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Haushalt Verstopfung: So machen Sie den Abfluss frei

Klassiker: Zuerst bleiben Haare hängen, an ihnen bildet sich dann ein Fettpropfen.
Klassiker: Zuerst bleiben Haare hängen, an ihnen bildet sich dann ein Fettpfropfen.
© Евгений Хабаров
Das Wasser läuft nicht mehr richtig ab und steht noch minutenlang im Becken, auch wenn der Stöpsel gezogen wurde. Dann ist es Zeit, den Abfluss zu reinigen.

Verstopfungen kann man mechanisch erledigen – oder mit einer Chemie-Attacke. Mittel wie Abflussfrei können Verstopfungen und Ablagerungen lösen. Wie gut das Ergebnis ausfällt, hängt vor allem davon ab, was für eine Verstopfung vorliegt. Fett- und Glibberreste werden zuverlässig aufgelöst, ist aber eine Nadel oder ein Streichholz schuld an dem Stau, bewirken die Mittel nichts. Häufiger Gebrauch der Chemiekeule greift zudem auch das Material des Abflusses an.

Auch wenn Sie eine Abneigung gegen die Chemie-Keule im Haushalt haben: Der Ungeübte sollte es erst mit einem Rohrreiniger probieren, bevor er zur Rohrzange greift.

Vorsicht ätzend

Wenn Sie Chemikalien nehmen, müssen Sie die Anleitungen studieren. Gummihandschuhe, ein Kittel und ein Augenschutz sind wichtig, die Mittel sind ätzend und schon kleine Spritzer verfärben die Kleidung.

So geht es: Angenommen, das Wasser in Ihrem Becken läuft kaum noch ab. Dann warten Sie zuerst sehr lange ab, bis Sie sicher sind, dass das Wasser doch weggetröpfelt ist. Füllen Sie dann den Rohrreiniger - eventuell mit etwas Wasser - wieder auf, bis der Rückstau im Abfluss zu sehen ist. Problem dabei: So erreichen Sie nur Verstopfungen im eigentlichen Abfluss, sitzt das Problem in den Rohren dahinter, müssen Sie den Abfluss demontieren.

Danach müssen Sie das Mittel einwirken lassen. Lassen Sie sich Zeit, danach wird durchgespült und dann die Prozedur wiederholt. Sie sollten kein heißes Wasser benutzen, es kann die Reaktion verstärken. Vor allem sollten Sie keine weiteren Reinigungsmittel wie WC-Reiniger zusetzen, beim falschen Mix können giftige Gase entstehen. Rohrreiniger gibt es auch als Granulat. Kommt es mit Wasser zusammen, entstehen Gase und Hitze. Überdosierung kann zum Schmelzen von Kunststoff führen.

Gegenstände lösen sich nicht auf

Das ist die einfachste Methode, die aber bei mechanischen Ursachen – Münzen, Ohrenstäbchen etc – nicht weiterhilft. Auch an manchen Verschmutzungen beißen sich die Mittel die Zähne aus. In so einem Fall müssen Sie den Abfluss demontieren, wenn er zugänglich ist. Das ist meist eine übel riechende und eklige Angelegenheit. Sie benötigen eine Schale für Abwasser, Handschuhe und alte Lappen. An Werkzeug brauchen Sie nur einen Schraubendreher mit Schlitz und eine Rohr- oder eine Armaturenzange. Beginnen Sie diese Arbeit niemals an einem Sonntag, es ist wichtig, dass Sie zur Not zu einem Baumarkt gehen können.

Der Abfluss befindet sich unterhalb von Waschbecken oder Spüle. Dort müssen Sie alles freiräumen, dennoch kann es eng werden. Bevor Sie etwas demontieren, machen Sie ein paar Fotos von dem zusammengesetzten Ablauf, damit Sie ihn auch wieder korrekt zusammensetzen können. Hat das Becken einen altmodischen Gummistöpsel, reicht es meist allein das untere "U" des Abflusses zu entfernen. Haben Sie einen modernen Verschluss, der per Hebel betätigt wird, müssen Sie den kompletten Abfluss entfernen, da sich Schmutz und Haare gern um die Hebemechanik des schickeren Verschlusses sammelt. 

Ist Ihnen penible Sauberkeit wichtig, muss sowieso der komplette Abfluss entfernt werden. Mit etwas Glück können Sie die breiten Ringe des Verschlusses mit der Hand und einem untergelegten Tuch lösen, sonst müssen Sie eine Zange nehmen. Auf chromglänzenden Abflüssen hinterlässt das Arbeiten mit einer Rohrzange schnell Spuren, legen sie also etwas unter die Zangenbacken. Die Verschraubungen können sehr festsitzen. So fest, dass alte Metallabflüsse eher reißen, als dass das Gewinde nachgibt. Aber wenn das passiert, ist der Abfluss ohnehin aufgebraucht und muss ausgetauscht werden. Sie lösen das untere Knie, die Verschraubung der Verschlussmechanik und als letztes die lange Schraube, die den Abfluss im Becken festhält.

