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Flugklima-Labor: Fliegen - ohne Jetlag, ohne Start, ohne Landung

Flugreisen sind für den Menschen immer noch eine Belastung. Ein einzigartiges Labor untersucht, welche Bedingungen Crew und Passagiere beeinflussen. Alles kann simuliert werden - ohne bayerischen Boden zu verlassen.

Nach Jahren im Linienflugdienst von Saudi-Arabien und Armenien steht ein Airbus A310 jetzt in einem Garten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik im oberbayerischen Holzkirchen. Der Hangar aus aufgeblasenen Membrankissen ist schon von weitem zu sehen. Hier ist aus dem ausrangierten Flugzeug ein weltweit einmaliges Forschungslabor geworden. Untersucht wird, erzählt Runa Hellwig, Ingenieurin am Institut für Bauphysik, wie sich Flugreisen auf die Befindlichkeit der Passagiere auswirken. An diesem Samstag wird die Einrichtung offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Viele Stunden in künstlichem Klima

Egal, ob in den Urlaub oder zum Geschäftstermin, das Reisen mit dem Flugzeug gewinnt immer noch mehr an Bedeutung. Bis zum Jahr 2020 sollen die Fluggastzahlen weltweit um jährlich fünf Prozent ansteigen. Die unterschiedlichen Druckverhältnisse beim Start, während des Fluges und bei der Landung belasten die Reisenden. Gerade bei Langstreckenflügen wird immer wieder über Kopfschmerzen geklagt. Besonders Stewardessen, Stewards und Piloten sind auf Dauer dem künstlichen Klima in der Flugzeugkabine ausgesetzt.

Ein Stück A310

In dem neuen Fraunhofer-Fluglabor wird alles simuliert, was sich auf die Gemütslage der Passagiere auswirken könnte: die Luftqualität, die Hygiene, die Temperatur, Lautstärke und Licht. Hellwig: "Das Herzstück unseres Fluglabors besteht aus dem 15 Tonnen schweren Teil eines Airbus A310. Das ist das komplette vordere Stück mit Cockpit, Bordküche und Gepäckbereich. 80 Personen finden als Testpassagiere in der Business- und der Economy-Class Platz."

Aussteigen verboten

Simuliert werden Mittel- und Langstreckenflüge in Echtzeit. Dann sind Stewardessen mit authentischer Bordverpflegung unterwegs. Selbst die Toiletten funktionieren wie in einer richtigen Maschine, weil während des Testfluges niemand aussteigen darf. Die Probanden sind verkabelt, um bei unterschiedlichsten Luftströmungen und Temperaturen die körperlichen Daten aufzuzeichnen - es wird sogar gemessen, welche Auswirkung die Kleidung und die Polsterbezüge der Sitze haben. Interessant sind die Ergebnisse vor allem für Flugmediziner, Flugzeugbauer und die Zuliefererindustrie.

Alles wird simuliert

Zur realitätsnahen Flugsimulation ist neben dem Airbus eine Niederdruckkammer notwendig. Das Flugzeug steckt in einer solchen 30 Meter langen und fast zehn Meter hohen Stahlröhre. Geschaffen werden darin Luftdruckverhältnisse, wie sie in 13 Kilometern Höhe herrschen, inklusive der trockenen Luft und der Außentemperatur von etwa minus 50 Grad. Auch Fluggeräusche und Vibrationen werden originalgetreu nachgeahmt. Hellwig: "Der Vorteil unseres Fluglabors ist es, Tests am sicheren Boden durchführen zu können, ohne Kerosin zu verbrauchen. Das ist ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich."

Günter Bitala/DPA / DPA