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Weltraum Stratolaunchs ziviler Hypersonic-Gleiter soll 7400 km/h schnell fliegen

Schon im Jahr 2022 soll der Versuchsgleiter Talon-A einsatzbereit sein.
Schon im Jahr 2022 soll der Versuchsgleiter Talon-A einsatzbereit sein.
© Stratolaunch
Die Firma Stratolaunch will einen Weltraumgleiter von einem Trägerflugzeug aus starten. Nach einigen Turbulenzen wird nun Talon-A gebaut – der erste zivile Hyperschallgleiter.

Nach dem Tod von Microsoft-Mitgründer Paul Allen im Oktober 2018 schien die Zukunft des Unternehmens Stratolaunch ungewiss. Doch nach zwei Jahren meldet sich Stratolaunch mächtig zurück.

Anders als die Elon-Musk-Firma Space-X setzt Stratolaunch nicht auf Raketen, um in den Weltraum zu gelangen, sondern will den Start von einem Trägerflugzeug aus wagen, welches die eigentliche Raumkapsel bis in die Höhe von zehn Kilometern transportiert.

Dieses Konzept wurde von der UdSSR für die Raumfähre Buran entwickelt, für sie war eine gigantische Antonow An-225 als Trägerflugzeug gedacht. ("Baikonur - das vergessene Grab der Weltraumfähren aus der UdSSR") Bekanntermaßen absolvierte die Buran 1988 nur eine einzige Mission, der Zusammenbruch der UdSSR beendete das Projekt.

Gigantisches Trägerflugzeug

Das Trägerflugzeug von Stratolaunch existiert bereits, mit rund 117 Metern übertrifft die Spannweite jedes bislang gebaute Flugzeug. Das größte Flugzeug im Einsatz, die Antonow An-225, hat eine Spannweite von 88,40 Metern. Der Stratolaunch wurde nach dem legendären Vogel Roch benannt. Es ist eine Doppelrumpfkonstruktion, beide Rümpfe werden durch ein Mittelstück verbunden, an dem eine Weltraumkapsel angedockt werden kann. Sie würde in zehn Kilometern Höhe ausgeklinkt werden. Der bisher einzige Flug fand im April 2019 im kalifornischen Luft- und Raumfahrthafen Mojave statt. Seitdem arbeitet Stratolaunch in dem Hangar in Mojave weiter an dem Flugzeug.

Nun hat Stratolaunch mit dem Bau eines ersten Gleiters mit Hyperschallgeschwindigkeit begonnen. Der Talon-A von Stratolaunch wird 8,5 Meter lang sein und eine Masse von 2700 Kilogramm besitzen. Er soll sechsfache Schallgeschwindigkeit erreichen, so das Unternehmen. Talon-A ist als Mess- und Erprobungsmodell geplant und soll bereits im Jahr 2022 fliegen. Schon im März hatte die Firma angekündigt, sich auf den Bau, die Erprobung und den Betrieb von Hyperschallfahrzeugen zu konzentrieren. "Unsere Entwicklungen werden als Katalysator dienen, um eine Renaissance der Hyperschalltechnologien für unsere Regierung, den kommerziellen Sektor und die akademische Welt auszulösen", so W. Jean Floyd, der CEO von Stratolaunch.

Russland und China führend

Beim Militär gelten Hyperschallflugkörper als kommende Schlüsseltechnologie. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit können Hyperschallwaffen nicht abgefangen werden, zudem verkürzen sie die Vorwarnzeit enorm. Derzeit scheinen Russland und China die USA bei der Entwicklung abgehängt zu haben. Beide Länder haben bereits mehrere Hyperschallwaffen im Dienst. Die Schwierigkeit beim Bau dieser Flugkörper ist nicht allein, die nötigen Geschwindigkeiten zu erreichen und die bestehende Reibungshitze zu kompensieren, sondern den Flugkörper dennoch manövrieren zu können.

Talon-A ist weltweit das einzige Projekt dieser Art, das zumindest nicht direkt im Auftrag des Militärs entwickelt wird.

Quelle: Stratolaunch

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