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Smartphone mit Doppelkamera: Huawei P9: Zwei Knipsen für ein Halleluja

Das Huawei P9 bringt nicht nur eine, sondern gleich zwei Kameras des deutschen Traditions-Herstellers Leica mit. Aber sorgt das wirklich für bessere Bilder? Und was hat das schicke Smartphone sonst noch drauf? Der Test verrät's.

Huawei P9 Test

Das Huawei P9 im Test: Können die Doppel-Kameras überzeugen?

In den letzten Jahren hat sich Huawei zur ernsthaften Konkurrenz für Apple und Co. entwickelt. Und auch das neueste Smartphone Huawei P9 zeigt: Der chinesische Hersteller kann längst viel mehr, als billige Klone bauen. Das neue Smartphone punktet nicht nur mit einem schicken Äußeren und toller Technik, sondern auch mit einer innovativen Dual-Kamera. Wir haben es getestet.

Das Design des Huawei P9 überzeugt schon auf den ersten Blick. Klare Formen, angeschliffene Kanten und ein toll verarbeitetes Metallgehäuse machen das Gerät zum bisher hübschesten Smartphone aus dem Hause Huawei. Klar, mittlerweile setzen viele Hersteller auf diesen Look, Huawei setzt in aber sehr ansprechend um. Der Glas-Streifen auf der Rückseite, hinter dem sich die Kameras verstecken, setzt außerdem einen schicken Akzent. Die Verarbeitung ist rundum erstklassig und kann mit den Besten der Branche mithalten.

Huawei P9 Test

Das schlichte Design wird durch den Glas-Akzent am oberen Rand aufgepeppt. Dahinter verstecken sich die beiden Kameras.

Technisch gibt es ebenfalls kaum etwas zu meckern. Das 5,2 Zoll große Display ist hell und mit 1920 x 1080 Bildpunkten knackig scharf. Der selbstentwickelte Prozessor reagiert im Alltag immer flink. Nur bei grafisch sehr aufwändigen Spielen kann das P9 nicht mit schnelleren Konkurrenten mithalten. Als Speicher stehen 32 Gigabyte zur Verfügung, sie lassen sich per microSD-Karte noch erweitern. Das Modell mit 64 Gigabyte wird in Deutschland leider nicht verkauft.

Zwei Kameras sind besser als eine. Oder?

Als Alleinstellungsmerkmal hat Huawei dem P9 nicht nur eine, sondern gleich zwei Kameras auf der Rückseite spendiert. Die stammen vom deutschen Traditions-Hersteller Leica. Während der Konkurrent LG in seinem LG G5 eine zusätzliche Weitwinkelkamera verbaute, haben Leica und Huawei das Konzept Doppelkamera anders umgesetzt: Eine Kamera ist für "normale" Fotos bestimmt, die andere fotografiert ausschließlich in Monochrom, also echtem Schwarz-Weiß.

Diese Trennung hat zwei Vorteile: Zum einen kann das P9 wirklich beeindruckende Schwarz-Weiß-Fotos schießen, die merkbar detailreicher ausfallen, als nachträglich entfärbte Fotos. Das liegt daran, dass die Monochrom-Kamera deutlich nuanciertere Lichtinformationen aufnimmt. Vor allem Bild-Bereiche mit schwacher Beleuchtung wirken dadurch plastischer. Davon profitieren auch die Farbfotos.

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Eine der Leica-Kameras ist für normale Fotos bestimmt, die andere knipst monochrom.

Doppelt hält (noch) nicht besser

Die Bilder sind detailreich, die Farben werden gut eingefangen. Das starke Nachschärfen mancher Smartphone-Kameras ist beim P9 nicht zu finden. Die Bilder wirken dadurch recht natürlich. Nur bei schlechtem Licht hinkt Huawei den Spitzenkameras merkbar hinterher. Die Bilder sind dann oft verrauscht, Details und Farben gehen verloren. Das kann etwa das Samsung Galaxy S7 besser.

Schaltet man auf einen Modus mit besonders großer Blende, kann man etwa den Fokus des Bildes auch im Nachhinein verschieben. Das klappt allerdings nur in Huaweis eigener Galerie-App, nicht bei Dritt-Programmen. So entstehen gerade bei Nahaufnahmen tolle Effekte, in denen beispielsweise der Hintergrund durch Unschärfe praktisch verschwindet ("Bokeh-Effekt"). Wie stark die Unschärfe ausfällt, entscheidet man per Schieberegler.

Huawei P9 Test

Durch die Doppel-Kamera kann man im Modus mit großer Blende nachträglich den Fokus des Bildes ändern.

Zieht Huawei mit der Leica-Koorperation der Konkurrenz davon? Leider nein. Denn das Galaxy S7 und auch das iPhone 6s machen immer noch die insgesamt besseren Bilder. Das liegt auch daran, dass die Kamera des P9 bei schlechterem Licht zu sichtbarem Bildrauschen neigt. Trotzdem: Die Doppelkamera gehört klar zu den besten am Markt. Für reine Schwarz-Weiß-Bilder gibt es keine bessere Smartphone-Kamera. Es wird spannend, was die Zusammenarbeit mit Leica noch für Früchte trägt

Langer Atem

Ebenfalls erwähnenswert: Für das kompakte Gehäuse hat das P9 einen beeindruckend lange durchhaltenden Akku. Am Ende des Tages sind auch bei regelmäßiger Nutzung noch Reserven übrig, sparsame Nutzer könnten auch einen zweiten Tag schaffen. Das ist angesichts der schlanken Bauform und des geringen Gewichts wirklich beeindruckend. Das Manko: Eine Schnellladefunktion hat das P9 nicht.

Als Software ist das aktuelle Android 6.0 Marshmallow installiert, das Huawei mit dem eigenen EMUI anpasst. Die Oberfläche erinnert dadurch an eine Mischung aus Android und Apples iOS. Das ist nicht immer von Vorteil, etwa wenn sich das Schnell-Menü inkonsequenterweise nur auf dem Homescreen einwischen lässt. Im Alltag lässt es sich nach einer gewissen Eingewöhnung allerdings weitgehend problemlos nutzen. Nur die überladene Tastatur und der fehlende App-Ordner ("App Drawer") störten auf Dauer. Beides lässt sich von versierten Nutzern durch Installation alternativer Tastaturen oder eines neuen Launcher beheben..

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Schönes Detail: Der Power-Button ist leicht geriffelt. So fühlt man sofort den Unterschied zur glatten Lautstärkewippe.

Fazit: Für die Spitze reicht's nicht

Das Huawei P9 ist ein sehr gelungenes Smartphone ohne echte Schwächen, sieht man mal von der gewöhnungsbedürftigen Benutzeroberfläche ab. Das Gerät sieht schick aus, ist toll verarbeitet und hat technisch einiges auf dem Kasten. Das beste Smartphone ist es so zwar nicht - es spielt aber ganz vorne mit.

Die Kamera ist ein interessantes Experiment, das Samsung und Apple aber nicht abhängen kann. Wer allerdings gerne Schwarz-Weiß knipst, kommt am P9 nicht vorbei. 

Alle anderen dürfen alleine wegen des Preises über einen Kauf nachdenken. Für knapp 500 Euro ist das P9 aktuell bereits zu bekommen. Das ist gemessen am Gebotenen ein wirklich hervorragender Preis.

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