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MP3-Player: Sony bereitet neue Attacke auf Apple vor

Der Elektronikkonzern Sony startet innerhalb von zwei Jahren den dritten Angriff auf den Marktführer bei tragbaren Musikspielern, Apple. Der Konzern kündigte an, ein Gerät mit Videofunktion zu entwickeln.

"Wir arbeiten an einem Produkt, das auch mit Bildern umgehen kann", so der Sony-Manager Hiroshi Yoshioka zur Agentur Reuters in Japan. Einzelheiten zu den Plänen könne er nicht nennen, sagte der Manager weiter. Mit dem geplanten Musikspieler sowie der am Donnerstag vorgestellten Produktreihe Network Walkman will Sony an den dominierenden Weltmarktführer Apple mit dessen iPods heranrücken. Die beliebten Apple-Geräte verfügen bereits seit rund einem Jahr über die Möglichkeit, Videos abzuspielen.

Aufgrund einer Reihe von Rückschlägen befindet sich Sony derzeit in einer sehr schwierigen Lage und musste zuletzt einige schlechte Nachrichten verkünden. Unter anderem hat das Unternehmen mehrmals den Verkaufsstart der für Sony immens wichtigen Videospielkonsole Playstation 3 verschoben. Hinzu kamen Probleme mit Notebook-Akkus, die eine große Rückrufaktion auslösten. Die Batterien gerieten teilweise in Brand oder explodierten. Sony-Chef Howard Stringer sagte, dass für das laufende Jahr die wichtigste Aufgabe sei, das Geschäft mit Unterhaltungselektronik wieder profitabel zu machen.

Dem Erfinder des Walkmans gelingt es zudem bislang nicht, mit seinen digitalen Musikspielern an den Erfolg früherer Zeiten anzuknüpfen. So konnten Sonys Musikspieler anfangs nicht das weltweit wohl populärste Musikdateiformat MP3 abspielen, da die Japaner ihren eigenen Standard Atrac3 durchsetzen wollten. Da sich ihr Format nicht durchsetzte, machte Sony eine Kehrtwende.

Hoffnung auf den Glanz früherer Zeit

Mit der neuen Network-Walkman-Reihe will der Elektronikkonzern den Glanz alter Tage aufleben lassen. So peilt der Konzern laut Manager Yoshioka an, Sonys weltweiten Marktanteil bei Musikspielern von derzeit zehn Prozent zu verdoppeln. Einen Zeitraum für das ehrgeizige Ziel nannte der Manager am Rande der Produktpräsentation allerdings nicht. Erschweren dürfte die Aufholjagd, dass der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft Ende dieses Jahres unter der Marke Zune einen eigenen Musikspieler auf den Markt bringen wird.

Die MP3-Player der Network-Walkman-Reihe können direkt über die Sony-Audiokonsole Netjuke mit Musik bespielt werden. Netjuke wird derzeit nur in Japan verkauft und wählt sich in ein Internet-Musikgeschäft ein, das ähnlich wie iTunes von Apple funktioniert. Eine Verbindung zu einem PC ist allerdings nicht mehr nötig.

Trotz aller Bemühungen, mit eigenen Extras insbesondere in Japan ein anderes Publikum als die iPod-Zielgruppe zu erreichen, liegt Sony auf dem Markt für tragbare Musikabspielgeräte hinter Apple zurück. Dem Marktforschungsunternehmen GfK zufolge stammten im September die vier meistverkauften tragbaren Audiogeräte in Japan von Apple, insgesamt waren acht der zehn Bestseller von dem US-Konzern, während Sony nur zwei Produkte unter den ersten zehn platzieren konnte.

Handy-Sparte läuft besser

Viel besser steht Sony auf dem Markt für Mobiltelefone da, wo sich Sony Ericsson gut entwickelt. Das mit dem schwedischen Telekomkonzern Ericsson betriebene Gemeinschaftsunternehmen lag mit seinem Gewinn im dritten Quartal weit über den Analystenerwartungen. Der Vorsteuergewinn war mit 433 Mio. Euro doppelt so hoch wie von den Analysten prognostiziert. Als besonders erfolgreich haben sich neue Handys erwiesen, die eine Abspielfunktion für Audiodateien sowie eine Kamera enthalten. So verkaufte Sony Ericsson seit dem Marktstart der Musikhandys vor rund einem Jahr 15 Millionen dieser neuen Geräte.

Sony Ericsson ist derzeit weltweit der viertgrößte Handyhersteller. Innerhalb der kommenden fünf Jahre will das Gemeinschaftsunternehmen unter die weltweit ersten drei Mobilfunktelefonproduzenten vorstoßen.

Von Arndt Ohler (Hamburg) und Michiyo Nakamoto (Tokio) / FTD