Plasma-TV Brillantes Bild, flauer Absatz


Nur noch drei Hersteller teilen den Markt für Plasmafernseher unter sich auf. Experten räumen der Technologie wenig Zukunftschancen ein, denn andere Technologien sind oft effizienter. Doch trotz LCD und Oled hält der Marktführer Panasonic Plasma für das überlegene Konzept.
Von Björn Maatz

Flachbildfernseher, überall Flachbildfernseher. Sie buhlen in den Elektrofachmärkten um die Aufmerksamkeit der Käufer. Viele Modelle stammen von Panasonic, doch zu sehen sind fast nur LCD-Geräte mit strahlender Hintergrundbeleuchtung. Kein Wunder: Plasmageräte würden in der von Händlern bevorzugten hellen Umgebung kein kräftiges Bild bieten können, weil bei ihnen jedes Pixel einzeln beleuchtet wird. "Bei unverhältnismäßig hoher Beleuchtung verhält sich der Plasmafernseher wie die klassische Bildröhre und wirkt eher flau", sagt Armando Romagnolo, der für Panasonic das deutsche TV-Geschäft steuert.

Viele Experten halten Plasma dennoch für die überlegene Technologie. "Das ist wie damals, als sich Video 2000 nicht gegen VHS durchsetzen konnte", sagt der Manager eines großen TV-Geräte-Herstellers. Plasmafernseher bieten gerade in den oftmals dunklen Wohnzimmern ein besseres Bild als LCD-Geräte - die Farben leuchten kräftiger, die Kontraste sind stärker, der Blickwinkel ist größer.

Die meisten Analysten sind aber überzeugt, dass der Plasma-TV-Markt bestenfalls stagnieren wird. Laut iSuppli wurden 2008 rund 16,1 Millionen Fernseher weltweit mit dieser Technologie verkauft. Für 2012 erwarten die Experten 17,5 Millionen Geräte. Die Marktforscher von Display Search wiederum beziffern den globalen Anteil von Plasma-TV am Gesamtmarkt im vierten Quartal 2008 auf 7,7 Prozent. Dabei fiel der weltweite Absatz von Plasmageräten im vierten Quartal um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 3,8 Millionen Stück. In Deutschland entfielen 2008 beim Umsatz mit Fernsehgeräten 83 Prozent auf LCD-TVs und mit rund 700.000 verkauften Geräten nur 14 Prozent auf Plasma-TVs.

Die letzten Drei

Nach dem Rückzug Hitachis und Pioneers halten nur noch Panasonic, Samsung und LG an Plasma fest. "Wir produzieren beide Standards - das werden wir auch nicht ändern", hatte Panasonic-Manager Masayoshi Fujii Ende Februar in Amsterdam gesagt. Ähnlich hatte sich Senior Vice President Shin Sang-heung vom Rivalen Samsung im Januar bei der Branchenmesse CES in Las Vegas geäußert: "Wir wollen alle gängigen Fernsehtypen anbieten - Plasma macht davon einen großen Anteil aus." Vermutlich werde der Plasmamarkt in wenigen Jahren nur noch von Panasonic besetzt, vermutet Bob Raikes von der Marktforschungsfirma Meko: "Samsung und LG investieren nicht mehr maßgeblich in Plasma, weil sie damit kein Geld verdienen können." Stattdessen konzentrierten sie sich auf LCD und Bildschirme mit organischen Leuchtdioden (Oled). Panasonic hingegen habe zu viel in Plasma investiert. Das Geschäft mit Plasmageräten steuerte überdies 2008 europaweit 42 Prozent zu Panasonics TV-Umsatz bei.

Die Branche favorisiert Geräte mit Flüssigkristallschirmen: Anbieter wie Philips, Sharp, Sony und Toshiba können so aus weit mehr Zulieferern wählen als im Plasmasegment. Zudem haben die Hersteller Milliarden in die LCD-Technologie gesteckt. Größere Geräte, bei denen Plasmatechnik sinnvoll ist, sind überdies in Europa und Japan nicht populär. "Die in Amerika beliebten 50-Zoll-Fernseher sind zu groß für japanische Wohnzimmer, und Europäer mögen ebenfalls lieber kleinere Geräte bis 42 Zoll", sagt Paul Gray von Display Search.

Aber auch die LCD-Technologie wird Konkurrenz bekommen: Oled-Displays sollen das Beste zweier Welten bieten - schärfere Bilder bei geringerem Energieverbrauch. Die Technologie wird derzeit von Sony am stärksten propagiert - Panasonic hält sich dagegen bedeckt. Aus gutem Grund, findet Romagnolo: "Es wäre kontraproduktiv, jetzt für Oled zu werben - das würde den Verbraucher nur verunsichern."

FTD

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