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Kampflugzeug aus Schweden: Saab Gripen E - Schwedens Fighter startet erstmals durch

Das kleine Schweden baut eines der besten Kampfflugzeuge der Welt. Nun ist der Gripen E zu seinem Jungfernflug gestartet. Außerdem ist Saab sich sicher, im Exportland Indien die Konkurrenz aus den USA auszustechen.

Gripen E beim ersten "echten" Flug über Schweden.

Gripen E beim ersten "echten" Flug über Schweden.

Als Automarke ist Saab untergegangen, als Hersteller von Kampfflugzeugen erleben die Schweden ein Revival: Die neueste Version des Gripen mit dem Kürzel E gilt als großer Wurf und als interessante Alternative zu den Fightern aus den USA und aus Russland. Vor einigen Tagen ist der Gripen E zu seinem ersten echten Flug gestartet. Das Rollout und eine animiertes Video hatten im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt.

Erstmals über Schweden

Testpilot Marcus Wandt startete den Jet in Linköping, Schweden, und flog etwa 40 Minuten über Östergötland. Denn nur der echte Flug beweist, ob die Berechnungen der Ingenieure zuvor richtig waren. "Der Flug verlief genauso, wie erwartet, die Performance des Flugzeuges stimmt mit unseren Erwartungen überein", sagte Pilot Wandt nach dem Flug. "Die Steigfähigkeit ist beeindruckend, dabei bleibt der Jet einfach zu steuern. Ich bin sehr glücklich, dass ich den Jungfernflug absolvieren durfte."

Keine Stealth-Technik

Der Gripen E ist ein kompletter Neuaufbau der Gripen-Linie. Obwohl er eine Neuentwicklung ist, handelt es sich nicht um ein Kampfflugzeug der fünften Generation. Die Schweden verzichteten bewusst darauf, selbst in die Stealth-Technik einzusteigen. Deren Entwicklung ist extrem teuer. Damit die Jets fürs Radar weitgehend unsichtbar bleiben, müssen Kompromisse in den Flugeigenschaften hingenommen werden.

Und noch mehr als bei anderen Militärprojekten leiden Jets mit Stealth-Technik unter Verzögerungen, Kostensteigerungen und Pannen. Der amerikanischen F-35 hat das den Ruf eines Pannenvogels eingetragen, von der russischen Entwicklung Sukhoi PAK FA dringen keine Peinlichkeiten nach außen, aber auch Moskaus Jet kann seinen Terminplan nicht einhalten.

Saab setzte dagegen auf einen soliden klassischen Fighter. Anstelle unsicherer Experimental-Jets schickt Saab ein solides Arbeitspferd in die Lüfte. Der neue Gripen E soll nicht nur kostengünstig sein, sondern mit ausgereifter Technik, einfachem Unterhalt und hoher Verfügbarkeit überzeugen. Gegenüber den Vorgängertypen Gripen C/D ist der Typ E in Sachen Nutzlast, Flugeigenschaften und Überlebensfähigkeit deutlich weiterentwickelt wurden.

Er soll zwischen Landung und neuem Einsatz nur zehn Minuten am Boden für einen Boxenstopp benötigen. Danach ist der Jet neu armiert und aufgetankt. Innerhalb einer Stunde wird sogar das komplette Triebwerk ausgewechselt. Zugleich kann der Gripen von improvisierten Flugbahnen und sogar von Straßen aus operieren. Insgesamt soll die Lebensspanne des Jets 50 Jahre betragen.

Indien nimmt den Gripen ernst

Und erstmals rechnen sich die Schweden gute Exportchancen aus. Geliefert wird der Gripen E natürlich zunächst an die eigene Luftwaffe, aber Saab geht weltweit auf Kundenfang. Und dabei stehen ihre Chancen besser denn je. Denn die USA haben sich komplett dem F-35-Projekt verschrieben. Wer den teuren Stealth-Jet nicht kaufen will, muss sich in anderen Ländern umsehen.

Auch der Kreml hat herausragende Jets der vierten Generation im Angebot, viele Staaten wollen sich in Rüstungsfragen allerdings nicht von Moskau abhängig machen. Der Eurofighter ist inzwischen deutlich in die Jahre gekommen. Und wie die Klagen Österreichs deutlich machen, sind einige Kunden mit dem Jet und dem Gebaren der Eurofighter-Gesellschaft extrem unzufrieden.

Saab hofft, weltweit insgesamt etwa 400 Gripen E absetzen zu können. In Indien konkurriert der Gripen E gegen die Lockheed Martin F-16 Block 70. Während der Schwede am Beginn einen vielversprechenden Laufbahn steht, ist das US-Flugzeug eher der letzte Aufguss eines Jets aus den Siebzigern.