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Erfahrungsbericht Roomba iRobot Warum ich mir kein Leben ohne Saug-Roboter mehr vorstellen kann


Was bringt ein Saugroboter wirklich? stern-Redakteur Gernot Kramper hat es ausprobiert. Nach zwei Wochen kann er sich ein Leben ohne automatischen Sauger nicht mehr vorstellen.

Smarte Zusätze, die angeblich dumme Haushaltgeräte verbessern, haben mir bisher nie eingeleuchtet. Etwa eine App, mit der ich daheim das Licht einschalten kann, während ich in Kalkutta bin. Oder eine andere App, mit der ich meinen LG-Wäschetrockner aus dem Auto starten könnte. Tolle Sache, wenn ich das Gerät nicht schon angemacht hätte, nachdem ich die Wäsche hineingetan hatte.

Smart und nützlich gibt es bislang nicht - etwa einen Trockner, der die Wäsche faltet und schick aufstapelt. Dachte ich zumindest, bis ich von den Kollegen aus dem Technik-Ressort einen Staubsauger-Roboter zum Test bekam. Angeblich ist der Roomba iRobot 880 so was wie der Mercedes im smarten Staubsaugermarkt.

Die ganz kurze Version 

Das Gerät funktioniert nicht so problemlos wie versprochen. Das ist mir aber egal, weil es dennoch eine enorme Erleichterung mit sich bringt. Um den Roboter in Betrieb zu nehmen muss man kein Ingenieur sein: Einfach die Akkus aufladen, auf den Clean-Knopf drücken und schon verrichtet die kleine schwarze Scheibe ganz allein ihren Dienst.  Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Damit der Roboter seine Arbeit macht, muss man zunächst ein wenig nachdenken und eine Staubsauger gerechte Einrichtung herstellen.

 Erste Lektion

Der iRobot umfährt Hindernisse, räumt sie aber nicht beiseite. Je mehr Dinge auf dem Boden herumstehen, umso mehr tote Winkel, die nie erreicht werden, gibt es also. In den Griff bekommt man das nur durch gelegentliches, eigenhändiges Saugen oder Umstellen.

 Zweite Lektion

Dünn und fusselig mag die Maschine nicht. Zarte Kabel und leichte Stoffe reizen die Fresslust eines jeden Staubsaugers, da macht der iRobot keine Ausnahme. Außerdem ist er ganz schön zäh. Hat er sich an einem Schnürsenkel verbissen, lässt er nicht los, bevor der Senkel reißt. Da muss also aufgeräumt werden. Sehr leichte Teppiche schiebt er zusammen, an lange Troddeln verschluckt er sich.

 Dritte Lektion

Der Roboter ist sanft, aber nicht wie eine Feder. Gegen Hindernisse stupst der Staubsauger gern leicht an. Altes chinesisches Porzellan wird das auf Dauer krumm nehmen. Hohe Raumzierden, die nur eben gerade ihr Gleichgewicht halten, wirft er um. Abhilfe konnte ich schaffen, in dem ich Bodenvasen mit Granulat auffüllte.

 Vierte Lektion

Überall lauern Todesfallen. In jeder Wohnung wird es Ecken geben, in die der Roboter hineinfindet, aus denen er aber nicht entkommen kann. Das kann unter einem Hocker oder zwischen Sessel und Wand sein. Wer nicht regelmäßig den hilflos fiependen Kerl bergen will, muss umgruppieren oder die Todeszonen entschärfen.

 Fünfte Lektion

Das Gerät ist smart, aber nicht vernünftig. Bei dunklen Teppichen setzt das Elektronengehirn aus. Der iRobot verfügt über optische Sensoren, die ihn über den Verschmutzungsgrad aufklären und die ihn davor bewahren, die Treppe hinunterzufallen. Leider interpretiert er einen dunkelgrauen Teppich als schwarzes Loch im Boden und weigert sich standhaft diese Todeszone zu befahren. Tipp aus dem Internet: Man muss die Sensoren mit weißem Papier überkleben. Problem: eine Treppe würde er sich jetzt tollkühn hinabstürzen. Türschwellen meistert er dafür problemlos.

