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Flüster-Jet Drei Stunden nach New York – Test des Überschall-Jet Son of Concorde verlief erfolgreich

Die lange Nase und das obenliegende Triebwerk dienen der Reduzierung des Knalls.
Die lange Nase und das obenliegende Triebwerk dienen der Reduzierung des Knalls.
© Nasa / PR
Als die Concorde die Schallmauer durchbrach, bebten die Scheiben am Boden. Die Son of Concorde soll nur zweimal "Plopp" machen. Ein Test im Windkanal verlief erfolgreich, im Laufe des Jahres soll die erste Maschine abheben.

Obwohl Flugreisen wegen ihres CO2-Ausstoßes generell unter Kritik stehen, arbeiten mehrere Firmen daran, Passagierflugzeuge zu entwickeln, die mit Überschallgeschwindigkeit fliegen. Das würde die Flugzeiten massiv verkürzen, und es wäre auch eine Antwort auf die Herausforderungen des modernen Schienenverkehrs. Peking baut bereits an einem Netz von Magnetschwebebahnen. Mit Geschwindigkeiten von über 600 Kilometern pro Stunde wäre diese Fahrten schneller als heutige Flugreisen, weil die Bahnhöfe zentraler gelegen sind und das Boarding wesentlich schneller vonstattengeht.

Zu laut um legal zu sein

Die größte Schwierigkeit des zivilen Überschallfluges sind allerdings nicht die Triebwerke, sondern der massive Knall, der entsteht, wenn ein Objekt die Schallmauer durchbricht. Nasa-Ingenieure arbeiten am Projekt Commercial Supersonic Technology (CST) – Spitzname "Son of Concorde". Sie wollen diesen Knall, der Fensterscheiben kilometerweit zum Beben bringt, in ein leises Ploppen verwandeln. Die Nasa hat nun in einem Windkanal die ersten Tests zur Verringerung der Lautstärke abgeschlossen, so das Glenn Research Center der Nasa.

Der Überschallknall entsteht, wenn die Schockwellen, die beim Durchbrechen der Schallmauer mit einer Geschwindigkeit von 1235 km/h entstehen, sich treffen und überlagern. Der Knall beträgt etwa 110 Dezibel, ist noch in 48 Kilometern Entfernung zu hören. Das Problem hat schon der alten Concorde zugesetzt. Über bewohntem Gebiet ist das niemand zuzumuten, darum war die Concorde von Beginn an ein Fehlschlag. Nur aus Prestigegründen blieb sie in der Luft, und operierte auf einer ausgesuchten Transatlantikstrecke, sodass der Krach nur auf dem offenen Meer zu hören war.

Neue Form vehindert Aufschaukeln der Wellen

Auch die "Son of Concorde" kann die Gesetze der Physik nicht außer Kraft setzen. Doch heute können Computer die Form des Flugzeugs so berechnen, dass die Wellen sich nicht verstärken, sondern sich gegenseitig neutralisieren. Ziel ist es, dass der Schallknall nicht lauter als ein Rasenmäher ist. Im Windkanal wurde nun ein kleines Modell der geplanten X-59 14 Tage lang getestet. Der Motor des X-59 ist absichtlich so konstruiert, dass er im oberen Teil des Fahrzeugs sitzt, um einen leiseren "Knall" zu erzeugen, die zehn Meter lange Nase der X-59 wurde entwickelt, um Stoßwellen zu minimieren.

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Ed Haering, Luft- und Raumfahrtingenieur am Armstrong Flight Research Center der Nasa, sagte: "Mit der X-59 werden wir immer noch mehrere Stoßwellen produzieren wegen der Flügel des Flugzeugs und dem Volumen des Rumpfes." Doch die Form des Flugzeugs wurde darauf abgestimmt, dass sich diese Stoßwellen nicht verbinden und hochschaukeln. "Anstatt des lauten Bumm-Bumm, erzeugen wir zwei leise pochende Geräusche."

"Mit dem X-59 wollen wir zeigen, dass wir die lästigen Überschallknalle auf etwas viel Leiseres reduzieren können", so John Wolter, leitender Forscher des Tests. "Das Ziel ist es, Behörden Daten über Lärm und die Reaktion der Menschen darauf zur Verfügung zu stellen, was zu neuen Regeln für Überschallflüge über Land führen könnte.“

Teures Vergnügen

Die ersten Tests des Jets am Himmel sollen Endes des Jahres beginnen. Derzeit wird von Nasa und Lockheed Martin noch an einem Prototyp gebaut. Die Daten aus dem Windkanal sollen auch dazu dienen, Gemeinden zu überzeugen, bei dem Test mitzuarbeiten. Am Boden soll beobachtet werden, wie laut "Son of Concorde" in der Praxis ist. Die Nasa hofft auf ein Geräusch nicht lauter als das Zuschlagen einer Autotür. Der Jet soll 1700 km/h schnell werden und die Route London – New York in nur drei Stunden bewältigen.

247,5 Millionen Dollar lässt sich die Nasa den Bau des Versuchsflugzeugs kosten und verspricht nicht weniger als eine Revolution des Luftverkehrs. "Dieses Flugzeug hat das Potenzial, die Luftfahrt in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt zu verändern, indem es jedem einen schnelleren Flugverkehr über Land ermöglicht", so Nasa -Chef Jim Bridenstine bei der Vorstellung des Projektes.

Für jedermann sind die Reisen allerdings nicht gedacht. Mit einer Länge von 29,5 Metern und einer Breite von 9 Metern wurde der Jet auf wenige illustre Passagiere ausgelegt.


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