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Digitale Aufrüstung Künstliche Intelligenz "Athena" wird Israels Truppen befehligen

Nettes Detail: Die Visualisierung arbeitet wie ein Brettspiel mit Hexagonen.
Nettes Detail: Die Visualisierung arbeitet wie ein Brettspiel mit Hexagonen.
© IDF / PR
Das Schlachtfeld der Zukunft produziert zu viele Informationen für einen Menschen. In Israel wird "Athena" das Kommando übernehmen. Teile des KI-Systems sollen Ende des Jahres einsatzbereit sein.

Eine künstliche Intelligenz soll die Streitkräfte Israels auf dem Schlachtfeld sehr viel effizienter machen. Noch befindet sich das System, das nach der griechischen Kriegsgöttin Athena benannt wurde, in der Entwicklung bei Israel Aerospace Industries (IAI). Im nächsten Jahrzehnt soll es voll einsatzbereit werden, einige Aspekte der Technologie könnten jedoch bereits im nächsten Jahr in den realen Einsatz gehen.

Einsatz im Panzergefecht

Der britische "Telegraf" konnte eine Demonstration von Athena bei einem Panzergefecht beobachten. Fünf Panzer wurden mit der KI vernetzt, das Endgerät ist nur in etwa so groß wie ein Smartphone. Es sammelt die Daten der Infarot- und Radarsensoren der Fahrzeuge. In Echtzeit werden sie für den kommandierenden Offizier in ein virtuelles Schlachtfeld übersetzt. "Wir sind nicht sehr weit davon entfernt, ein automatisiertes Abbild des Schlachtfeldes zu erhalten", sagte Oberst Eli Birenbaum, der Leiter der Abteilung für Militärarchitektur der IDF, der Zeitung.

Dem Kommandeur werden Empfehlungen für die beste Taktik gegeben. Athena kann so verwandt werden, dass die KI die Steuerung und die Feuerleitsysteme der Panzer übernimmt. Birnbaum sieht das System oder zumindest Teile davon kurz vor der Einsatzreife. "Wenn Sie mich fragen, ob es Ende 2021 soweit sein wird, denke ich mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass die Antwort positiv ist." Eine der größten Herausforderungen in der Zukunft bestehe darin, die Soldaten davon zu überzeugen, "der Maschine zu vertrauen". Birenbaum zog Vergleiche mit Sicherheitsbedenken gegenüber selbstfahrenden Autos.

Mensch eigentlich überflüssig

Vorgesehen ist, dass ein Mensch den Waffeneinsatz letztlich freigibt. Es wäre aber – wie bei anderen Systemen auch - nur ein Software-Update nötig, um diese Schwelle auszuschalten. Der Mensch ist in diesem System weitgehend ausgeschaltet. Es werden allein die maschinellen "Sinneseindrücke" der Sensoren ausgewertet, die menschlichen Wahrnehmungen fließen nicht in die Bewertung ein. Bewegung, Zielerfassung und Bekämpfung erfolgen automatisch. In der Zukunft wird so ein System am besten mit Roboterpanzern ohne menschliche Besatzung arbeiten. In Israel soll Athena unter anderem dazu dienen, mit Roboterfahrzeugen die Grenzen zu sichern.

Zu viele Informationen für den Menschen

An dem Einsatz von KI wird weltweit kaum ein Weg vorbeiführen. In dem Moment, in dem es gelingt, die Informationen der Sensoren von Fahrzeugen, Drohnen und Soldaten zu vernetzen, wird ein Mensch nicht mehr fähig sein, diese Informationsflut aufzunehmen und zu analysieren. Israel ist nicht das einzige Land, dass KI im Militär in so einem Maßstab einsetzen will. Zwischen den Großmächten USA, China und Russland ist ein regelrechtes Wettrüsten entbrannt. Russland prescht dabei gern bei der Vorstellung einzelner Systeme vor, soll aber in der KI-Forschung hinter China und den USA liegen. Erst vor Kurzem wurde in Moskau erneut bekräftigt, dass eine unbemannte Roboter-Version des T-14 Armata in der Entwicklung sei. Auch sie wird von KI gesteuert. Es folgte die bekannte Einschränkung, dass die Freigabe des Feuerbefehls von einem Menschen entschieden wird.

Quelle: Telegraph


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