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Alcántara-Wechsel nach München: Bayerns teurer Nachwuchsstar

Pep Guardiola bekommt seinen Wunschspieler Thiago Alcántara - allerdings für mehr Geld als gedacht: Statt 18 müssen die Bayern 25 Millionen Euro an Barcelona überweisen. Schuld ist das Steuerrecht.

Von Alexander Sturm

Als Pep Guardiola Ende Juni seine erste Pressekonferenz in München gab, saß er zurückhaltend, fast demütig zwischen den mächtigen Bayern-Bossen. Es sei eine "Riesenehre", wenn der FC Bayern rufe, sagte er mit leiser Stimme - und beteuerte betont bescheiden, er müsse sich zu "100 Prozent den Spielern" anpassen: "Der Fußball gehorcht den Spielern, nicht dem Trainer".

Dass Guardiola in München ein bisschen mehr vorhat, als sich selbst auf den Bayer-Kader einzustellen, bewies er am vergangenen Donnerstag. "Thiago oder nix", forderte er selbstbewusst auf einer Pressekonferenz. Er brauche für die kommende Saison keine neuen Spieler - außer Thiago. Schon drei Tage später war der Wechsel perfekt: Am Sonntag verkündeten die Bayern den Wechsel des 22-jährigen Nachwuchstalents von Guardiolas Ex-Verein FC Barcelona an die Isar. Alcántara bekommt einen Vierjahresvertag bis 2017, nur der formale Medizin-Check steht dem Transfer noch im Weg. "Thiago Alcántara war der große Wunsch unseres neuen Trainers Pep Guardiola“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, „wir freuen uns, dass uns dieser große Transfer gelungen ist."

Peps Bruder half beim Blitz-Transfer

Mit Alcántara holt Guardiola einen alten Bekannten nach München: Der Kapitän der spanischen U-21 Nationalmannschaft spielt für den FC Barcelona seit seinem vierzehnten Lebensjahr. Ausgebildet in Barcas berühmter Nachwuchsschmiede La Masia gelang Alcántara 2009 der Sprung in die erste Elf, die damals von Guardiola trainiert wurde. Mit der Spielphilosophie des neuen Bayern-Coachs ist der 1,72 Meter große Nachwuchsspieler daher bestens vertraut - im Gegensatz zum restlichen Kader, dem Guardiola seine Idee von Fußball im Training erst noch einimpfen muss.

Alcántara sei ein großes Talent, das auf vielen Positionen spielen können, schwärmte Guardiola und "im Kopf schon sehr weit." Dass der Mittelfeldspieler dazu noch sehr torgefährlich ist, bewies er im Finale der U-21 Europameisterschaft gegen Italien (4:2). Mit drei Toren führte er Spanien zum Titel und wurde zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt. Um den dribbelstarken Nachwuchsspieler buhlten viele europäische Topclubs, darunter Manchester United. Ausschlaggebend für den Blitz-Transfer nach München dürften Guardiolas enge Beziehung zu dem 22-Jährigen sein: Alcántaras Manager ist Peps Bruder. Außerdem hofft Alcántara über seine Reservistenrolle beim FC Barcelona hinauszuwachsen, indem er seinem Entdecker nach München folgt. In Barcas Starensemble kam der Nachwuchsspieler in vier Jahren auf 68 Einsätze in der ersten Elf, allerdings oft nur als Einwechselspieler.

Viertteuerster Bayern-Transfer - und trotzdem günstig

An den vielversprechenden Neuzugang kamen die Münchner vergleichsweise günstig: In Alcántaras Vertrag ist eine Ablösesumme von gigantischen 90 Millionen Euro verankert; nur dank einer Ausstiegsklausel, die bis Ende Juli gilt, konnten die Münchner billiger zuschlagen. Laut der Klausel hätten die Bayern aber eigentlich "nur" 18 Millionen zahlen müssen - nun sind es 25 Millionen. Der Grund für den Nachschlag: Wäre Alcántara nach den Modalitäten der Ausstiegsklausel gewechselt, hätte er die 18 Millionen erst beim spanischen Liegaverband hinterlegen müssen, um sich das Geld danach von den Bayern erstatten zu lassen. Dann aber wären für ihn Steuern von über 50 Prozent fällig geworden - und die Münchner hätten noch mehr Geld bieten müssen. Daher einigte man sich auf einen Transfer außerhalb der Klausel und eine Ablösesumme von 25 Millionen Euro.

Von diesem Betrag müssen die Münchner aber nur 20 Millionen sofort zahlen, den Rest soll ein Freundschaftsspiel zwischen den beiden Clubs einspielen, das bis 2017 ausgetragen werden muss. Zudem soll Alcántara bei seinen Gehaltsvorstellungen herunter gegangen sein. Trotzdem zählt er mit seinen 22 Jahren schon jetzt zu den teuersten Neuzugängen in der Geschichte des FC Bayern: Nur Mario Gomez, Mario Götze und Javi Martinéz waren noch teurer.

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