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Kryptohandy Blackphone: An diesem Handy beißt sich die NSA die Zähne aus

Schluss mit Überwachung: Ein Team von Sicherheitsexperten hat ein abhörsicheres Smartphone entwickelt, das die Privatsphäre seiner Nutzer schützt. Das Blackphone soll im Februar erscheinen.

Spätestens seit Edward Snowdens Enthüllungen weiß die Welt: Die NSA und andere Geheimdienste sammeln alle Daten, die sie kriegen können. Internetkabel werden angezapft, Telefonate mitgeschnitten, Computer ausgespäht. Neuesten Enthüllungen des britischen "Guardian" zufolge greift die NSA jeden Tag 200 Millionen SMS ab. Das Programm mit dem Namen "Dishfire" sammele wahllos "so ziemlich alles, was es kann", gehe aus Papieren des britischen NSA-Partnerdienstes GCHQ hervor. Der Datenberg werde anschließend nach Informationen über Reisepläne, Adressbücher oder Finanztransaktionen durchsucht, heißt es in dem Bericht.

Einziger Zweck: der Schutz der Privatsphäre

Eine Gruppe von Verschlüsselungs-Experten will sich das nicht länger gefallen lassen. Sie haben ein angeblich abhörsicheres Smartphone entwickelt, das einen simplen Schutz vor der Geheimdienst-Überwachung bieten soll. Das Gerät mit dem Namen Blackphone wird Ende Februar vorbestellt werden können. Die Nutzer sollen unter anderem abhörsichere Telefonate führen und Daten geschützt übertragen können, teilen die Entwickler auf der Homepage des Projekts mit.

Hinter dem Gerät stehen die beiden Firmen Silent Circle und Geeksphone: Silent Circle hat sich auf Apps spezialisiert, die verschlüsselte Kommunikation ermöglicht. Das spanische Unternehmen Geeksphone wurde international bekannt, weil es die ersten Firefox-Handys angeboten hat. Unter den Initiatoren ist auch der Entwickler der populären Verschlüsselungssoftware PGP, Phil Zimmermann.

"Das Wichtigste beim Blackphone ist die Aufrechterhaltung der Privatsphäre", sagt Zimmermann in einem Video. "Wir versuchen ein Smartphone zu bauen, dessen einziger Zweck es ist, die Privatsphäre des Nutzers zu schützen." Das Blackphone soll mit einer speziell gesicherten Abwandlung des Google-Betriebssystems Android laufen, die den Namen PrivateOS bekam.

High-End-Handy gegen Überwachung

Viele Details sind noch nicht bekannt. Zur Ausstattung des Telefons geben sich die Blackphone-Macher bedeckt. Nur soviel verraten sie bereits: Es soll sich um ein High-End-Handy handeln. In Benchmark-Tests, in denen die Leistungsfähigkeit von Geräten ermittelt werden, soll das Blackphone auf Augenhöhe mit Produkten der Konkurrenz liegen. Vermutlich wird es einen Vierkernprozessor und mindestens zwei Gigabyte Arbeitsspeicher bieten.

"PrivateOS ist ein normales Android, wie man es kennt, mit allen Apps, die es dafür gibt", erklärt Geeksphone-Chef Javier Agüera. Ob Googles Software-Laden Play auf dem Handy installiert ist, ist derzeit noch unklar. "Zusätzlich gibt es Sicherheitsfunktionen, die das Verschicken von verschlüsselten Nachrichten ermöglichen. Und es gibt mehr Privatsphäre", sagt Agüera. Auf der Website heißt es, das Blackphone ermögliche "sichere Telefongespräche, sicheren Nachrichtenaustausch, sicheren Datenaustausch und Datenspeicherung, sicheren Videochat und privates Websurfen". Das Surfen soll dank einer VPN-Verbindung verschlüsselt sein. Wie bei allen Krypto-Handys dürfte eine wirklich sichere Kommunikation nur zwischen zwei Geräten des gleichen Modells möglich sein.

Offiziell wird das Blackphone am 24. Februar auf dem Mobile World Congress vorgestellt.

Christoph Fröhlich/mit Agenturen