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Ausbildung: Hauptsache, Medien

Mit dem Wunsch, "irgendwas mit Medien" machen zu wollen, können Schulabgänger jeden Berufsberater zur Verzweiflung treiben. Nicht nur, weil die Branche kränkelt, sondern weil der Wunsch so präzise ist, als würde man die Nadel im Heuhaufen suchen.

Mit dem Wunsch, "irgendwas mit Medien" machen zu wollen, können Schulabgänger jeden Berufsberater zur Verzweiflung treiben. Nicht nur, weil diese Branche ziemlich kränkelt, sondern weil der Wunsch ungefähr so präzise ist, als würde man im Heuhaufen eine Nadel suchen, von der man nicht weiß, wie sie aussieht. Auch Sissy Thoms, 25, wollte nach dem Abi "was mit Medien machen", fand aber nichts Passendes und studierte dann erst mal auf Lehramt. Nach sieben Semestern brach sie ab, begann erneut im Internet zu recherchieren und wurde schließlich auf die Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) aufmerksam. Jetzt studiert sie dort im sechsten Semester Medienwirtschaft, ein Studium, das, so findet sie, "zu mir passt": viel BWL, Organisation, auch Medienethik. Projektmanagerin will sie damit später mal werden oder Produktionsleiterin beim Fernsehen.

Manchmal braucht es einen zweiten Anlauf, bis man unter den verschiedenen Medienstudiengängen mit verschiedenen Schwerpunkten und Abschlüssen das Richtige findet. In kaum einem anderen Hochschulbereich gibt es derartig viele Aus- und Weiterbildungsangebote. "Da ist ein totales Überangebot entstanden", kritisiert Björn Sjut, 22, selbst Medienmanagement-Student an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, der mit Kommilitonen zusammen den Online-Medienstudienführer betreut. Die Datenbank listet mittlerweile über 400 Studiengänge auf. Vorteil: Für jeden ist was dabei. Nachteil: Wer sich vorab nicht gründlich informiert, sitzt schnell im falschen Fach.

Deutlicher Trend zur Spezialisierung

Trotz Medienkrise entstehen derzeit überall neue Studiengänge, sogar neue private Einrichtungen wie die Fresenius Hochschule für Wirtschaft und Medien in Köln oder die Hamburg Media School. Sie alle locken mit so modern klingenden Angeboten wie Medienmanagement, Medieninformatik, Mediendesign, Medientechnik, Medienwissenschaft, Visuelle Kommunikation oder Electronic Media. Am beliebtesten sind nach einer Online-Befragung des Medienführers die Studiengänge Medienwirtschaft und Medienmanagement, während Medientechnik eher wenig Interesse weckt. Doch kaum ein Studienanfänger weiß, was sich wirklich dahinter verbirgt. Und hat er das für die eine Hochschule kapiert, heißt das noch lange nicht, dass dies auch für den gleichnamigen Studiengang an der Nachbarhochschule gilt.

Björn Sjut sieht einen deutlichen Trend zur Spezialisierung und zu Aufbaustudiengängen. Wobei sich die Grenzen zwischen den Fächern immer mehr auflösen. Nicht immer ist dann hinterher drin, was draufsteht. So muss man für Mediengestaltung zuweilen auch Programmieren können. Selbst in einem Fach wie Medienwirtschaft muss man an der Stuttgarter HdM Scheine in Elektronik machen. Wer keinen Draht zur Technik hat, sollte die Finger von solchen Fächern lassen.

Jobs in coolen Agenturen sind die Ausnahme

Klar ist dagegen: Wer Journalist werden will, sollte nicht Medienmanagement studieren. Hinzu kommt, dass viele Einsteiger, die "was mit Medien machen" wollen, offenbar völlig falsche Vorstellungen von den Studiengängen haben. "Medienwirtschaft beispielsweise ist trockener, als es sich eine Abiturientin vorstellt, die gern MTV schaut", sagt die Studentin Kathrin Kasemir, 27, "das ist oft nicht so hip, wie viele glauben. Wer nachts um vier aus dem Schnittraum kommt, feiert keine Party mehr." Profitiert am Ende aber womöglich von einer praxisbezogenen Ausbildung, mit der sich auch in schwierigen Zeiten noch Jobs finden lassen.

Stefan Sievers vom Deutschen Multimedia-Verband (DMMV) lobt jedenfalls eine solide akademische Ausbildung und sieht für Absolventen schon wieder "Licht am Ende des Tunnels". Gefragt seien aber nicht mehr Webdesigner, sondern Manager, die Schnittstellenaufgaben wahrnehmen können. Laut Sievers gibt es auch Bedarf an Medieninformatikern, in der Medienforschung und im E-Government. Die berufliche Entwicklung geht für ihn eindeutig weg von der Technik hin zu mehr Wirtschaft. Auch Andrea Stein vom Kölner Koordinations-Centrum für Ausbildung in Medienberufen sieht die Medien als Wachstumsbranche, rät aber, "nicht nur an coole Agenturen zu denken", denn auch Unternehmen brauchten Pressearbeiter und Werbefachleute.

An der Stuttgarter Hochschule der Medien sehen sie die Zukunft ihrer Absolventen daher durchaus gut: "Wir bilden medienübergreifend aus und praxisnah", sagt der Dekan des Fachbereichs Electronic Media, Axel Hartz, "unsere Leute können auch kalkulieren, die kommen gut unter." Zum Beispiel bei der Filmproduktion von "Herr der Ringe" in Neuseeland, da hat ein Absolvent der Audiovisuellen Medien bei den digitalen Farbkorrekturen mitgearbeitet.

Um angesichts der Fülle und Vielfalt nicht die Orientierung zu verlieren, empfiehlt sich eine Checkliste:

1. Was will ich mit dem Studium werden? Habe ich einen bestimmten Beruf im Kopf oder zumindest einen Bereich, eine Branche, eine Tätigkeit?
2. Wie kann ich das erreichen? Gibt es Ausbildungsplätze, oder muss ich dafür studieren?
3. Wie wissenschaftlich und wie praktisch soll das Studium für mich angelegt sein?
4. Wie breit, wie medienübergreifend sollte das Studium angelegt sein? Oder will ich mich von Anfang an spezialisieren? Auf ein Medium oder einen bestimmten Bereich, z. B. Projektmanagement?
5. Im Internet über Datenbanken, z. B. www.medienstudienfuehrer.de, die passenden Studiengänge herausfiltern, Webseiten der Fachbereiche anschauen, Infomaterial schicken lassen, hinfahren, vor Ort mit Studenten und Dozenten sprechen, Schwerpunkte und Wahlmöglichkeiten klären.
6. Sich fragen: Wie ist die Anbindung an die Berufspraxis, welche Hilfestellung bietet die Hochschule, gibt es eine Praktikumsbörse, einen Career-Service?
7. Wie ist die technische Ausstattung? Wie viele Computer, Schnittplätze etc. gibt es? Sind diese auf dem neuesten Stand?
8. Wie viele Professoren lehren im Bereich Medien? Haben sie Kontakte in die Praxis?
9. Nach Berufsperspektiven erkundigen, nach Verbleibsstudien fragen: Was machen die Absolventen?

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Marion Schmidt / print

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.