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A380: Abflug für das Airbus-Flaggschiff

Die erste A380-Serienmaschine ist an einen Kunden ausgeliefert worden. "Singapore Airlines" darf demnächst das Passagierflugzeug für Linienflüge nutzen. Für Oktober ist der Start der Fluglinie von Singapur nach Sydney geplant.

Als der Riesenvogel mit dem 33 Meter langen Schriftzug "Singapore Airlines" in die Luft stieg, standen Dutzende, in neongelbe Westen gehüllte Airbus-Mitarbeiter an der Startbahn und klatschten. "Wir haben unseren Job erledigt", sagte einer. Monatelang wurde an der Inneneinrichtung des ersten für den Linienverkehr bestimmten A380 gearbeitet.

Im Mai veredelten 100 Lackierer die gesamte Oberfläche des zweistöckigen Flugzeugs. 2200 Liter Farbe wurden verarbeitet. Was die Passagiere erwartet, die Ende Oktober zum weltweit ersten Linienflug des A380 in Singapur an Bord gehen, bleibt vorerst ein Geheimnis. "Das ist Top Secret", sagt Sprecher Peter Tomasch. Die mögliche Kapazität von 555 Sitzen werde aber nicht ausgenutzt. "Es wird knapp 480 Plätze geben, um mehr Komfort zu bieten."

Problemlos startete der neue Supervogel um 11.30 Uhr, Handy- Kameras wurden gezückt und die Mitarbeiter klopften sich auf die Schultern. Vergessen war für einen Moment das Sparprogramm Power8 mit geplantem Stellenabbau und Werksverkäufen im Airbus-Konzern, das für Unruhe in der Belegschaft gesorgt hat.

Letzte Etappe der geplanten Übergabe

"Die eigentlichen Arbeiten sind nun beendet, nun stehen in Toulouse noch Systemtests am Boden und in der Luft an", sagte Airbus- Sprecherin Nina Pretzlick. Sie sprach von "einem weiteren Meilenstein" auf dem Weg bis zum ersten Linienflug des A380. Das größte Passagierflugzeug der Welt kostet laut Listenpreis 305 Millionen US-Dollar (223 Mio Euro).

Die Produktion des Airbus-Flaggschiffs ist aufgeteilt: Die Rumpfsegmente werden in Toulouse montiert. Dann fliegt der leere Jet nach Hamburg und erhält dort die Kabinenausstattung und die Außenlackierung. Als die beiden Piloten Harry Nelson und Detlef Schaal mit dem überraschend leisen Flugzeug vom Firmenflughafen in Hamburg-Finkenwerder abhoben, begann die letzte Etappe vor der für Oktober geplanten Übergabe.

Nach den Turbulenzen um Kabelprobleme und dadurch verursachte Verzögerungen von mehr als einem Jahr hofft Airbus nun, die angepeilten Auslieferungszeiten einhalten zu können. Bisher liegen für das Modell 173 Bestellungen und Kaufabsichten vor. Nach dem in den vergangenen Monaten ausgerüsteten und lackierten A380 mit der Baunummer MSN.003 soll Singapore Airlines bis Anfang 2008 die nächste Maschine erhalten. Die Gesellschaft hat 19 Flugzeuge dieses Typs fest bestellt, sowie Option auf sechs weitere A380-Flugzeuge.

Doppelte Weihe

Allein am Standort Hamburg sind durch die A380-Produktion nach Angaben des Hamburger Wirtschaftssenators Gunnar Uldall (CDU) rund 4000 neue Arbeitsplätze entstanden. Insgesamt arbeiten mehr als 35.000 Menschen in Hamburg in der Luftfahrtbranche. Die Region zählt neben Toulouse und Seattle zu den weltweit wichtigsten Zentren der Branche.

Der Start der Maschine mit dem blau-goldenen Logo der Gesellschaft aus Singapur war eine doppelte Premiere: Neben dem Verlassen der ersten Serienmaschine wurde zugleich die verlängerte Startbahn auf dem Airbus-Firmenflughafen von einem A380 "eingeweiht". Erst am Montag war die um 589 Meter auf 3273 Meter verlängerte Piste, von Airbus offiziell übernommen worden. Sie ermöglicht es, alle Versionen der A380-Familie in Hamburg auszuliefern.

Georg Ismar/DPA / DPA