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Alterspflege: Der Pflege-Pfusch

Das deutsche Pflegewesen krankt und sein Zustand verschlechtert sich zusehends. Die Politik agiert hilflos, dabei sind die Heilungschancen gut, wenn man die richtige Behandlung wählt.

Eine Analyse von Roman Heflik

Wund gelegene Patienten, irrtümlich falsch verabreichte Medikamente, kaum Zeit für Gespräche - die bundesweit rund 1,2 Millionen Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege sind zunehmend überfordert. Verbände schlagen Alarm: "Es hapert in vielen Bereichen", warnt der Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes, Rolf Höfert. Die Qualität der Pflege leidet unter steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen, dem Kostendruck auf die Pflegeeinrichtungen und dem Mangel an qualifiziertem Personal.

Doch glaubt man der Politik, enden diese Zustände bald. Erst in der vergangenen Woche hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt die Reform des deutschen Pflegesystems für geglückt erklärt. "Die Reform verbessert die Lebenssituation für Millionen - für Pflegebedürftige, für Angehörige und für Pflegekräfte", sagte die Politikerin voller Stolz. "Wir bringen die Pflege zu den Menschen und sichern ihnen damit ein Stück Heimat und Geborgenheit."

Die Politik ähnelt einem Quacksalber

Die Medizin, die die Ministerin dem deutschen Pflegesystem verabreichen will, ist schlicht: Künftig soll jeder Beitragszahler mehr in die Pflegeversicherung einzahlen. So soll die kostenintensive Betreuung älterer Menschen - neuerdings auch die Betreuung altersverwirrter Menschen - für die nächsten Jahre finanziert werden. Die Qualität von Pflegeheimen wird jetzt etwas öfter überprüft, außerdem soll es "Pflegestützpunkte" geben, in denen sich Angehörige informieren können, wie sie ihre Liebsten am besten pflegen lassen können.

Die Botschaft von Ulla Schmidt lautet: Wir haben das kränkelnde Pflegesystem wieder gesund gepäppelt. Doch in Wahrheit ähnelt das Verhalten der Politik in diesen Tagen statt einem Arzt eher einem Quacksalber, der freigiebig Hustensaft austeilt - und zwar an einen Patienten mit Lungenkrebs: Man doktort an einzelnen Symptomen herum, verschweigt die Schwere der Krankheit und verschiebt den so dringend nötigen Eingriff.

Die Untersuchung

Dabei ist schon lange bekannt, wie stark das Pflegesystem leidet. Und als vor wenigen Wochen Berichte über Missstände in deutschen Pflegeheimen für Entsetzen sorgten, seufzten selbst renommierte Pflegekritiker wie der Münchner Claus Fussek auf: "Das ist doch nichts Neues! Diese Probleme sind doch schon lang bekannt, es wird bloß nichts daran getan." Trotzdem lässt sich ein Gruseln nicht unterdrücken, wenn man von tausenden Pflegebedürftigen hört, die stundenlang in ihrem Kot liegen, nichts zu trinken kriegen und sich so wundliegen, dass ihr Fleisch fault.

Alle fünf Jahre werden Heime in der Regel kontrolliert, fast immer mit Voranmeldung. Dass trotzdem noch so viele Fälle von Vernachlässigung entdeckt werden, zeigt: Kontrollen, die alle paar Jahre kommen, schrecken kaum ab. Auch die neue Regelung sei viel zu lasch, monierte bereits der Sozialverband Deutschland: Alle drei statt heute alle fünf Jahre soll es Kontrollen geben, dazu bei 20 Prozent der Einrichtungen jährlich unangemeldete Prüfungen.

Der Sozialverband dagegen fordert Prüfungen "mindestens einmal im Jahr und grundsätzlich unangemeldet". Doch so genau will die Politik lieber nicht hinschauen: Sie könnte zu einem schmerzhaften und teuren Eingriff gezwungen sein.

Die Therapie

Dabei bedürfte es nur weniger Arzneien, um dem Pflegesystem Erleichterung zu verschaffen: Prävention wäre eine davon. Bislang ist vorsorgende Pflege aus Sicht von Kassen vor allem eines: teuer. Sinnvolle Maßnahmen wie Sturzschutzhosen oder Bewegungstherapie werden daher von den Krankenkassen schnell abgewürgt. Bricht sich eine Seniorin den Oberschenkelhals und wird zum Invaliden, schiebt man das Problem halt schnell den Pflegekassen zu.

Zwischen Kassen und Pflegeträgern herrscht eine feindliche Stimmung: Jeder fühlt sich vom anderen abgezockt und will deswegen selbst soviel rausholen wie möglich. "Gute Pflege wird nicht belohnt", fasst Claus Fussek das Problem zusammen: Eine Pflegeeinrichtung kann der Kasse mehr teure Leistungen anrechnen, wenn dem Patient hohe Pflegebedürftigkeit bescheinigt wird. Genesung bedeutet also Gewinnrückgang. Ein fatales Signal, doch auch hier hält sich die Politik lieber heraus: Auf schmerzenden Stellen drückt man schließlich nicht herum.

Die Operation

Doch selbst wenn eine Radikal-Kur Erfolg zeitigen würde, hätte sie für den Patienten Pflege nur aufschiebende Wirkung. Der große Eingriff ist letztlich unausweichlich. Denn Deutschland altert rapide, immer mehr Deutsche werden zu Pflegefällen werden, und immer weniger bleiben übrig, um das zu bezahlen. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen nennt die vom Bundeskabinett beschlossene Beitragserhöhung daher eine "Kapitulation vor der demografischen Herausforderung".

Sein Vorschlag: der radikale Schnitt. Statt immer weiter die Beiträge zu erhöhen - Ulla Schmidt nennt das "dynamische Anpassung" - solle man zu einer kapitalgedeckten Pflichtversicherung wechseln. Soll heißen: Nur, wenn jeder selbst möglichst bald möglichst viel für den Fall seiner Pflegebedürftigkeit zurücklegt, bleibt uns der Kollaps der Pflege erspart. Das erkennt inzwischen auch Bundeskanzlerin Merkel an: "Wir wissen, es kommt der Tag, da müssen wir eine Kapitaldeckung einführen."

Hoffentlich hält der Patient Pflege noch so lange durch.

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(