betragen 115 x 61 x 11,6 Milimeter, damit ist es ein wenig flacher als das auch wegen seiner Schlankheit erfolgreiche Razr-Handy von Motorola. Das Display hat eine Auflösung von 480 x 320 Pixeln und eine Diagonale von rund neun Zentimetern.

Ein elitäres Produkt

Bei der Preisgestaltung peilt Apple nicht den Normalverbraucher an. Mit einem Speicher von vier Gigabyte kostet das Handy, das ab Juni in den USA erhältlich sein wird, 499 Dollar. Die 8-GB-Variante schlägt mit 599 Dollar zu Buche - und in beiden Fällen müssen Amerikaner einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber Cingular eingehen. In Europa sollen die iPhones im vierten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen. Was die Geräte kosten werden und ob es wie in den USA eine Bindung an einen Provider geben wird, ist noch unbekannt.

Erstes Fazit

Auch wer nicht zu den loyalen Apple-Jüngern gehört, ja vielleicht von dem Getöse, den das Unternehmen aus Cupertino um jedes Produkt macht, inzwischen etwas genervt ist, kann sich der Faszination des iPhones nur schwer entziehen. Was Apple präsentiert hat, klingt spannend. Anfassen und ausprobieren - darum geht es jetzt. Die ganzen toll klingenden Ideen müssen in der Praxis zeigen, ob sie erstens funktionieren und zweitens nützlich sind. Und ob man für ein Handy in dieser Preisklasse auf UMTS verzichten will und wie man seine Music-Sammlung von dem alten 40-GB-iPod auf das 8-GB-iPhone kriegt - darüber sollte man vielleicht auch nachdenken.