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Energiesparlampen: Leuchten ohne Strahlkraft

Drastisches Urteil der Zeitschrift "Öko-Test": Energiesparlampen drosseln den Stromverbrauch nicht so deutlich wie von den Herstellern versprochen. Die Tester bemängeln zudem Elektrosmog und eine schlechte Lichtqualität. Sollen Verbraucher auf die gute alte Glühbirne zurückgreifen?

Von Thomas Soltau

Ihr Ruf ist besser als das, was sie wirklich halten. Zumindest, wenn man der Zeitschrift "Öko-Test" vertraut, verdienen Energiesparlampen kaum das Prädikat "umweltfreundlich". In der Oktober-Ausgabe wurden 16 verschiedene sparsame Leuchten mit zehn bis zwölf Watt Leistung untersucht. Gleich sechs von ihnen schnitten dabei "befriedigend" ab, vier immerhin mit "ausreichend". Zwei Lampen erhielten die Note "mangelhaft", vier wurden als "ungenügend" abgestempelt. Glaubt man den Herstellern, so lassen sich mit den neuen Leuchten im Vergleich zur Glühbirne bis zu 80 Prozent Energie sparen. Laut "Öko-Test" erreichen sie aber höchstens 50 bis 70 Prozent Ersparnis. Ein Modell verschlang sogar mehr Strom als eine konventionelle Glühbirne, so die Zeitschrift. Auch an der nötigen Brenndauer mangele es: Die meisten Test-Exemplare erreichten nicht die vom Hersteller angegebene Lebenszeit. Die Tester betonen, dass sich besonders häufiges Ein- und Ausschalten negativ auf die Lebenserwartung von Energiesparlampen auswirke.

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist vor allem der Elektrosmog, der möglicherweise die Gesundheit beeinträchtigen kann. Das Licht der Öko-Lampen sei zu weit entfernt von natürlichem Tageslicht. Flimmern und erhöhter Elektrosmog könnten zu Schwindel, Unwohlsein und Kopfschmerzen führen. Für das flimmerfreie Arbeiten am Computer gibt es die so genannten TCO-Richtlinie, die "Öko-Test" auch für den Test der Energiesparlampen zugrunde gelegt. Für Leuchtquellen sucht man diesen Maßstab vergeblich. Ein Punkt, den Professor Michael F. Rohde von der Hochschule Wismar nicht versteht. Das Mitglied der PLDA, der Professional Lighting Designer Association, beschäftigt sich seit Jahren den Auswirkungen von Licht. "Auf gesundheitliche Risiken wurde in älteren Studien von Kollegen bereits hingewiesen. Ernsthafte Erkrankungen werden durch den Blauanteil des Kunstlichts allein wohl nicht ausgelöst. Dennoch kann er den Verlauf begünstigen." Denn die Energiesparlampen bildeten nicht das gesamte Spektrum des Lichts ab. "Einige Hersteller versprechen das zwar", so Professor Rohde, "aber nur die konventionelle Glühlampe so wie Halogenlampen sind in der Lage, alle Spektralfarben gleichmäßig darzustellen. Die Öko-Leuchten zeigen lediglich Farbausschnitte."

Mogeln auf der Packung

Dass schwache Licht vieler Lampen wurde ebenfalls von "Öko-Test" bemängelt. Lediglich vier Lampen konnten es nach Angaben der Tester mit der 60-Watt-Birne aufnehmen, die sie ersetzen sollten. Für Rohde kein Wunder. "Die auf der Packung angegebene Lichtstärke stimmt mit der tatsächlichen Stärke fast nie überein." Ein bewusster Etikettenschwindel. Zudem lasse im Laufe der Zeit die Helligkeit nach. Energiesparlampen seien damit keine echte Alternative zu Glühlampen, so das nüchterne Fazit der Tester. Wer nicht auf Energiesparlampen verzichten mag, solle zumindest auf einen Abstand von einem bis eineinhalb Metern zum Körper achten, um sich dem Elektrosmog nicht auszusetzen. "Aber besser ist es, ganz auf herkömmliche Glüh- oder Halogenlampen zu setzen", erklärt Rohde.

Während der Fachverband Elektrische Lampen die Messmethoden von "Öko-Test" als methodisch unzureichend kritisierte, müssen sich manche Hersteller erst sondieren. Beim Möbelriesen Ikea, der mit seinen Energiesparlampen die Note "mangelhaft" erhielt, müsse das Ergebnis erst von Experten im schwedischen Hauptquartier erläutert werden, hieß es auf stern.de-Anfrage. Christian Schraft, Leiter Business Unit Consumer Products von Osram, wird da schon konkreter: "Das schlechte Gesamturteil über Kompaktleuchtstofflampen und die Meßmethoden waren für uns eine Überraschung." Auch er bemängelt die seiner Meinung nach unkonventionellen Messmethoden der Zeitschrift. Als Alternative setzt Schraft nicht auf die alte Glühlampe, sondern auf Leuchtdioden (LED). "Der Anteil von LED-Lampen in der Allgemeinbeleuchtung wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen und nach unseren Schätzungen bis zum Jahr 2020 einen Anteil von einem Drittel erreichen."

"Wir folgen der WHO"

Dass er den Käufern womöglich ein ungesundes Lichtgewitter zumute, glaubt Christian Schraft nicht. "Die Wahl der Computernorm TCO als Referenz für Elektrosmog ist völlig willkürlich und nicht an der Gesundheit des Menschen orientiert. Sie sagt aus, welche Feldwerte ein bestimmter Anteil von Monitoren zum Zeitpunkt der Festlegung der Norm einhielt - das war ein Kriterium für 'gut'. Für die gesundheitliche Bewertung haben wir andere Richtlinien und folgen damit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO."

Dass es bei der Entsorgung von Energiesparlampen Probleme geben kann, hat eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf bewiesen. Da die Lampen einen hohen Anteil an giftigem Quecksilber enthalten, verweigerten rund die Hälfte der befragten Unternehmen deren Annahme. Nur ein Drittel der Händler nahm die Lampen ohne jegliche Einschränkungen zurück. Da wünscht sich manch einer doch wieder die alte Glühbirne zurück.

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