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G-Train "Palast auf Schienen" – der 350-Millionen-Dollar-Luxuszug

Im schwarzen Modus ist die Inspiration durch den "Snowpiercer" offensichtlich.
Im schwarzen Modus ist die Inspiration durch den "Snowpiercer" offensichtlich.
© Thierry Gaugain
Die Eisenbahn erlebt ein Revival. Im Prinzip kann ein Zug problemlos mit regenerativer Energie betrieben werden. Der Designer Thierry Gaugain stellt seine Vision eines luxuriösen Privat-Zuges vor.

In Asien arbeiten Japan, Südkorea und China an ihren Visionen von Hochgeschwindigkeitszügen, die schneller sind als Verkehrsflugzeuge, in Europa wird über ein Netz von Nachtzügen als Alternative zu Flugreisen nachgedacht. Der französische Designer Thierry Gaugain hat nun seine Vision eines privaten Luxuszuges – G-Train – vorgestellt, der als "Palast auf Schienen" die Welt bereisen soll.

Privatzüge waren einst bei Königen und anderen Potentaten beliebt. Nur könnten sie bei den Superreichen wieder modern werden. Der Zug wäre dann die Festlandalternative zu den Superjachten. Unter anderem ist Gaugain für das mit Philippe Starck entwickelte Design der 80 Meter langen Jacht "Venus" des Apple-Mitbegründers Steve Jobs bekannt.

"Dieser Zug ist für einen einzigen Besitzer gedacht", sagte Gaugain gegenüber CNN. Der Besitzer versteht, dass es hier nicht nur um Transport geht. Es geht um Reisen, nicht darum, wie schnell man von Punkt A nach Punkt B kommt."

In Gaugains Vorstellung ist der Zug das Ziel der Reise. "Beim Reisen geht es nicht um Geschwindigkeit", sagte er. "Es geht darum, sich die Zeit zu nehmen, denn Zeit ist der einzige Schatz, den wir haben."

Mehr als nur Rendering

Der 400 Meter lange Zug besteht aus 14 Waggons. Die Außenhaut besteht aus einem Glas, dass sich von undurchsichtig bis zur vollständigen Durchsichtigkeit verwandeln kann. Der ganze Zug ist eine inszenierte Bühne. Er kann Licht, Jahreszeit und Tempo ändern. Er bietet nur Platz für etwa 18 Gäste und soll mit einer moderaten Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde auf Schienen in ganz Amerika und Europa fahren. Experten wie der Schweizer Zugbauer Stadler, der Glashersteller Saint-Gobain und das britische Ingenieurbüro Eckersley O'Callaghan stellen sicher, dass dieses Konzept auch gebaut werden kann.

Die Technik des Zuges ist aufwendig, weil es kein definiertes Einsatzland gibt und die Technik also mit vielen Schienen- und Steuerungssystemen zurechtkommen muss. Auf Wunsch kann sich der Zug in der Mitte teilen und beide Teile können unabhängig voneinander fahren. In der Mitte des Zuges befindet sich eine "Halle", die zu seinem Hauptwohnbereich führt mit der Unterkunft des Eigentümers. Das Ganze ähnelt den Oberklassewagen des Zuges in Bong Joon-hos Science-Fiction-Film "Snowpiercer".

Dann folgen ein Unterhaltungsbereich und eine Sektion für die Gäste, ein Gesellschaftsraum und schließlich der prächtige Grand Salon umfasst, der speziell für Empfänge konzipiert ist. Im Stehen kann ein Teil der Seitenwände heruntergeklappt werden, dann vergrößern sich die Abteile um Terrassen im Freien.

Gaugain glaubt, dass Züge keine Objekte der Vergangenheit seien. "Züge treffen gerade die Gegenwart. Es gibt nichts Nachhaltigeres als Züge, wenn es um Reise geht. Noch gibt es keinen Kunden. Die Kosten schätzt der Designer auf etwa 350 Millionen Dollar – die Bauzeit soll zweieinhalb Jahre betragen.

Die Welt vom Abstellgleis aus erleben?

Wie realistisch ist das Projekt? In Zeiten, in denen der Weltraumtourismus gefeiert wird, dürften die immensen Kosten nicht abschrecken. Allerdings fällt es schwer, sich den realen Einsatz vorzustellen. Eine Jacht ist an Meere, Küsten und großen Flüsse gebunden. Das Schienennetz verbindet hingegen alle großen Städte. Allerdings ist der Teil der idyllischen Schienenstrecken sehr begrenzt. Vor allem beim Aufenthalt wird es kritisch. Das Schienennetz ist schlicht nicht darauf ausgelegt, dass Privatzüge an der schönsten Stelle ein paar Tage parken können. Und wer möchte Welt vom Abstellgleis aus erleben?

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