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Roaming: Verbraucherschützer kritisieren Mobilfunkbetreiber

Das mobile Telefonieren im Ausland soll günstiger werden, so will es die EU. Und einige Mobilfunkbetreiber haben ihre Gebühren für Handy-Gespräche im Ausland bereits gesenkt - nur ein Täuschungsmanöver, mahnt jedoch der europäische Verbraucherschutzverband.

Der europäische Verbraucherschutzverband BEUC hat führenden Mobilfunkbetreibern vorgeworfen, die Gebühren für Handy-Gespräche im Ausland nur sehr selektiv gesenkt zu haben. Entgegen der Darstellung der Unternehmen profitierten die meisten Kunden nicht von der Senkung der so genannten Roaming-Gebühren im vergangenen Sommer, erklärte BEUC-Direktor Jim Murray auf einer Pressekonferenz in Brüssel.

Harsche Kritik der Verbraucherschützer

Als Negativ-Beispiel zitierte der Verbraucherschutzverband ein Angebot des französischen Mobilfunkbetreibers Orange. Dieser bietet Vergünstigungen für Kunden an, die mindestens 40 Minuten pro Monat im Ausland mit dem Handy telefonieren. "Die meisten Verbraucher fahren nicht jeden Monat in Urlaub", kritisierte BEUC-Expertin Dominique Forest. Auch andere Betreiber hätten die Preise lediglich für Vieltelefonierer gesenkt. Der Verbraucherschutzverband sprach von einem Täuschungsmanöver, mit dem die Unternehmen offenbar eine gesetzliche Regulierung verhindern wollten.

Die EU-Kommission hatte im Juli vergangenen Jahres den Entwurf einer Verordnung zur Begrenzung der Roaming-Kosten vorgelegt. Diese Verordnung soll nach bisherigen Planungen noch unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft bis Ende Juni verabschiedet werden. Die Kommission will unter anderem, dass der Endkundenpreis nicht mehr als 30 Prozent über dem Großkundenpreis liegen darf. Von den hohen Roaming-Tarifen sind der Kommission zufolge 110 Millionen Geschäftskunden und 37 Millionen Touristen betroffen. Die Kosten für einen Roaming-Anruf lägen fünf mal höher als die tatsächlichen Kosten und vier mal höher als die Inlandstarife. Die Kommission begründet das beabsichtigte Eingreifen in den Roaming-Markt damit, die Tarife stellten vor allem für mittleren Unternehmen "einen erheblichen Kostenfaktor" dar.

"Bizarre" Argumentation

Der EU-Verbraucherverband BEUC bezeichnete die Argumentation der Betreiber, die Geschäftskunden seien zum Roaming gezwungen und würden bei niedrigeren Endpreisen auch nicht mehr als bisher telefonieren, als "bizarr". Dies erkläre zwar "exorbitante" Preise, sei aber falsch: Nicht nur Geschäftskunden, vor allem Touristen würden wesentlich mehr im Ausland mobil telefonieren, wenn das nicht so teuer wäre. Der Verband kam bei der Prüfung der Handy-Rechnungen von 29 Europa-Abgeordneten zu dem Ergebnis, dass jeder Parlamentarier bei Begrenzung der Roamingkosten im Durchschnitt 1159 Euro pro Monat sparen würde.

DPA/AP / AP / DPA
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