HOME

Mobilfunk: Hässliche Masten im Kruzifix versteckt

Ungeliebte Mobilfunkmasten werden vermehrt vor den kritischen Augen der Anwohner verborgen. Als Tarnung sehr beliebt sind Kirchenkreuze, Fahnenmasten und künstliche Bäume.

Ob als Kamin, Nistkasten, Baum, Klimaanlage oder Kirchen-Kreuz getarnt: Ungeliebte Mobilfunkmasten verschwinden vielerorts unter täuschenden Kunststoffhüllen, werden bemalt oder hinter Wänden platziert. Die Vermietung von Standorten für die Sendemasten bringt privaten Hauseigentümern, Kommunen und Kirchen gutes Geld - aber eben oft auch reichlich Ärger mit Bürgern und Nachbarn. Sind die Handys auch weiter auf dem Vormarsch - die Sendeanlagen will niemand in seiner Nähe haben.

"Das Verstecken von Mobilfunkmasten in Kaminen geschieht häufig wegen Anwohnerprotesten", sagt der Mobilfunkexperte des privaten Umweltinstituts München, Hans Ulrich-Raithel. Dutzende Beispiele hat das Institut allein in München zusammengetragen: Die Anlagen sind auf Litfasssäulen und in bunten Werbeträgern installiert, wie ein Rauchfang ummantelt oder umgebungsgerecht im Rot der umliegenden Dachziegel gestrichen. Die Antennen seien häufig so unauffällig eingebaut, dass sie sogar für Experten nicht zu finden seien.

Ein Sender im Kruzifix

Vor allem in Kreuzen versteckte Masten sorgten für Wirbel. In Neuburg an der Donau ist der Sender im Kreuz auf dem Dach der evangelischen Apostelkirche verborgen, und auch in Schwabhausen im Landkreis Dachau steckt ein Sender in einem Kruzifix, nämlich an der Aussegnungshalle der Gemeinde.

"Wir waren im Gemeinderat schon überrascht", berichtet der Schwabhausener CSU-Gemeinderat Heinrich Loderer. Die Verträge für die Masten wurden inzwischen gekündigt. Laut Bürgermeister Josef Mederer soll ein "verträglicher Standort" gefunden werden. In Neuburg an der Donau hingegen habe es wegen des Kreuzes wenig Diskussionen gegeben, sagt Pfarrer Johannes de Fallois. Vielmehr sei das neue Kreuz mit Antenne größer als das ursprüngliche, was bei den Gläubigen offenbar nicht schlecht ankam. "Jetzt ist die Kirche als solche zu erkennen."

"Wir verkleiden nichts"

Mobilfunkbetreiber weisen zurück, dass die Masten gezielt versteckt würden. Es gehe um ästhetische oder denkmalschützerische Gründe. "Wir verstecken nichts", sagt der Sprecher von T-Mobile in Bayern, Markus Jodl. Der Prozentsatz der verkleideten Antennen liege bei 5 Prozent. T-Mobile reagiere mit dem Bereitstellen diverser Verkleidungen auf die Wünsche der Standortvermieter. "Wir verkleiden von uns aus keine Standorte: Es hat funktechnisch keinen Sinn, es hat finanziell keinen Sinn - und es bringt imagemäßig gar nichts."

Dennoch boomt das Geschäft mit der Verkleidung. "In Städten wird bei uns ohne Verkleidung gar nichts mehr gebaut", sagte Stefan Scharf von der Industrieanlagenbau GmbH im österreichischen St. Stefan bei Kärnten. Die Masten der Firma senden aus bis zu 30 Meter hohen künstlichen Bäumen, die sich täuschend echt in Wälder und Parks einpassen. Rund ein Dutzend der etwa 50.000 Euro teuren Bäume seien schon verkauft worden. "Es schaut original aus wie ein Baum." In Städten bietet die Firma weitere Lösungen. "Wir tarnen Masten beispielsweise als Fahnenmasten - das ist bei Gemeinden sehr beliebt, zum Beispiel für Marktplätze."

Antennen passen nicht auf bayerische Zwiebeltürme

Hagelt es schon bei weltlichen Senderstandorten heftige Bürgerproteste, sehen sich die Kirchen auch noch einer Glaubensdebatte gegenüber. Eine Sendeanlage ausgerechnet in ein Kreuz zu stecken, werde "allgemein aus theologischen Gründen als Irrweg angesehen", sagt der Umweltbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Hans Diefenbacher.

Die Katholische Kirche im Erzbistum München und Freising hat schon vor drei Jahren entschieden: Trotz lukrativer Angebote von Mobilfunkbetreibern werde es auf den Türmen der katholischen Kirchen im Erzbistum keine Antennen geben. Ähnlich halte es die Mehrzahl der deutschen Bistümer, sagt Adelheid Utters-Adam vom Erzbischöflichen Ordinariat. "Wir möchten die Diskussion nicht in die Gemeinden tragen - und außerdem passen die Masten nicht gut auf die Zwiebeltürme bayerischer Kirchen."

Sabine Dobel/DPA / DPA