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Forschungs-Behörde DARPA Chips unter der Haut und Blutfilter: Wie das Pentagon Corona bekämpft

Ein US-Soldat wird gegen das Coronavirus geimpft
Ein US-Soldat wird gegen das Coronavirus geimpft
© valentinrussanov / Getty Images
Auch Soldaten sind von der Corona-Krise betroffen. Da wundert es nicht, dass das Pentagon selbst viel Geld in die Forschung nach einer Lösung für die Pandemie steckt. Einige von ihnen klingen wie Science Fiction - oder wie Verschwörungstheorien.

Ein Chip, der einen ständig überwachen soll - das steckt nach dem Glauben zahlreicher Verschwörungserzählungen in den Impfstoffen gegen das Coronavirus. In einem aktuellen Bericht führt das Pentagon tatsächlich einen solchen Chip vor. Doch es verfolgt damit deutlich weniger sinistere Ziele. 

"Das ist ein Sensor", zeigt Militärarzt Matthew Hepburn in der "CBS"-Sendung "60 Minutes" eine etwa daumengroße Viole, in der mehrere grüne Fäden schwimmen. "Dieses kleine grüne Ding hier. Das packt man unter die Haut. Dort erkennt es, wenn bestimmte chemische Reaktionen im Körper entstehen. Und warnt dann, dass man am nächsten Tag Symptome entwickeln wird."

Warnleuchte unter der Haut

Der kleine Sensor ist eine Reaktion auf die zahlreichen Corona-Erkrankten unter den US-Streitkräften. Mehr als 250.000 Soldaten sind mittlerweile erkrankt. Durch das enge Zusammenleben verbreitet sich das Virus sehr schnell. Im Falle des Flugzeugträgers USS Theodore Roosevelt wurden alleine 1271 Soldaten dieses einen Schiffes positiv getestet.

Der Chip soll dabei helfen, solche Ausbrüche zu verhindern. Die sich in einer späten Entwicklungsphase befindliche Technologie testet das Blut auf chemische Warnsignale einer Infektion. Die Träger werden von dem Chip durch die Haut gewarnt. "Es ist wie eine Motorwarnleuchte", erklärt Hepburn. Erhalten sie das Signal, können die Soldaten sich direkt an Bord einem Blut-Selbsttest unterziehen. "Wir können eine Infektion so in drei bis fünf Minuten erkennen." Und einen weiteren Ausbruch verhindern.

Corona-Bekämpfung im Schnelldurchlauf

Der Schnelltest ist das Ergebnis der verstärkten Forschungsbemühungen in den USA durch die Forschungsbehörde des Pentagons namens DARPA. Sie arbeitet mit unabhängigen Forschungsstellen und Firmen zusammen, formuliert klare Ziele und stellt dann das Geld dafür bereit. Dabei legt sie die Latte hoch an. "Wenn Experten lachen und sagen, dass etwas unmöglich ist, liegen wir genau richtig", lacht Hepburn. Der Militärarzt und ehemalige Colonel arbeitet seit 2013 als Programm-Manager für die Behörde.

Auch zur Behandlung schwerer Corona-Erkrankungen haben die Wissenschaftler erstaunliche Möglichkeiten gefunden. "Das ist ein Filter, den man in eine Dialyse-Maschine einsetzen kann", führt Hepburn einen durchsichtigen, mit weißem Material gefüllten Zylinder vor. Eine nur "Patientin 16" genannte Frau eines Soldaten wurde gerade mit dieser Variante behandelt. Sie war mit schwerem Organversagen und einem septischen Schock durch ihre Covid-Erkrankung eingeliefert worden, die Chancen standen schlecht.

Forschungs-Behörde DARPA: Chips unter der Haut und Blutfilter: Wie das Pentagon Corona bekämpft

Zum Glück stimmte ihre Familie der experimentellen Behandlung zu. Wie eine Dialyse reinigt die Maschine das Blut. "Sie nimmt das Virus heraus und pumpt das Blut zurück hinein", erläutert Hepburn. Tatsächlich verbesserte sich der Zustand innerhalb weniger Tage deutlich. "Sie benötigt keine Medikamente zur Behandlung des Schocks mehr, der septische Schock ist aufgehoben", berichtet die behandelnde Ärztin. "Wir stellen zudem Verbesserungen bei den Entzündungswerten fest. Das sind alles sehr gute Zeichen." Trotz des beeindruckenden Ergebnisses ist diese experimentelle Behandlungsmethode für sehr schwere Verläufe aber selbst in den USA nur als Notfalllösung zugelassen. Bislang wurde sie erst bei 300 Patienten angewandt.

Ziel: Das Ende der Pandemien

Doch das Pentagon hört nicht bei der Ursachen-Bekämpfung auf. Auch die Impfstoff-Forschung ist für die Behörde ein großes Thema, sie spielte eine wichtige Rolle bei "Operation Warpspeed", der Bemühung, so schnell wie möglich einen Impfstoff zu finden. Einer der Forscher hinter dem Astrazeneca-Impfstoff, James Crowe von der Vanderbilt Universität, will nun etwa für DARPA aus Blutproben die Antikörper gegen neuartige Viren herausfischen, um sie dann schon kurz nach einem Ausbruch in Massenproduktion zum Einsatz bringen zu können - und so künftige Pandemien ganz verhindern zu können. "Das ist die Zukunft, der nächste Schritt", gibt sich Hepburn sicher.

Ein weiteres Projekt will Coronaviren an sich die Gefährlichkeit nehmen - und gegen alle auf einmal impfen können. Mit einem speziellen Protein will man die ganze Viren-Familie auf einen Schlag bekämpfen, erklärt Armee-Forscher Kayvon Modjarrad. "Das ist keine Science Fiction, das ist Fakt. Wir haben die Werkzeuge, die Technologie, das alles jetzt zu erreichen", ist er überzeugt. Schon in fünf Jahren soll ein einzelner Impfstoff viele Erkältungsviren, das für die aktuelle Pandemie-Variante verantwortliche SARS-CoV2 und Tausende noch nicht entdeckte Coronaviren, auf einen Schlag unschädlich machen. 

Innovations-Turbo

Dass solche scheinbar unmöglich wirkende Ziele bei der DARPA durchaus als erreichbar gelten, liegt an der Erfahrung. Immer wieder fordert die DARPA Ziele, die aus Sicht der Wissenschaftler eigentlich nicht haltbar sind. "Wir konnten Antikörper früher in 24 Monaten extrahieren, das fanden wir sehr spektakulär", erinnert sich Crowe. "Und dann forderte DARPA, das in 60 Tagen zu schaffen. Wir hielten das für unmöglich." Beim ersten Test-Anlauf knackte man zwar nicht die 60 Tage, schaffte es aber tatsächlich in 78 Tagen. Dann kam schon der Ernstfall - und die Antikörper zur Erstellung von Astrazeneca standen in nur 28 Tagen bereit. 

Kein Wunder also, dass die deutsche Regierung nun ein ähnliches System wie DARPA kreieren will. Die Bundesagentur für Sprunginnovation orientiert sich beim Herangehen an Projekte sehr klar am amerikanischen Vorbild, auch sie soll kaum Denkbares möglich machen. Allerdings ist sie nicht Teil des Militärs. Und auch der Name klingt verspielter: SPRIN-D.

Quelle:60 Minutes


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