HOME

Baden-Würtemberg: Neue Bildungsstandards zwischen Main und Bodensee

Nach dem Pisa-Schock und dem monatelangen Streit zwischen Bund und Ländern über die Ganztagesschulen will Baden-Württemberg jetzt Vorreiter bei den Bildungsstandards sein.

Nach dem Pisa-Schock und dem monatelangen Streit zwischen Bund und Ländern über die Ganztagesschulen will Baden-Württemberg jetzt Vorreiter bei den Bildungsstandards sein. Als erstes Bundesland legte die CDU/FDP-Landesregierung vor wenigen Tagen die Ziele der neuen Bildungspläne für die 4176 Schulen zwischen Main und Bodensee vor.

Mit ihnen sollen zum Schuljahr 2004/05 auch die neuen Bildungsstandards Einzug in Klassenzimmern und Lehrerkollegien halten. Dann startet auch flächendeckend das 8-jährige Gymnasium. Schon im Schuljahr 2003/2004 soll bereits ab Klasse 1 eine Fremdsprache - Französisch oder Englisch - unterrichtet werden.

Kein Gegensatz zu nationalen Bildungsstandards

Obwohl an der genauen Ausgestaltung der neuesten Standars derzeit noch gearbeitet wird, steht für Kultusministerin Annette Schavan (CDU) fest: «Es gibt keinen Gegensatz zu den vereinbarten nationalen Bildungsstandards.» Sie betont: Diese «sollen dazu beitragen, das Leistungsgefälle zwischen den Ländern zu verringern.» Baden- Württemberg will dem besonders differenzierten eigenen Schulwesen gerecht werden, das sich in zahlreichen Punkten von dem anderer Länder unterscheidet.

Das Bundesland verabschiedet sich dann von den in Jahrzehnten auf zuletzt 974 Seiten angewachsenen Bildungsplänen. Künftig soll es keine detaillierten Vorgaben für die Lerninhalte mehr geben. Stattdessen werden Unterrichtsziele beschrieben, die Schüler erreichen sowie Kompetenzen, die sie erlangen sollen.

Neue Bildungspläne

Der zuletzt 1994 überarbeitete Bildungsplan für die Grundschule in Mathematik gab als Inhalte Arithmetik, Geometrie, Größen und Sachrechnen vor. Von 2004 an sollen die Leitideen Zahl, Messen und Größen, Raum und Ebene, Muster und Strukturen, Daten und Sachsituationen vermittelt werden. Neu ist, dass die Schüler befähigt werden, in ihrer Umgebung beispielsweise an Häusern oder Kirchen Strukturen und Phänomene zu entdecken und sie miteinander in Beziehung zu setzen.

Anstelle von Zahlenstrahl oder Tabellen könnten die Lehrer im Unterricht zum Beispiel auch auf magische, heilige Zahlen eingehen und damit die Verbindung zu anderen Fächern wie Geschichte oder Gemeinschaftskunde herstellen. Im Deutschunterricht in der Hauptschule soll unter anderem das von vielen Kindern gefürchtete Diktat vom eigenverantwortlichen Schreiben abgelöst werden. Sie sollen lernen, Fehler zu vermeiden.

Deutsch soll dann auch Leitfach für die informationstechnische Grundbildung werden. Das heißt, die Schüler lernen von Klasse 5 an, Texte am PC zu schreiben und zu bearbeiten, Informationen aus dem Internet zu holen und vor allem auch zu bewerten.

Orientierungshilfe

Politisch umstritten bleibt jedoch, warum die Bildungsstandards im Land auf die jeweilige Schulart zugeschnitten werden. Schavan argumentiert, das gegliederte Schulwesen gebe Orientierung und ermögliche unterschiedliche Zugangsweisen auf die Lerninhalte. SPD und Grüne halten dem Siegerländer der Schülerleistungsstudie Pisa wie Finnland entgegen, wo alle Schüler über mehrere Klassenstufen hinweg gemeinsam unterrichtet werden.

DPA

Wissenscommunity