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Apple Smartphone Das iPhone 14 im Test: Ein tolles iPhone – das Sie sich lieber sparen sollten

Das iPhone 14 ist ein gutes Smartphone - und findet doch nicht so recht einen Platz
Das iPhone 14 ist ein gutes Smartphone - und findet doch nicht so recht einen Platz
© Malte Mansholt / stern
Das iPhone 14 ist schneller als der Vorgänger und knipst bessere Fotos. Trotzdem kann man den Kauf leider kaum empfehlen. Warum, erklärt der Test.

Es ist ein kleines Paradoxon: Technisch ist das neue iPhone 14 das beste Basis-iPhone, dass Apple je auf den Markt gebracht hat. Doch einige Entscheidungen des Konzerns lassen es erheblich weniger attraktiv wirken – vor allem die Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Unseren Test des deutlich spannenderen iPhone 14 Pro finden Sie übrigens hier.

Dabei ist das iPhone 14 im Vergleich zum Basismodell des iPhone 13 ein Fortschritt. Beim Design hat sich zunächst wenig getan. Das iPhone 14 setzt wieder auf die durchaus schicke Kombination aus Aluminium-Rahmen und Glasrückseite, fühlt sich auch weitgehend genauso an. Der einzige Unterschied: Die Kamera-Ausbuchtung ist minimal größer geworden. Der Unterschied ist kaum sichtbar, sorgt aber dafür, dass die Hüllen des Vorgängers haarscharf nicht mehr passen. Wer ein iPhone 13 hat, kann die Hüllen des 14 nutzen – andersherum klappt es nicht.

iPhone 14: Das kommt mir bekannt vor

Auch das Display ist dasselbe. Der OLED-Bildschirm löst weiter in 2532 x 1170 Bildpunkten auf, ist mit maximal 1200 Nits gleich hell. Auch die Ausbuchtung für die Gesichtserkennung FaceID und die Frontkamera, die sogenannte Notch, ist weiter in vollem Umfang vorhanden. Die innovative "Dynamic Island", bei der sich die Aussparung je nach Kontext verändert, hat Apple nur den beiden iPhone 14 Pro spendiert. Das iPhone 14 ist dadurch beim Look und dem Nutzungsgefühl zunächst kaum vom Vorgänger zu unterscheiden.

Auf der technischen Seite gibt es da mehr Neuerungen. Mit dem A15 Bionic setzt Apple zwar wieder auf denselben Prozessor wie beim iPhone 13, es gibt aber einen Grafikkern mehr. In der Rechenleistung ist das aber kaum messbar. Im Benchmark-Programm Geekbench schneidet das iPhone 14 sogar etwas schwächer aus als das iPhone 13 Pro mit demselben Chip. Das ist etwas irritierend.

Fairerweise muss man aber sagen, dass schon das iPhone 13 so schnell war, dass es sämtliche Alltags-Aufgaben im Nu erledigte – das heißt auch für das iPhone 14, dass es in Spielen und Apps keinerlei Grund zur Klage gibt. Trotzdem ist die Entscheidung zumindest ungewöhnlich: Bislang gab es mit jedem neuen iPhone auch einen Chip der jeweils neuesten Generation, dieses Jahr bekommen aber nur die iPhone 14 Pro den aktuellen A16-Prozessor. In Bezug auf die Zukunftstauglichkeit könnte das auf Dauer durchaus ein Nachteil für Käufer des einfachen iPhone 14 sein.

Apple Smartphone: Das iPhone 14 im Test: Ein tolles iPhone – das Sie sich lieber sparen sollten

Größte Neuerung des iPhone 14: Die Kamera

Eine große Neuerung gibt’s bei der Kamera. Der Kamerasensor ist ordentlich gewachsen, die Knipse kann so mit mehr Licht arbeiten. Das merkt man vor allem bei schlechter Beleuchtung. Das iPhone 14 fängt dann mehr Details ein, erreicht fast die Qualität des Pro-Modells vom letzten Jahr. Dennoch: Mit dem nochmals deutlich größeren Sensor des iPhone 14 Pro kann es nicht mithalten.

Die Auflösung bleibt mit 12 Megapixeln dieselbe wie im letzten Jahr. Das iPhone 14 Pro hat mit 48 Megapixeln deutlich mehr zu bieten, vor allem in RAW-Bildern ist das klar zu sehen. Im Alltag und bei gutem Licht fällt der Unterschied weniger dramatisch aus, als man vielleicht erwarten würde. Das iPhone 14 schießt farbechte, scharfe Bilder. Der Nachtmodus funktioniert besser als beim iPhone 13, ganz an die Qualität des iPhone 13 Pro reicht das neue Modell aber nicht heran – auch wenn der Abstand minimal ist. Einen Vergleich finden Sie in der Fotostrecke.

Die Selfie-Knipse hat ebenso neues zu bieten. Zum ersten Mal verbaut Apple auch dort einen Autofokus. Kommt etwa eine zweite Person ins Bild, wird auch diese erkannt und scharf gestellt. Das funktionierte im Test schnell und zuverlässig. Die Kamera selbst hat sich sonst nicht verändert. Mit einer Blende von f2,2 und 12 Megapixeln ist sie identisch.

Bei den Videoaufnahmen gibt es das wichtigste neue Feature auch beim iPhone 14. Im sogenannten Action-Modus gleicht das iPhone per Software Bewegungen aus. Das funktioniert tatsächlich toll. Ob beim schnellen Laufen hinter den Kindern oder dem Hund, beim Radfahren oder auch bei bewegten Kamera-Schwenks: Die Aufnahmen wirken wie professionelle Kamerafahrten. Schade: Der Modus funktioniert nicht bei wenig Licht, die Aufnahmen sind dann so dunkel, dass kaum etwas zu erkennen ist. Allerdings erscheint auch eine Warnmeldung, wenn das Licht nicht ausreicht.

