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Größte Segeljacht der Welt "Y721" ist frei: Mega-Jacht von Jeff Bezos wechselte heimlich die Werft – während Rotterdam schlief

Die Segeljacht Y721 von Amazon-Gründer Jeff Bezos
Die "Y721" von Jeff Bezos hat den hinteren Hafenbereich von Rotterdam nun verlassen und wartet im Eemhaven auf ihre Masten. Der erste Mast soll laut "Dutch Yachting" noch diese Woche montiert werden. Auf diesem Bild lag die Jacht noch bei "Oceanco", wo die Endmontage nun doch nicht stattfinden kann.
© Guy Fleury / DPA
Die historische Brücke "De Hef" ist endlich überwunden. In der Nacht auf Dienstag wurde die Mega-Jacht "Y721" von Jeff Bezos aus dem Rotterdamer Hafenbecken befreit – und wartet nun auf ihre Segel.

Es hat nicht sollen sein: Seit bekannt wurde, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos für seine Mega-Jacht "Y721" den Mittelteil einer historischen Hubbrücke in Rotterdam demontieren lassen wollte, entbrannte in der Hafenstadt eine hitzige Debatte. Die einen freuten sich über die rund 300.000 Euro für die Demontage und viel Arbeit für ortsansässige Bauunternehmen, die anderen wollten unbedingt vermeiden, dass die Interessen eines Milliardärs über denen der Anwohner stehen. Nun ist klar: "De Hef", die Anwohner und etwaige Racheaktionen gegen die Jacht spielen keine Rolle mehr – das Schiff ist bereits auf halbem Wege in die Nordsee.

Jachten-Fotograf mit Suchscheinwerfern geblendet

Der Betreiber des Youtube-Kanals "Dutch Yachting", Hanco Bol, legte sich Dienstagnacht auf die Lauer. Wie er dem "Spiegel" erklärte, begannen um ein Uhr nachts erste Vorbereitungen, die "Y721" zu verlegen. Um drei Uhr begann der Transport. Der niederländische Fotograf begleitete das Schiff auf seiner Reise zur nächsten Werft – die "Y721" liege demnach nun bei "Greenport". Eine detaillierte Fotostrecke bietet Bol auf seiner Facebook-Seite.

Für die Verlegung habe die zuständige Werft "Oceanco" eine ungewöhnliche Route gewählt, heißt es. Zwar habe die "Y721" ihr Ziel in Rekordzeit erreicht, sei allerdings einen Umweg über den Südwesten durch die "Oude Maas" gefahren, um die historische Brücke "De Hef" auch ohne Segel nicht passieren zu müssen. Der Fotograf erklärte, dass er das für reine Absicht halte und niemand etwas von der Jacht hätte sehen sollen. Selbst auf der Alternativroute habe man ihn mit Suchscheinwerfern geblendet, um Aufnahmen des Schiffes zu beeinträchtigen oder gar zu verhindern.

Die "Y721" von Jeff Bezos hat nun freien Zugang zur See

Das Schiff sei nun bei "Greenport" im Eeemhaven bei Pernis, weit vor den Toren der Stadt Rotterdam angekommen. Daraus ergibt sich ein entscheidender Vorteil: Den Eemhaven trennt nichts von der Nordsee, die Wasserstraße wird lediglich durch einen Tunnel der A4 gekreuzt. Für die Jacht von Bezos ist das ideal, denn sein Schiff wird im vollmontierten Zustand so hoch sein, dass nahezu jede Brücke, die sich nicht aufklappen lässt, zu niedrig wäre.

+++ Lesen Sie auch: Jeff Bezos' neue Jacht wird so groß, dass sie eine eigene Begleitjacht braucht +++

"Oceanco" und "Greenport" arbeiten für den Amazon-Gründer an der größten Segeljacht der Welt. Die "Y721" wird 127 Meter lang, dank deren Segel soll sie eine Höhe von 100 Metern erreichen. Die Kosten für das Schiff sollen sich auf rund 500 Millionen US-Dollar belaufen. Den Rang als größte Segeljacht erhält das Schiff deshalb, weil die nochmals deutlich längere "SY A" des Oligarchen Andrei Melnitschenko genaugenommen keine Segeljacht, sondern eine segelunterstützte Motorjacht ist. Bezos' Schiff wird in der Lage sein, mit reiner Windkraft zu fahren. Die "SY A" ist es nicht.

Kein Wiedersehen mit Rotterdam

Dem "Spiegel" berichtet Hanco Bol, dass sich die Endmontage für "Oceanco" durch die Verlegung verkompliziere, aber jetzt endlich das Problem mit der Brücke gelöst sei. Denn eigentlich plante die Werft die Endmontage an den Standorten Zwijndrecht und Alblasserdam, dort wären alle Mitarbeiter und sämtliches Material schneller verfügbar. 

Was Rotterdam betrifft, hat sich das Kapitel der Bezos-Jacht erledigt. Das Schiff wird, vor allem wenn die Segel montiert sind, nie wieder in die Werft von "Oceanco" fahren können – und niemand fasst "De Hef" an.

Quellen: Facebook, Spiegel


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