Strom-Verbundnetz Wenn die Lichter doch ausgehen

Ein Mega-Stromausfall wie in New York sei in Europa nahezu ausgeschlossen, erklärten die Stromkonzerne nach der Netzpanne in Amerika vor drei Jahren unisono. Aber eben nur nahezu, wie die Panne in Europa am Samstagabend gezeigt hat.

Das Strom-Verbundnetz spannt sich über ganz Europa. "Man kann sich das vorstellen wie ein Straßennetz, mit Autobahnen, Bundesstraßen und Landstraßen", erläuterte Theo Horstmann, Sprecher der RWE Rhein-Ruhr. Die 380.000 Volt-Stromleitung, in der vermutlich die Störung aufgetreten ist, sei eine der "Autobahnen". "Sie bildet das Rückgrat für die Stromversorgung, an ihr hängen alle untergeordneten Netze." Zuständig für diese Riesenleitungen sind die jeweiligen großen Stromkonzerne - in Deutschland RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW.

Das Stromnetz wird von Trafos gespeist. Diese sind zwei etwa gleich großen Gruppen zugeordnet, die in der Fläche gleichmäßig verteilt sind. Wenn es eine größere Störung gibt, wird die erste Gruppe der Trafos per Computer abgeschaltet, die zweite Gruppe bleibt aber am Netz. "Deshalb wird es nicht überall dunkel", erläuterte Horstmann. So kann es passieren, dass in der einen Straße die Lichter aus gehen, in der nächsten aber nicht. Weil mit der Hälfte der Trafos viel Leistung vom Netz genommen wird, kann die Frequenz im Netz langsam wieder steigen und sich stabilisieren. Nach und nach werden dann die abgeschalteten Trafos wieder in Betrieb genommen.

Verbundnetz hat mehr Vor- als Nachteile

"Das Verbundnetz in Europa ist eigentlich ein großer Vorteil, da es jederzeit Reserven gibt, auf die man zurückgreifen kann", sagte Horstmann. Normalerweise sei es kein Problem, wenn von einer Sekunde auf die andere 3000 Megawatt ausfallen, also drei bis vier große Atomkraftwerke. "Das spürt der Kunde nicht, weil wir sofort Ersatz aus dem Netz bekommen." Umgekehrt kann eine außergewöhnliche Störung wie am Samstagabend aber Auswirkungen in ganz Europa haben.

"Wir haben eines der stabilsten und best funktionierendsten Netze weltweit", betonte Horstmann. Eine Störung wie am Samstagabend sei ein "absolut ungewöhnliches Ereignis".

DPA DPA

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