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Ausbildungsabgabe: Erst 6.600 nachträglich versorgt

Trotz intensiver Bemühungen von Wirtschaft und Arbeitsämtern sind bisher erst 6.600 der 35.000 Ende September unversorgten Lehrstellenbewerber nachträglich vermittelt worden.

Trotz intensiver Bemühungen von Wirtschaft und Arbeitsämtern sind bisher erst 6.600 der 35.000 Ende September unversorgten Lehrstellenbewerber nachträglich vermittelt worden. Sie bekamen entweder eine Lehrstelle im Betrieb oder eine Ersatzausbildung an einer Schule. Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie das Handwerk warnten am Mittwoch die Regierungskoalition eindringlich vor einer Ausbildungsplatzabgabe und machten den Jugendlichen den Vorwurf, nur wenig an der Nachvermittlung interessiert zu sein. Nur 55 Prozent der Unversorgten seien der Einladung zu Beratungsgesprächen gefolgt.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben und Handwerks- Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer bezeichneten die Aktion dennoch als Erfolg. Von den Erschienenen hätten im Schnitt sieben von zehn Bewerbern ein Angebot für eine Ausbildung im Betrieb oder in der Schule erhalten. Schlechte Schulnoten, lange Fehlzeiten durch Schwänzen, Verhaltensstörungen oder "Drogenkarrieren" verhinderten aber oft die Vermittlung in anspruchsvolle Berufe. Die deutschen Schulen produzierten jährlich 90.000 Abgänger ohne Abschluss, sagten Wansleben und Schleyer. Dies sei ein gesellschaftlicher Skandal.

Nachvermittlung fortsetzen

Die von der SPD-Fraktion jetzt vorbereitete Ausbildungsabgabe wird nach den Worten der Wirtschaftsvertreter zu einer neuen "Steuer" führen, die vor allem Kleinbetriebe in Bedrängnis bringen werde. Lege man tatsächlich ein Prozent der Lohnsumme für eine Abgabe zu Grunde, würde dies zu einer Mehrbelastung von neun Milliarden Euro für die Wirtschaft führen. Man habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass bei Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und in der Regierung letztlich die Vernunft siegen werde, und die Abgabe gestoppt wird.

Ungeachtet der Probleme mit unwilligen Jugendlichen will die Wirtschaft die Nachvermittlung fortsetzen. Man hoffe, dass zum Jahresende die Zahl der Unversorgten in etwa der des Vorjahres entspreche, wo 12.359 Unversorgte registriert worden waren. Die Einführung einer Abgabe wäre angesichts dieser Zahl nicht nachzuvollziehen. Man habe den Eindruck, die Regierung wolle mit der Abgabe nur von den 4,4 Millionen Arbeitslosen ablenken.

Der Kanzler droht mit einem Gesetz

Die CDU/CSU-Vizefraktions-Vorsitzende Maria Böhmer warf der Bundesregierung vor, allein aus ideologischen Gründen auf einer Abgabe zu beharren. Die bemerkenswerten Bemühungen der Wirtschaft zur Schließung der Lehrstellenlücke würden ignoriert. Dagegen hält der neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, eine Ausbildungsplatzabgabe notfalls für geboten. Er hoffe aber, dass die Unternehmen selbst Vorschläge machten und deren Umsetzung auch sicherstellten, sagte der Landesbischof von Berlin-Brandenburg.

Der Bundeskanzler hatte am Vortag nach einem Gespräch mit den Spitzen der Gewerkschaften erneut ein Gesetz für eine Ausbildungsplatzabgabe angedroht, sofern die Unternehmen nicht mehr Auszubildende einstellten. DGB-Chef Michael Sommer hatte darauf verwiesen, dass trotz der Initiativen von Politik und Wirtschaft die Zahl der Lehrstellen immer noch nicht ausreiche. Die Bundesanstalt für Arbeit wird an diesem Donnerstag in Nürnberg einen Zwischenbericht zur Nachvermittlung vorlegen.