Seligsprechung "Ein politisch unkorrekter Kaiser"


Papst Johannes Paul II. hat den letzten österreichischen Kaiser Karl I. selig gesprochen. Kritiker werfen dem Monarchen, der nun öffentlich verehrt werden darf, sein Verhalten im Ersten Weltkrieg vor.

Der letzte österreichische Kaiser und eine Mystikerin aus dem Münsterland sind auf dem Weg zu Heiligen der katholischen Kirche. Die entscheidende Voraussetzung dafür erfüllte am Sonntag Papst Johannes Paul II. mit der Seligsprechung von Karl I. und der Nonne Anna Katharina Emmerick, die im 19. Jahrhundert als "Seherin von Dülmen" verehrt wurde. und ihn als Vorbild für die politische Gegenwart bezeichnet. Karl I. sei ein Modell "besonders für diejenigen, die heute in Europa politische Verantwortung tragen, sagte der Papst in Rom.

Seligsprechung mit brüchiger Stimme

Rund 30.000 Menschen auf dem Petersplatz jubelten dem Papst zu, darunter der Sohn des letzten Wiener Kaisers, Otto von Habsburg (91), nachdem der 84-Jährige die lateinischen Worte für die Seligsprechung mit brüchiger Stimme verlesen hatte. An der Fassade von St. Peter wurden Transparente mit den Bildern der insgesamt fünf selig gesprochenen Persönlichkeiten aufgehängt. Das Wort Gottes habe diesen als Leuchtturm gedient, "der nie aufhörte, ihren Weg zu erleuchten".

Umstritten nicht nur in Österreich war dennoch die Seligsprechung von Karl I., der 1916 den Wiener Thron bestieg und zum Ende des Ersten Weltkriegs seine Abdankung erklärte, vier Jahre vor seinem Tod im Jahr 1922. Kritiker räumen zwar ein, dass Karl I. versucht habe, den Krieg zu beenden. Zugleich beanstanden sie aber, dass der Vatikan keinen Herrscher selig sprechen könne, der die letzte Verantwortung für den Einsatz von Giftgas getragen habe. Auch italienische Medien äußerten sich skeptisch. "Ein politischer unkorrekter Kaiser", titelte die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera".

"Jetzt müssen wir uns gegenseitig in den Himmel helfen"

Frömmigkeit war für den österreichischen Kaiser Karl I. immer ein erstrebenswertes Ziel. Als Erzherzog Karl Franz Joseph im Jahre 1911 als 24-Jähriger die Prinzessin Zita von Bourbon-Parma heiratete, soll er ihr zugeflüstert haben: "Jetzt müssen wir uns gegenseitig in den Himmel helfen." Karl konnte zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass er nur fünf Jahre später zu Österreichs letztem Kaiser gekrönt werden sollte, und das mitten in einem Weltkrieg, der die k.u.k. Monarchie zerstören sollte.

Karl Franz Joseph bestieg 1916 als Karl I. den Thron. Als Kind erhielt der am 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug in Niederösterreich geborene künftige Kaiser eine streng katholische Erziehung. Berichten zufolge ging er bis zu drei Mal täglich zur Kommunion. Er besuchte das Gymnasium und schlug die Offizierslaufbahn ein. Nebenbei studierte er Rechtswissenschaften, Geschichte und Ökonomie. Angesichts der natürlichen Erbfolge konnte er nicht damit rechnen, einmal den Kaiserthron zu besteigen. Doch das Attentat auf seinen Onkel Franz Ferdinand in Sarajewo 1914 machte ihn zum Thronfolger.

Ab 1915 wurde er von Kaiser Franz Joseph in die Amtsgeschäfte eingeführt und sogar an die Kriegsfront geschickt. Nach dem Tod des alten Kaisers kündigte Karl I. zwar an, den Krieg beenden zu wollen, doch seine zum Teil heimlichen Versuche, einen Frieden zu erreichen, scheiterten kläglich.

Abschaffung aller Adelstitel in Österreich

Nach dem Krieg verzichtete er zunächst auf die Regierungsgeschäfte, dankte aber nicht ab. Im Gegenteil: Er versuchte zwei Mal von Ungarn aus, die Monarchie wieder einzuführen. Sein Verhalten führte schließlich zur offiziellen Abschaffung aller Adelstitel in Österreich. Alle Besitztümer der Habsburger wurden konfisziert, und Karl musste nach Madeira ins Exil. Dort starb er am 1. April 1922 an Lungenentzündung.

Anna Katharina Emmerick wurde 1774 bei Coesfeld geboren, wurde Näherin und trat 1802 ins Kloster Agnetenberg in Dülmen ein. Nach der Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation diente sie einem aus Frankreich geflohenen Priester als Haushälterin. In dieser Zeit zeigten sich bei ihr 1812 die Wundmale Christi an Brust, Stirn und Händen. Neben diesen erstmals bei Franz von Assisi aufgetretenen Stigmata wurde sie vor allem wegen ihres Einsatzes als Seelsorgerin verehrt. Ihre von Clemens Brentano aufgezeichneten Visionen vom "bitteren Leiden unseres Herrn Jesu Christi" sollen den Regisseur Mel Gibson zu seinem Film "Die Passion Christi" inspiriert haben.

Gedenktag am 21. Oktober

Johannes Paul bestimmte den 9. Februar, den Todestag der Nonne im Jahr 1824, als kirchlichen Festtag der Seligen. Gedenktag für Karl ist der 21. Oktober - an diesem Tag heiratete der Thronanwärter 1911 Prinzessin Zita. Selig gesprochen wurde auch die in Italien geborene Nonne Maria Ludovica De Angelis, die sich bis zu ihrem Tod im Jahr 1962 um die medizinische Versorgung von Kindern in Argentinien kümmerte. Den gleichen religiösen Status erlangten auch der französische Mönch Joseph-Marie Cassant (1878-1903), der mit Meditationen über Jesus am Kreuz hervortrat, und der französische Ordensgründer Pierre Vigne (1670-1740).

Frances d'Emilio/AP AP

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