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Weltall Die Enterprise aus Peking – China will ein 1000 Meter langes Raumschiff bauen

In China geht es nur um eine Machbarkeitsstudie, aber sie zeigt, wie ambitioniert Pekings Pläne sind (Symbolilustration). 
In China geht es nur um eine Machbarkeitsstudie, aber sie zeigt, wie ambitioniert Pekings Pläne sind (Symbolilustration). 
© ZargonDesign / Getty Images
Chinesische Wissenschaftler arbeiten an einem Raumschiff, das den Namen "Schiff" auch verdient. In einer ersten Studie sollen die Grundbedingungen für den Bau so einer großen Struktur im All ausgelotet werden.

Im Vergleich zu den Träumen der weltraumverrückten 1960er-Jahre sind die Raumschiffe von heute eine einzige Enttäuschung. Kaum größer als Überlebenskapseln sind sie von der Idee eines Schiffes, das den unendlichen Weltraum durchkreuzt, weit entfernt. In China hat die National Natural Science Foundation nun dazu aufgefordert, Forschungsaufgaben für das Weltall zu lösen. In dem Forschungsplan steht auch der Bau riesiger Raumschiffe, sie werden als "wichtige strategische Raumfahrtausrüstung für die künftige Nutzung von Weltraumressourcen, die Erforschung der Geheimnisse des Universums und das langfristige Leben im Orbit" beschrieben.

Nun sollen Methoden des Leichtbaus erforscht werden, damit möglichst wenig Material für so eine große Struktur ins All geschafft werden muss. Die Machbarkeitsstudie soll fünf Jahre andauern und darf über zwei Millionen Euro kosten. Doch um die Idee eines über 1000 Meter langen Raumschiffs zu verwirklichen, müssten die Forscher wirklich revolutionäre Ideen haben. Mit den heutigen Methoden wäre so ein Bau vielleicht im Prinzip denkbar - er wäre aber nicht zu finanzieren. Auf keinen Fall könnte so ein großes Raumschiff auf der Erde montiert werden und dann starten.

Erforschung der Grundprobleme

Der ehemalige NASA-Cheftechnologe Mason Peck sagte zu "Live Science", dass die Idee "durchaus machbar" sei. Doch die Kosten, um Bauteile in den Orbit zu befördern, seien sehr hoch. Der Bau der Internationalen Raumstation (ISS), die an der längsten Stelle nur 110 Meter groß ist, kostete rund 100 Milliarden Dollar. Die Kosten für etwas zehnmal Größeres seien astronomisch. Peck gibt aber auch zu bedenken, dass es darauf ankomme, was man sich unter dem Raumschiff vorstelle. Die ISS ist vollgestopft mit schwerer und teurer Ausrüstung. Ein so großes Raumschiff hingegen kann zunächst nur eine weitgehend "leere" Struktur zur Verfügung stellen.

"Wenn wir über etwas reden, das einfach nur lang und nicht so schwer ist, sieht die Sache schon anders aus", meint Peck. Die Leerräume könnten etwa auch von Partnerfirmen mit eigenem Budget genutzt werden. Peck vermutet, dass es bei dem Projekt darum gehe, neue Methoden der Konstruktion im All zu erproben. Bisher werden alle Komponenten auf der Erde gebaut und im All nur endmontiert. Mit einer 3-D-Drucktechnologie müsste man hingegen nur das kompakte Rohmaterial ins Weltall schaffen, aus dem dann sehr viel größere Komponenten gebaut werden.

China holt auch im Weltall auf

Im All herrscht zwar keine Schwerkraft, aber dennoch müssen Strukturen Belastungen ertragen. Etwa bei Manövern oder beim Andocken eines anderen Raumschiffs. So ein Stoß löst Vibrationen aus, mit denen eine so große Struktur möglichst intelligent umgehen muss. Michael Lembeck, Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der University of Illinois in Urbana-Champaign, glaubt nicht an den Bau des Mega-Raumschiffs. "Das ist in etwa so, als würden wir über den Bau von Raumschiff Enterprise sprechen. Es ist fantastisch, nicht machbar, aber es macht Spaß, darüber nachzudenken." Er nimmt an, dass die erste Studie kaum mehr als ein fundiertes Brainstorming für so ein Projekt darstellt.

Derzeit baut China an der Raumstation Tiangong. Sie wird nach ihrer Fertigstellung etwa ein Viertel der Größe der Internationalen Raumstation ISS haben.

Quelle: SCMP, Live Science


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