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Nach dem Note-7-Debakel: "Samsung braucht einen Neuanfang"

Es ist ein Ende mit Schrecken: Samsung hat die Produktion des Galaxy Note 7 endgültig eingestellt. Das kostet den Konzern Milliarden, kann am Ende aber auch zu etwas Gutem führen.

Um einen langfristigen Image-Schaden abzuwehren, muss Samsung transparent die Ursachen der jüngsten Krise erklären

Um einen langfristigen Image-Schaden abzuwehren, muss Samsung transparent die Ursachen der jüngsten Krise erklären - und Besserung geloben

Wochenlang beherrschten die explodierenden und in Flammen aufgehenden Samsung-Smartphones die Schlagzeilen. Am Dienstag zogen die Südkoreaner endgültig den Stecker: Die Produktion des Galaxy Note 7 wurde eingestellt. Alle Besitzer sollen die betroffenen Smartphones ausschalten, 2,5 Millionen Geräte müssen umgetauscht werden. Selbst für ein Schwergewicht wie Samsung ist das ein immenser Kraftakt, der nicht nur Ressourcen bindet, sondern auch jede Menge Geld verschlingt.

Analysten zufolge könnten die Kosten insgesamt 17 Milliarden Dollar betragen - der Kursverlust an der Börse ist da noch nicht einmal eingepreist. Die Aktie fiel in den vergangenen Tagen um mehr als acht Prozent, das sind umgerechnet noch einmal 20 Milliarden Dollar.

Das Galaxy S8 entscheidet über die Zukunft

Für Samsung ist der Produktionsstopp des Galaxy Note 7 ein Debakel. Vor allem die langfristigen Folgen sind nur schwer abzuschätzen: Hat die Marke nun einen Vertrauensverlust erlitten, von dem Konkurrenten wie Google, Apple, Sony oder Huawei profitieren? Oder bleibt es in der Wahrnehmung vieler Kunden ein einmaliger Ausreißer, der spätestens mit dem Galaxy S8 wieder vergessen ist?


Jenes Gerät dürfte über Samsungs Zukunft im Mobilfunkbereich maßgeblich entscheiden. Die S-Serie ist traditionell das Aushängeschild, mit dem Samsung Millionen Kunden erreicht. Und beim Galaxy S8 plant Samsung eine Reihe neuer Features, unter anderem eine Doppel-Kamera, wie sie auch beim iPhone 7 Plus zum Einsatz kommt. Außerdem soll das Display nun die ganze Frontseite bedecken.

Doch beim Galaxy S8 wird man erstmals nicht nur auf die neuen Funktionen schauen, sondern genauer hingucken: Läuft der Akku heiß? Wie stabil ist das Gerät? Für Samsung liegt die Messlatte hoch, und der Konzern darf sich keinen Patzer erlauben.

"Samsung braucht einen Neustart"

Damit das nicht passiert, dürfte Samsung einige Bereiche in seinem Mega-Konzern umkrempeln. Denn im Gegensatz zu anderen Herstellern baut Samsung viele Teile seiner Geräte selbst, vom Akku über den Prozessor bis zum Speicher. Samsung muss abklopfen, ob das Note-7-Debakel nicht direkt oder indirekt noch andere Konzernsparten betrifft. Finanziell kann der Konzern das locker verkraften, jedes Quartal streicht er Milliardengewinne ein.

Viele Experten erwarten deshalb, dass Samsung keinen Stein auf dem anderen lässt: "Samsung braucht einen Neustart", sagt etwa der koreanische Experte Chung Sun-sup. "Wenn der Neustart auch wirklich Veränderungen mit sich bringt, können sie wieder das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen."

Wichtig ist aber auch eine klare Kommunikationsstrategie. Der Konzern muss seinen Kunden erklären, wie es zu dem Note-7-Desaster kommen konnte. Denn nichts vergiftet das Vertrauen der Kunden mehr, als wenn mit der unangenehmen Wahrheit nur scheibchenweise herausgerückt wird - siehe Volkswagen. Samsung muss aber auch erklären, wie man solche Vorfälle in Zukunft vermeiden möchte.

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