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Media School: Nachwuchsstars made in Hamburg

Pioniergeist in Hamburg: Eine Medienschule neuen Typs öffnet am kommenden Montag ihre Pforten. Die Hamburg Media School will unter Einsatz aller technischen Medien den Führungsnachwuchs von morgen ausbilden.

Eine Medienschule neuen Typs öffnet am kommenden Montag ihre Pforten - die Hamburg Media School (HMS). Nach dem Zusammenbruch von New Economy und Internet-Dienstleistern brachte der Senat der Hansestadt inmitten der Medienkrise 2002 das ehrgeizige Projekt auf den Weg. An der HMS soll unter Einsatz aller technischen Medien der Führungsnachwuchs von morgen ausgebildet werden.

Die Bürde, für Renommee an dieser in Deutschland einzigartigen Schule zu sorgen, liegt zunächst auf den Schultern der ersten 16 Studierenden, die für Gebühren von 12.500 Euro jährlich noch einmal die Schulbank drücken. Sie wurden aus über 200 Bewerbern ausgesucht und mussten neben einem abgeschlossenen Studium gute Englischkenntnisse mitbringen.

Voneinander lernen und Hürden abbauen

"Die Herkunft unserer Studienanfänger im Alter von 25 bis 33 Jahren ist so heterogen wie die Branche: Sie haben Betriebswirtschaft, Operndramaturgie oder Literaturwissenschaften studiert. Auch Jungunternehmer sind darunter", berichtet HMS-Geschäftsführer Jan Henne De Dijn. "Sie spiegeln damit wider, was auch ein Ziel der HMS ist: voneinander zu lernen und die Hürden abzubauen, die zwischen den Kreativen und den Kaufleuten gerade in der Medienbranche manchmal wie zementiert wirken." Als Lohn nach zweijährigem Curriculum mit Inhalten wie Betriebswirtschaft und Medienethik, Presserecht und Projektarbeit winkt der Titel Medienmanager mit Master-Abschluss.

In seiner Gründungsarbeit überzeugte Henne De Dijn binnen eines Jahres mehr und mehr Vertreter der Branche vom Konzept des interdisziplinären Mediencampus. So hat sich eine illustre Schar im Förderverein versammelt: neben Verlagen wie Axel Springer, Bauer, Milchstrasse und Spiegel sind auch TV- und Filmproduzenten wie Studio Hamburg und die Trebitsch-Holding vertreten. Deren Aufnahmegebühr von je 25.000 Euro sowie ein jährlicher Mitgliedsbeitrag von 1.500 Euro sichern das HMS-Fundament. Die Stadt unterstützte das Unternehmen im Gründungsjahr 2002 mit einer Million Euro; für zwei Jahre ist die Finanzierung des Lehrbetriebs gesichert.

Über den eigenen Tellerrand hinausblicken

Der Beitritt des größten europäischen Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr löste in den Medien Spekulationen um die Zukunft der hauseigenen Henri-Nannen-Journalistenschule aus. "Wir wollen in den nächsten zwei Jahren nicht über einen Zusammenschluss, aber über mögliche Formen der Zusammenarbeit mit der Hamburg Media School nachdenken", sagte G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun dem "Spiegel".

Inhaltlich stimmt er mit dem HMS-Chef überein: Beide meinen, dass Journalisten vor dem Hintergrund der von der Medienkrise ausgelösten Veränderungen in der Branche über den eigenen Tellerrand hinausblicken müssen. "Warum soll ein zukünftiger Journalist nicht auch BWL-Kenntnisse erwerben und die MBA- oder Filmstudenten in Interviewsituationen frühzeitig ihren Umgang mit der Öffentlichkeit trainieren können?", meint Henne De Dijn. Er ist sich sicher, dass "der Bedarf an Führungskräften, die sicher in verschiedenen medialen Gattungen denken können, künftig sehr groß sein wird".

Almut Kipp, dpa

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