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Cocktail-Mixmaschine: Geschüttelt, gerührt - Hauptsache automatisch

Zu Silvester käme ihre Erfindung gar nicht mehr zur Ruhe: Zwei findige Tüftler aus Dülmen habe eine Maschine zum Mixen verschiedener Cocktails entwickelt. Das deutschlandweite Patent haben sie bereits angemeldet.

Nach seinem Geburtstagsfest hatte Sebastian Kersting die Nase voll vom Cocktail-Mixen. Schütteln und rühren, rühren und schütteln, den ganzen Abend, und keine Zeit für die Gäste - so konnte es nicht weitergehen. Dachte er und machte sich ans Werk: Eineinhalb Jahre später präsentierte der 28-Jährige aus dem nordrhein-westfälischen Dülmen gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Sandor Söter eine vollautomatische Cocktailmaschine. Das Werk der zwei Erfinder gewann kurz vor Weihnachten in der WDR- Fernsehsendung "Dellings Woche" den Preis der "Erfindung des Jahres", mit dem eine internationale Patentanmeldung verbunden ist.

Die zwei jungen Tüftler hatten nicht etwa unterstützende Professoren im Hintergrund oder gut ausgerüstete Labors. Sie sind an der Universität Münster als Techniker beschäftigt. Kersting ist Feinmechaniker, der 26 Jahre alte Söter Elektroniker. Sie stellen Messgeräte für die Physik-Forschung her. Die beiden kombinierten ihr Berufswissen mit der notwendigen Voraussetzung für Innovationen - sie waren neugierig.

"Zuerst wollten wir Cocktails vorher in Flaschen abfüllen, das ging aber nicht gut, die haben nicht geschmeckt", erzählte Kersting. "Wir haben also überlegt, wie wir mit Abfüllern arbeiten und richtig portionieren können". Erst entwickelten sie die Mechanik, anschließend schrieben sie ein Computerprogramm. Ganze Nächte saßen sie vor dem Rechner, bauten nach der Arbeit in der Werkstatt eines Verwandten an dem Gerät. "Da ist die ganze Zeit draufgegangen, da war kein Urlaub mehr, gar nichts", sagt Kersting. Auf das Ergebnis dieses Ehrgeizes sei er nun "schon stolz".

Acht Flaschen im Rotationssystem

Eine 75 Zentimeter hohe Maschine steht vor ihm auf dem Tisch, eine Ellenbogenlänge breit etwa, aus Metall und vorn mit Sichtfenster. Letzteres gibt den Blick frei auf acht Flaschen in einem Rotationssystem, die kopfüber in Abfüllern stecken. Blue Curacao, Wodka, Zitronensaft, Eierlikör, Sahne, Rum, Kokossirup, Cranberrysaft. "Je nach Bestückung kann die Maschine bis zu 35 verschiedene Cocktails herstellen." Das gewünschte Getränk wird über ein Display ausgewählt, das Glas darunter gestellt, Eiswürfel hinein. Eine halbe Minute später ist der Cocktail fertig.

Das deutschlandweite Patent haben die beiden Tüftler vor einigen Wochen angemeldet und sich dazu einen Anwalt gesucht. Den können sie auch bei der Suche nach einem Vermarkter für "Pecomix" - den Persönlichen Cocktail-Mixer - brauchen. "Wir haben zwar einige mündliche Kontakte, aber noch nichts entschieden."

Für eine ruhige Prüfung der Angebote fehlt den Zweien im Moment schlicht die Zeit. Nicht nur, dass sie täglich Anrufe von Medien bekommen und Interviews geben müssen, auch Familie und Freunde wollen seit neuestem ständig Cocktails trinken. Die Studenten und Professoren an der Uni hätten Kersting und Söder ebenfalls gern gebucht für ihre Weihnachtsfeier. Den Berufsforschern mussten sie leider einen Korb geben, sagte Kersting: "Dieses Jahr geht das gar nicht. Wir sind komplett ausgebucht."

Kristina Pezzei/DPA / DPA