Ein kleines Manko gibt es bei der Auflösung. Weil das iPhone im Prinzip in einer höheren Auflösung filmt und die Bewegungen ausgleicht, indem es nur einen Ausschnitt in der Mitte als Ergebnis abliefert, lässt sich der Action-Modus nicht in voller Auflösung nutzen. Apple nennt 2,7K als höchste Auflösung, im Test waren die meisten Aufnahmen in 1080p. Das lässt sich aber verkraften.

Bei der Akkulaufzeit gibt es wenig zu meckern. Das iPhone schaffte im Test einen ganzen Tag, am Ende blieben noch Reserven. Apple verspricht bis zu 20 Stunden Videoplayback, in der üblichen Praxisnutzung dürften zwischen sechs und acht Stunden normale Nutzung realistisch sein. Leider unterstützt Apple auch bei der neuesten Generation nicht das extrem schnelle Laden, das manche Android-Konkurrenten bieten, mit dem passenden Netzteil sind aber 50 Prozent in einer guten halben Stunde möglich.

Das Design des iPhone 14 ist extrem nah am Vorgänger. Die Kamera ist aber überarbeitet worden
Das Design des iPhone 14 ist extrem nah am Vorgänger. Die Kamera ist aber überarbeitet worden
© Malte Mansholt / stern

Zwei Neuerungen, die man besser nicht braucht

Zwei der wichtigsten Neuerungen konnten wir im Test nicht ausprobieren – weil sie hoffentlich niemand jemals benötigen wird. Zum einen ist da die neue Fähigkeit, sich im Notfall auch per Satellit verbinden zu können. Ist man also in einem abgelegenen Gebiet gestrandet und hat keinen Empfang, können die neuen iPhones sich direkt mit Satelliten verbinden, um einen Hilferuf abzusetzen. Die Funktion gibt es zunächst nur in den USA und Kanada. Kostenlos ist sie übrigens nicht: Apple verspricht eine Unterstützung für zwei Jahre. Danach müssen die Kunden eine Gebühr ihres Mobilfunkbetreibers bezahlen. Bislang sind keine Preise für Deutschland bekannt. 

Das zweite Feature, welches man am liebsten niemals zu Gesicht bekommt, ist die Crash-Erkennung. Dank neuer Sensoren und entsprechenden Software-Tricks sollen die neuen iPhones durch typische Bewegungsmuster und Umgebungsgeräusche erkennen, wenn sie sich in einem Auto befinden, das gerade in einen Unfall verwickelt ist. Sobald ein Crash erkannt wird, geht das iPhone dann in einen Notfall-Modus und setzt selbstständig einen Notruf ab. Auch, wenn der Fahrer oder Passagier ohnmächtig ist. Wie gut das Funktioniert, ließ sich nicht testen. Selbst sehr scharfes Abbremsen konnte das iPhone nicht täuschen, weil der abrupte Stop  und der Lärm eines tatsächlichen Aufprallunfalls fehlten. Hier müssen sich die Kunden auf Apples Versprechen verlassen. Und hoffen, dass sie es nie auf die Probe stellen müssen.

Ist das iPhone 14 den Aufpreis wert?

Leider kann man nicht über das neue iPhone 14 sprechen, ohne auch über Geld zu reden. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 999 Euro ist es zwar eigentlich nur 100 Euro teurer als das vergleichbare iPhone 13. Weil es mit dem iPhone 13 Mini aber ein gleichwertiges Gerät für bereits 799 Euro gab, ist der Einstieg effektiv 200 Euro teurer geworden.

Gleichzeitig sind die iPhones vom letzten Jahr im Preis gefallen. Zum Erscheinungstermin dieses Tests gibt es das iPhone 13 Pro bereits zum nahezu identischen Preis. Das hat zwar die neuen Notfall-Features nicht, dafür bietet es aber denselben Chip und eine vergleichbar gute Kamera – vom Autofokus der Frontkamera mal abgesehen. Zusätzlich kommen zahlreiche Premium-Features, die auch in dieser Generation den Pro-Modellen vorbehalten sind: Der schicke Edelstahlrahmen, das deutlich flüssigere 120-Hertz-Display sowie das bessere Kamera-System mit 3x-Zoom und Makro-Modus.

Fazit: Ein tolles iPhone, das man nur schwer empfehlen kann

Das iPhone 14 macht vieles richtig. Es fühlt sich weiter sehr gut an, macht gute Fotos und bietet mit den beiden neuen Notfall-Funktionen grundsätzlich sinnvolle Extra-Features. Dass es sich trotzdem alt anfühlt, liegt an Apples anderen Produkten: Das iPhone 14 Plus hat wenigstens den Novitäts-Faktor des größeren Displays, das iPhone 13 Pro ist weiterhin auf Augenhöhe. Die neuen iPhone 14 Pro sind derweil gnadenlos überlegen. Die größte Konkurrenz macht Apple sich also selbst.

So wird es wirklich schwer, den Kunden zum Kauf des neuen iPhones zu raten. Wer Geld sparen möchte, bekommt beim iPhone 13 ein kaum schlechteres Gerät. Das iPhone 13 Pro bietet wiederum zahlreiche Premium-Features – und hat bis auf die nur in Extremsituationen nützlichen Notfall-Funktionen kaum einen Nachteil. Und wer mehr Leistung möchte, kann auch gleich zum iPhone 14 Pro greifen – und bekommt damit ein Gerät, das sich wirklich nach einer neuen Generation anfühlt.

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