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Eurofighter-Nachfolger: Ambitioniert oder übergeschnappt? Merkel und Macron planen neuen Kampfjet

Frankreich und Deutschland wollen einen Stealth-Fighter entwickeln. Das System soll Europas Unabhängigkeit beweisen. Das Projekt birgt viele Risiken.

Airbus hat vor einem Monat dies Vision eines Future Combat Air Systems vorgestellt.

Airbus hat vor einem Monat dies Vision eines Future Combat Air Systems vorgestellt.

Vermutet wurde es schon seit langem: Gestern ließen die deutsche Kanzlerin und der französische Ministerpräsident die Katze aus dem Sack: Frankreich und Deutschland wollen gemeinsam einen Kampfjet der fünften Generation entwickeln und später bauen. Damit wollen beide Länder in die Königsklasse der Militärtechnik einsteigen.

Diese Ankündigung ist mehr als kühn, denn es gibt mehr Gründe, warum das Projekt scheitern könnte, als umgekehrt.

Richtig ist, dass beide Länder in absehbarer Zeit einen Ersatz für die französische Rafale und den deutsch-europäischen Eurofighter  benötigen. Die Gemeinschaftsentwicklung Eurofighter ist zudem alles andere als ein Vorzeigeprojekt. Durch die massive Verärgerung der Österreicher über den Kauf des Eurofighter sind im letzten Jahr peinliche Details über seine fehlende Performance bei extrem überteuerten Betriebskosten ans Licht der Öffentlichkeit gekommen.

Ohne Großbritannien

Aus der Entwicklung des Eurofighters sind die Franzosen zugunsten der Rafale ausgestiegen. In Folge des Brexits steht Großbritannien politisch nicht mehr als Partner zur Verfügung. Alle Zeichen deuten darauf, dass Großbritannien in die US-Entwicklung eines Jets der nächsten, der sechsten Generation mit einsteigen will. Praktisch gesehen haben sich die Briten schon lang vor dem Brexit für das US-Flugzeug F-35 entschieden.

Bis 2018 wollen Frankreich und Deutschland nun eine Roadmap für den neuen Jet vorlegen und wenn möglich weitere Partner gewinnen.  Wie das gelingen soll, ist allerdings unklar. Neben Rafale und Eurofighter wird in West-Europa ein weiterer Kampfjet gebaut. Die Saab Viggen aus Schweden wurde als robuster und kostengünstiger Fighter der vierten Generation entwickelt. Der Schweden-Jet hat also keine Tarnfähigkeiten – dafür ist er fertig und wird aktiv von Schweden vermarktet.

Der Nachzügler

Noch sind keine Details zum deutsch-französischen Fighter bekannt. Anzunehmen ist, dass das Projekt an die FCAS-Präsentation (Future Combat Air System) von Airbus anschließen wird. Dazu gehören etwa Stealth-Fähigkeiten. Ein zentrales Feature ist der Einsatz der bemannten Fighter im Verbund mit einem Schwarm unbemannter Drohnen als Waffenträger. Diese Schwarm-Taktik soll aber auch die F-35 beherrschen können. Die amerikanische F-35 ist bereits bei der Truppe und wurde auch an Verbündete ausgeliefert. Die Entwicklung der Maschine wurde von Pannen und Verzögerungen geplagt, doch diese Kinderkrankheiten dürften ausgemerzt sein - lange bevor die deutsch-französische Entwicklung zum ersten Mal abheben wird.

Durchaus möglich, dass der neue Euro-Jet zehn Jahre zu spät fertig wird. Um die Kosten des F-35-Projekts zu senken, hat US-Präsident Trump angekündigt, die bisherige Zurückhaltung der USA beim Export modernster Kriegswaffen aufzugeben. Er will die F-35 mit Macht in den Markt drücken. In wenigen Jahren dürften auch die russischen und chinesischen Jets der fünften Generation einsatzfähig sein und auf der Exportliste beider Länder landen. Süd Korea, Türkei und Japan denken über eigene Entwicklungen nach. Indien erwägt eine Kooperation mit Russland. Länder, die sich für eines dieser Angebote entscheiden, dürften kaum ein paar Jahre später das System wechseln, um auf den Euro-Jet umzusteigen.

Wo ist der Markt für den Jet?

Der Bedarf von Frankreich und Deutschland und einiger kleinerer europäischer Partner kann die Entwicklung eines eigenen Jets nicht rechtfertigen. Dafür sind die Stückzahlen zu gering.

Die Entwicklung eines Fighters der fünften Generation ist ein schwieriger Weg, wie man an der Entwicklung der F-35 verfolgen konnte. Aber auch der langsame Fortschritt der russischen und chinesischen Projekte spricht Bände, wenn auch aus diesen Ländern keine Details über Pannen durchsickern. Weder Frankreich noch Deutschland haben nennenswerte Erfahrungen auf dem Gebiet – dass ihnen die USA partnerschaftlich zur Seite springen, ist angesichts der wirtschaftlichen Konkurrenzsituation nicht zu erwarten.

Politisch ist der Wunsch der europäischen Leit-Mächte verständlich, sich militärtechnisch nicht in die Abhängigkeit einer Großmacht zu begeben. Doch ob dieser Wunsch am Ende zu einem leistungsfähigen und bezahlbaren Fighter führt, bleibt fraglich.

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