Spätestens jetzt merken Sie, warum der Abfluss auch Geruchsverschluss heißt, das stehende Wasser im "U" hält Gerüche aus der Kanalisation fern, die dringen jetzt in die Wohnung. Die Öffnung des Abflusses muss nun mit einem nassen Lappen verschlossen werden. 

Konzentration beim Zusammenbau

Von außen sah der Abfluss sauber und glänzend aus – im Inneren dürfte er schwarz und schmierig sein. Alle Bauteile müssen mit warmem Wasser gespült werden. Denken Sie daran, Haare aus der Hebemechanik zu entfernen. Wenn Sie den Abfluss weiter zerlegen, sollten Sie auch weitere Fotos machen. Insbesondere die Dichtungen müssen an die originale Stelle gesetzt werden. Verwechseln Sie nicht die konischen Quetschdichtungen mit den flachen Dichtungsringen. Einmal gesäubert, wird der Abfluss genauso eingebaut, wie Sie ihn abgebaut haben.

Wenn Sie liegend über Kopf arbeiten müssen, macht das wenig Freude. Trotzdem müssen Sie sehr genau arbeiten, sonst tropft der Abfluss.

Wollen Sie den alten Abfluss ersetzen, müssen Sie vermutlich das Ablaufrohr kürzen – dafür benötigen Sie eine Säge, die das Material (Kunststoff oder Metall) schneidet.

Dusche und Bad

Schwierig sind Abflüsse unter Dusche und Bad, die Sie nicht erreichen können. Hier bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Haarreste mit einer Zange zu entfernen und auf die Chemie zu vertrauen. Im Internet werden Geräte angeben, die versprechen, mit Druck jede Verstopfung zu lösen. Dazu gibt es meist eindrucksvolle Videos, die zeigen, wie ein Klumpen aus einem durchsichtigen Rohrsystem gepresst wird. Das funktioniert in der Praxis meist nicht. Warum? Weil Sie zu Hause kein geschlossenes mit Wasser gefülltes System haben. Der Druck entweicht, wo der geringste Widerstand ist. Das ist der Überlauf des Beckens, oder das zweite Becken oder irgendein Rohr, das vor der Verstopfung angeschlossen ist. Weiterhin darf sich keine Luft in dem Rohrsystem befinden, Sie wird komprimiert und federt den Druckstoß auf.

Stau im Rohr

Wenn der Stau nicht im Abfluss, sondern in den Rohren dahinter entsteht, ist guter Rat teuer. Dann wird es eigentlich Zeit, einen Fachbetrieb zu rufen. Alternativ können Sie eine Rohrreinigungsspirale an dem Rohr hinter dem Abfluss ansetzen oder ihr Glück mit Chemie probieren, dann sollte der Rohrreiniger direkt in das Abflussrohr gegeben werden und nicht durch das Sieb am Becken. In beiden Fällen muss zunächst der Abfluss demontiert werden.

In einem langen Abflussrohr können sich weit größere Ablagerung sammeln als in dem System unter dem Becken. Sie brauchen also Geduld und viel Rohrreiniger. Im Bad verstopfen die Abflussrohre von Waschbecken, Wanne und Dusche meist, wenn ein Fremdkörper hineingeraten ist. In der Küche kann die Mischung von starkem Schmutzeintrag – etwa Kaffeereste aus der Espressomaschine – und zu geringem Gefälle zu Ablagerungen führen, die Sie mit der Spirale aufmischen können.

Wie weit sie mit der Spirale vordringen, hängt im Wesentlichen von der Stärke der Windungen Ihrer Abflussrohre ab. Auch wenn die grauen Abflussrohre in Ihrer Wohnung frei zugänglich liegen, etwa im Keller unter Küche und Bad, sollte ein Laie die Finger von ihnen lassen. Sie lassen sich häufig nur sehr schwer demontieren. WC-Rohre haben einen größeren Durchmesser. Sie verstopfen eigentlich nur, weil ein Fremdkörper wie Kinderspielzeug in ihnen versenkt wurde. Hier nützt Chemie nichts, ein Fachbetrieb muss ran, da das WC demontiert werden muss,

Fazit

Die chemische Reinigung sollte bei Verstopfungen mit organischem Material ausreichen, wenn Sie mit Bedacht vorgehen. Entscheidend ist es, dass der Wirkstoff auch an den Ort der Verstopfung gelangt und Sie genügend Geduld mitbringen. Denken Sie daran: Diese Chemikalien sind gefährlich und sollten wirklich vor Kindern gesichert werden.

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