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Beruf: Bald fehlen 74.000 Lehrer

Bis zum Jahr 2015 werden nach Angabe der Kultusministerkonferenz 74.000 Lehrer fehlen. Mit einer Kampagne wirbt sie nun für das Lehramtsstudium.

Deutschland steht vor einem dramatischen Lehrermangel. Nach einer Modellrechnung der Kultusministerkonferenz (KMK) werden bis zum Jahr 2015 rein rechnerisch noch rund 74.000 Lehrer gebraucht. In diesem Zeitraum stehen für 371.000 freie Stellen an allgemein bildenden und Berufsschulen nur 297.000 Referendare zur Verfügung. Mit einer groß angelegten Kampagne unter dem Titel "Bildung - unser Ticket in die Zukunft" rührt die KMK deshalb bundesweit die Werbetrommel für das Lehramtsstudium.

Die Modellrechnung geht allerdings davon aus, dass die Lehrer mit unterschiedlicher Ausbildung überall einsetzbar wären, was in der Praxis nicht der Fall ist. Vor allem im Sekundarbereich I und bei den Berufsschulen werden Lehrer fehlen. Bei den einzelnen Fächern wird es den größten Mangel in den mathematischen sowie in den naturwissenschaftlich-technischen Bereichen geben. An den Berufsschulen werden Lehrer sowohl für die ingenieurwissenschaftlichen Fächer als auch für Wirtschaft, Verwaltung und Recht gesucht.

Pensionswelle in den kommenden Jahren

Wesentlicher Grund für den großen Bedarf ist die Tatsache, dass jetzt und in den kommenden Jahren viele Lehrer in Pension gehen, die zu einer Zeit eingestellt wurden, als noch die geburtenstarken Jahrgänge zur Schule kamen. Eine weitere Ursache liegt offenbar in der gesunkenen Attraktivität des Lehrerberufs. Vor allem Studierende der naturwissenschaftlichen Fächer an den Hochschulen entscheiden sich eher für die Wirtschaft als für ein Lehramt: Allein in Thüringen gab es vor zehn Jahren noch etwa 200 Lehrer-Absolventen pro Jahr, jetzt sind es nur noch 20, wie das Kultusministerium in Erfurt mitteilte.

Wegen der zurückgehenden Schülerzahlen im Osten gibt es zwischen den alten und neuen Bundesländern allerdings gravierende Unterschiede beim künftigen Lehrerbedarf. So geht aus einer Dokumentation der KMK hervor, dass in Westdeutschland der Bedarf an neuen Lehrkräften im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren noch sehr hoch sein wird.

In den 15 Jahren von 1986 bis 2000 wurden dort rund 13.000 Lehrkräfte pro Jahr in den öffentlichen Schuldienst eingestellt. In den 15 Jahren von 2001 bis 2015 wird der Bedarf dagegen mehr als 25.000 pro Jahr betragen. Der Einstellungsbedarf soll noch einmal ansteigen und bereits im Jahr 2004 mit knapp 31.000 seinen Höhepunkt erreichen. Danach wird er tendenziell bis auf 21.000 Lehrer im Jahr 2015 abnehmen.

Lehrer auf Teilzeit

In den neuen Ländern war der Einstellungsbedarf gegen Ende der 90er Jahre auf Grund sinkender Schülerzahlen sehr gering. Schulen mussten geschlossen werden, was mit Stellenabbau verbunden war; viele Lehrer erhielten Teilzeitverträge. Mitunter reduzierte sich der Lehrergesamtbedarf so stark, dass trotz Abgängen von Lehrkräften aus dem Schuldienst - von Mangelfächern abgesehen - keine Neueinstellungen nötig waren.

Daran wird sich zunächst wenig ändern. Wie aus der KMK-Dokumentation hervorgeht, ist erst ab 2007 mit einem steigenden Bedarf an neuen Lehrkräften zu rechnen. Dieser wird im Jahr 2015, in dem rund 4.500 Lehrkräfte in den neuen Ländern eingestellt werden müssen, seinen Höhepunkt erreichen. So kommt es, dass beispielsweise in einem Land wie Thüringen, in dem tausende Lehrerstellen in den vergangenen Jahren abgebaut wurden und noch heute zwei von drei Lehrern in Teilzeit arbeiten, ebenfalls eine Werbekampagne für den Lehrerberuf gestartet wurde. Schirmherrin des Projekts ist Katharina Althaus, die Frau des CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus.

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