HOME

MP3-Player: Kino in der Hosentasche

Sie kennen MP3-Player im Taschenformat, die Tausende Musikstücke speichern können? Das ist noch gar nichts: Die nächste Gerätegeneration spielt auch Fotos und Filme ab.

Als die Firma Apple im vergangenen Herbst den iPod Photo vorstellte, feierten die Fans das als große Sensation: Denn erstmals konnten die weißen Player mehr als nur Musik abspielen, nämlich digitale Fotos speichern und anzeigen. Doch was bei Apple schon als Durchbruch gefeiert wurde, hatten andere Hersteller in ihre Geräte längst eingebaut - und sogar noch viel mehr: Außer Musik und Fotos können sie auch Filme speichern und abspielen - entweder auf kleinen, in das Gerät eingebauten Bildschirmen oder entsprechend verkabelt auf einem angeschlossenen Fernseher. "Pocket Media Center" werden solche Geräte genannt, abgekürzt PMC. Sie sind so etwas wie Mini-PCs für die Jackentasche. Im Inneren werkelt meist eine Spezialversion des Windows-Betriebssystems samt der Microsoft-Mediensoftware Windows Media Player, die die meisten Computerbenutzer von ihrem PC kennen.

Die Kunst Daten wiederzufinden

Zum Beispiel beim Zen-Player von Creative. Das schwarze Gerät wiegt 340 Gramm, etwa doppelt so viel wie der iPod, doch ist das Musikabspielen auch nur eine von vielen Möglichkeiten, die er bietet. Der Zen ist keineswegs nur etwas für fortgeschrittene Computeranwender: Dank kluger Benutzerführung reichen meist wenige Sekunden, um im Labyrinth der Festplatte jedes beliebige Musikstück, Video oder Foto aufzuspüren. Die Tasten sind zwar etwas klein geraten, doch lässt es sich mit ihnen trotzdem bequem durch die aufgeräumten Menüs klicken.

Der Ton kommt wahlweise aus den eingebauten, jedoch recht hell klingenden Lautsprechern oder aus dem Kopfhörer. Fotos und Videos erscheinen im etwa Zigarettenschachtel-großen Display, das allerdings etwas kräftigere Farben bieten könnte. Ein Justieren von Farbe, Helligkeit oder Kontrast ist leider nicht vorge-sehen.

Besonders leicht gemacht haben die Programmierer den Datenaustausch zwischen dem Player und dem Computer: Sobald der tragbare Media-Player über ein USB-Kabel mit dem PC verbunden ist, beginnen die Geräte vollautomatisch ihre Medienbibliotheken miteinander abzugleichen. Fotos, Filme, TV-Sendungen, Musikstücke - alles landet auf Wunsch im portablen Gerät. Der Benutzer kann einstellen, was er mitnehmen möchte und was besser nur auf der Computer-Festplatte zu Hause verbleiben soll. So versorgt sich der Player nach jedem Anstöpseln von selbst mit den neuesten Daten.

Schwaches Akku

Außerdem werden Musik, Fotos und Videos automatisch komprimiert, damit vor allem die Videos nicht zu viel Platz einnehmen. So passen auch komplette Spielfilme auf das Pocket Media Center, die zum Beispiel auf dem Autorücksitz oder während einer Zugreise angeschaut werden können. Wer mag, kann den eingebauten Videoausgang auch mit dem Fernseher verbinden. Dann lassen sich Fotos und Filme auch auf einer großen Mattscheibe bestaunen. Praktisch, um bei einem Besuch die Fotos von der letzten Urlaubsreise zu präsentieren. Zumindest sofern der Akku mitspielt. Der ist nämlich etwas schwach auf der Brust. Spätestens nach drei Stunden Videokonsum oder acht Stunden Musik muss der PMC von Creative wieder an die Steckdose.

Auch andere Hersteller wie Samsung oder iRiver haben ähnliche Taschengeräte im Angebot. Preislich liegen sie zwischen 400 und 700 Euro, je nach Ausstattung und Speicherkapazität. Alle sind mit Festplatten ausgestattet, denn darauf lassen sich besonders viele Daten unterbringen. Auf 20 Gigabyte Speicherplatz passen zum Beispiel 10.000 Songs, 100.000 Fotos oder 80 Stunden Video - oder eine beliebige Kombination daraus. Über DVD-Laufwerke, mit denen man direkt Filme, zum Beispiel aus der Videothek, abspielen könnte, verfügen die Player aus Platzgründen hingegen allesamt nicht. Alles, was sie abspielen, muss zuvor über einen PC auf das mobile Gerät kopiert werden.

Angedockt ans TV

Es sei denn, der Mini-Player kann über eine Docking-Station direkt Fernsehsendungen aufnehmen, wie der AV 420 (ab 500 Euro) von Archos. Das "Pocket Video Recorder" genannte Gerät kann aber mehr als nur Filme aufnehmen und abspielen. Gut für Digitalfotografen ist zum Beispiel die Möglichkeit, Bilder direkt von der Speicherkarte der Kamera auf die Festplatte des Geräts zu laden. Natürlich nimmt die 20 Gigabyte große Festplatte auch beliebige andere Programme und Daten, zum Beispiel Dokumente oder Powerpoint-Präsentationen, auf.

Weiterer Vorteil: Die Videoplayer von Archos vertragen sich nicht nur mit Windows-Rechnern, sondern auch mit dem Linux-Betriebssystem oder Apple Macintosh. Das macht die Geräte vor allem für Benutzer interessant, die um Software der Firma Microsoft lieber einen Bogen machen.

Wird die PSP einschlagen?

Mit Spannung erwartet wird jetzt die Ende März in den USA erscheinende Portable Playstation (PSP) von Sony. Sollte das Gerät, dessen Preis noch nicht feststeht, ähnlich viel kosten wie in den USA (dort: 250 Dollar), würde es erheblich preiswerter sein als die anderen Videoplayer, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind. Und dazu noch viel mehr können.

Denn eigentlich ist die PSP gar kein Taschen-Kino, sondern eine mobile Spielkonsole, die für hochwertige Renn- und Actionspiele geschaffen wurde. Doch lassen sich auf dem verblüffend scharfen und detailreichen Display auch Filme anschauen und über die Kopfhörer auch Musikstücke hören. Die muss der PSP-Benutzer lediglich vorher auf das Gerät kopieren. Oder auf eine eigens für die PSP entwickelte Mini-CD brennen, die so klein ist, dass man sie bequem in der Hosentasche transportieren kann.

Jörg Schieb / print
Themen in diesem Artikel