Auslaufmodell Letzter Vorhang für 0190-Nummern


Für 0190-Sexhotlines heißt es ab diesem Samstag: kein Anschluss unter dieser Nummer. Die durch Abzocke von Anrufern oder Internetnutzern in Verruf geratenen Nummern sind dann endgültig Geschichte.

Die Umstellung auf Zahlenkombinationen, die mit 0900 beginnen, erfolgte zwar bereits zu Jahresbeginn. Bislang gab es unter den 0190er-Nummern aber noch einen kostenlosen Hinweis auf die neue Nummerngasse. Mit dem 1. Juli entfällt auch diese. Doch nicht alle an Telefonsex oder telefonischen Kundendiensten interessierten Menschen in Deutschland werden tatsächlich unter den neuen Nummern durchkommen, da diese noch nicht aus allen Netzen erreichbar sind. So werden die Leitungen bei Kunden einiger City- und Regionalanbieter - etwa Versatel - bei einigen 0900-Nummern stumm bleiben. Die Firma arbeite aber mit Hochdruck an dem Problem, sagte eine Sprecherin. Bei Telecom-Italia-Tochter Hansenet sollen zumindest ab nächster Woche die Leitungen freigeschaltet sein.

2,5-Milliarden-Euro Markt

Hintergrund der Probleme sei, dass einige dieser Unternehmen sich noch nicht mit den Firmen geeinigt hätten, die die Anrufe bündeln und an die Service-Nummern weiterleiten, sagte Renate Neuhierl von der Mainzer dtms Deutsche Telefon- und Marketing-Services AG. Die dtms ist einer der Plattformanbieter über die Service-Nummern geschaltet und die Anrufe abgerechnet werden.

Experten schätzen das Marktvolumen von Auskunfts- und Service-Diensten (Mehrwertdienste) auf 2,5 Milliarden Euro jährlich - Tendenz steigend. Dabei stiegen die Umsätze mit 0900er-Nummern stärker als zuvor die Erlöse mit den alten 0190er-Nummern, sagte Neuhierl. Das hänge auch damit zusammen, dass viele der alten 0180-Nummern, bei der sich Anrufer und Angerufener die Kosten teilen, in 0900 umgewandelt würden.

Neue Bezahlsysteme

Galt bei 0190-Nummern je höher die Ziffer hinter der Null, desto höher die Gebühren, lässt sich das künftig nicht mehr an den Zahlen ablesen. Vielmehr zeigt die Endziffer bei den 0900-Nummern die Art der Dienstleistung an: die 0900-1 steht für Informationen, die 0900-3 für Unterhaltung, die 0900-5 vor allem für Erwachsenenunterhaltung und die 0900-9 für Interneteinwahlprogramme (Dialer).

Der Gesprächspreis kann sich während des Telefonats ändern, etwa wenn der Kunde eine umfangreiche persönliche Beratung wünscht. Dann muss allerdings eine neue Preisansage erfolgen. Servicenummern könnten auf diese Weise auch zum Bezahlen von Tickets oder der Freischaltung spezieller Internetseiten genutzt werden, erläutert Neuhierl. Bislang gelten aber Preisobergrenzen von zwei Euro je Gesprächsminute oder einmalig 30 Euro, was der Branche missfällt. "Eine Opernkarte ist nun mal nicht für 30 Euro zu haben", sagte Neuhierl.

Mehr Verbraucherschutz

Der Verbraucherschutz wird durch die 0900-Nummern verbessert. Anders als früher sind Nummern und die dazugehörigen Anbieter bei der Bundesnetzagentur registriert - und bei Beschwerden dingfest zu machen. In der Vergangenheit hatten schwer zu ermittelnde Briefkastenfirmen die Dienste in Verruch gebracht. Verbraucher können auch weiterhin bei 0900-Nummern auch einzelne Endziffern sperren lassen, etwa um Minderjährigen den Zugang zu Erotikangeboten zu verwehren. Bislang hielten sich die Anbieter an die Einteilung der Dienste entsprechend der festgelegten Endziffern, sagte Neuhierl.

Reuters Reuters

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