 Die Belohnung

Die ersten Tage dachte ich nur: "Oh je, was für ein Plagegeist!" Ist aber alles bedacht und umschifft, verrichtet die Maschine klaglos ihre Arbeit. Die Reinigungsleistung ist exzellent. Vor allem wenn man daran denkt, dass der Sauger nicht für eine einmalige Grundreinigung konstruiert wurde, sondern für regelmäßige Bodenpflege. Was der Maschine an Saugleistung fehlt, holt sie durch Geduld wieder rein. Roomba hat die klassischen Bürsten durch zwei gegenläufig arbeitende Gummiwalzen ausgetauscht und erreicht damit eine spürbar bessere Schmutzaufnahme als mit Bürsten.

 Das Arbeitsgebiet

Zugegeben, bei mir herrschen auch ideale Arbeitsbedingungen: Im ebenerdigen Haus trägt ein großer Hund regelmäßig Dreck herein, dazu kommen die allgegenwärtigen Hundehaare. Der Roboter hat also immer etwas zu tun und schaufelt seinen Schmutzbehälter voll. Natürlich kann ich auch nach der Reinigung immer noch ein Härchen entdecken, aber ich betrachte es andersrum: Ich schaue darauf, was der iRobot zusammenkarrt. Weniger schön: Jeden Tag musste ich das kleine Dreckfach manuell ausleeren.

 Die Navigation

Der iRobot arbeitet nach einem schwer durchschaubaren Chaos-System. Mal ruckelt er ewig auf einer Stelle herum, dann durcheilt er gleich mehrere Räume im Autobahn-Modus. Aber irgendwie saugt er dann doch den ganzen Raum ab. Das allerdings mit einem Krach wie ein großer Sauger. Zur besseren Navigation gibt es kleine Türmchen, die dem Sauger im Leuchtfeuer-Modus den Weg weisen oder im Virtual-Wall-Modus einen unsichtbaren Zaun spannen. So schafft der Roboter auch mehrere Räume hintereinander. Wer mag, kann ihn per Timer so programmieren, dass er dann zur Werke geht, wenn man selbst im Büro ist.

 Wohnungsgrößen

Mein Eindruck: Eine normale Drei-Zimmer-Wohnung schafft der iRobot mit Hilfe der Zusatz-Türmchen selbstständig. In sehr großen, kompliziert geschnittenen Häusern oder Wohnungen sollte man seinen Einsatzbereich in 70 Quadratmeter-Zonen aufteilen. Mehrere Geschosse erreicht die Maschine ohne Hilfe ohnehin nicht.

 Staubiger Service

Weniger schön ist es, dass man sich beim Entleeren des Schmutzbehälters die Hände einstaubt. Grundsätzlich muss man damit rechnen, dass die kleine Maschine früher oder später Fäden oder Haare einfrisst, die man umständlich wieder entfernen muss. Typische Verschleißteile wie Bürsten, Walzen oder Akku kann man einfach nachbestellen.

Mein Fazit

Wenn man bereit ist, die Einrichtung den Bedürfnissen des Saugers anzupassen, ist er eine große Erleichterung und führt zu spürbar mehr Sauberkeit in der Wohnung. Der tägliche Einsatz lohnt sich natürlich besonders, wenn irgendjemand auch Dreck in die Wohnung schafft - Haustiere und Kinder etwa. Dann ist der Roboter eine klare Empfehlung, auch angesichts des stolzen Laden-Preises von 650 Euro für iRobot 880. Weil es auf die Intelligenz ankommt, würde ich trotz des Preisvorteils kein Vorgängermodell kaufen. 

 Plus

Smart genug, wenn die Wohnung vorbereitet wird

Gute Reinigungsleistung

Gute Akkuleistung

Arbeitet autonom

Minus

Sehr kleiner Staubbehälter

Recht laut

Nicht ganz billig


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