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J. Peirano: Der geheime Code der Liebe: "Mein Partner bekommt keine Erektion - ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll"

Antonia hat einen tollen Partner, doch im Bett klappt es einfach nicht. Eine frustrierende Situation für beide - und ein Teufelskreis. Wie können Antonia und ihr Partner daraus ausbrechen?

Erektionsstörung: Problem in der Beziehung

Erektionsstörung - ein Problem in der Beziehung

Getty Images

Liebe Frau Peirano,

Ich habe nach langjähriger unglücklicher Beziehung vor drei Jahren meinen Traummann gefunden (einfühlsam, keine Altlasten, liebevoll, hilfsbereit, fair, großzügig…). Das einzige Problem ist, dass es im Bett von seiner Seite aus nicht klappt. Er bekommt oft keine Erektion, oder wird nicht hart genug, und wenn es doch klappt, kommt er sehr früh, so dass es für mich nicht befriedigend ist. Ich hatte noch nie einen Orgasmus mit ihm. Mein Partner ist eigentlich ein sehr selbstbewusster, optimistischer Mann, aber wenn es dann im Bett mal wieder nicht geklappt hat, ist er sehr verzweifelt. Wir kriegen dann doch die Kurve, stehen auf und machen etwas Alltägliches zusammen, und die Stimmung ist dann schnell wieder ok. Wir haben auch schon öfter darüber geredet, kommen aber zu keiner Lösung.

Ich weiß auch nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich will ihn nicht drängen, aber ich bin auch sehr unbefriedigt. Ich stehe leider am meisten auf Penetration. Oralsex oder mit der Hand sind für mich nur halbe Sachen. Mittlerweile strahle ich das auch aus, dass ich Lust auf guten Sex hätte, denn ich bekomme manchmal sehr eindeutige Angebote von anderen Männern (die ich natürlich zurückweise).  Ich wünsche mir einfach nur, dass wir in der Sexualität die Erfüllung finden, die wir sonst miteinander haben.

Zu seiner Geschichte: Er war lange allein (6 Jahre ungefähr) und hatte nur sehr selten Sex. Da es dann auch schwierig war, ist es nie zu einer längeren Beziehung gekommen.

Ich hoffe, Sie können mir helfen.

Liebe Grüße,

Antonia B.

Liebe Antonia B.,

Es ist sehr belastend für ein Paar, wenn die Sexualität nicht entspannt und befriedigend ist. Ihr Partner macht aus Ihrer Schilderung den Eindruck, als wenn er Ihnen insgesamt ein guter Mann und Partner sein möchte, auch im Bett, und als wenn ihm das vor lauter Anstrengung nicht gelingt. In allen anderen Bereichen des Zusammenlebens kann er mit seiner Aufmerksamkeit und seinen Bemühungen um Sie punkten: im Haushalt Aufgaben erledigen, Ihnen zuhören und Sie verstehen, mit Ihnen schöne Dinge unternehmen, Blumen mitbringen, auf Sie eingehen usw. 

Im Bett klappt genau dieses Prinzip nicht, etwas zu sehr zu wollen und zu sehr auf die Bedürfnisse der Partnerin einzugehen. Es würde ihm hier gut tun, etwas mehr auf seine eigenen Wünsche zu hören und etwas egoistischer zu sein. Wahrscheinlich kann er das nicht, oder nicht mehr.

Und genau hier ist ein Teufelskreis entstanden: Ihr Partner hat in den Jahren ohne eine feste Partnerin wahrscheinlich Unsicherheiten entwickelt, was seine Sexualität betrifft. Wenn er dann eine Frau getroffen hat, wollte er es besonders gut machen und hat sich so unter Druck gesetzt, dass a) er seiner Erektion geschadet hat und b) dann zu früh gekommen ist, weil der Druck ihm körperlich das falsche Signal gesetzt hat, und zwar: Du musst schnell kommen, du stehst unter Druck, du hast keine Zeit. Die vorherigen Partnerinnen haben ihm daraufhin wahrscheinlich signalisiert, wie unbefriedigend der Sex mit ihm war, weswegen er noch unsicherer geworden ist und sich noch mehr Druck gemacht hat.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie ihm signalisieren, dass Sie ihn lieben und bei ihm bleiben (wenn das Ihre Absicht ist), und dass Sie die Sexualität mit ihm so akzeptieren und die Nähe zu ihm genießen, weil ER es ist. Auch wenn Sie sich natürlich eine andere, sicherere und lustvollere Sexualität wünschen, ist es erstmal sehr wichtig, ihm Sicherheit zu vermitteln. Auch die Sicherheit, dass Sie ihn nicht verlassen oder betrügen. Sonst macht er sich noch mehr Druck.

Ihr Partner braucht professionelle Hilfe, weil er alleine nicht aus dem Teufelskreis herauskommt. Es gibt zwei Wege, die man optimalerweise kombinieren kann. Zum Einen könnte er zu einem Sexualtherapeuten oder einer Sexualtherapeutin gehen und lernen, wie er den Druck herausnimmt und sich in seinem Körper wohler fühlt. Dort lernt er Atemübungen und übt, sich langsam und lustvoll selbst zu befriedigen, was eine Grundlage für erfüllten Sex mit Ihnen ist.

Zum Anderen wäre es bestimmt sehr hilfreich, wenn er zu einem Urologen geht. Oft können Urologen Medikamente verschreiben, die Erektionen unterstützen, aber deutlich weniger Nebenwirkungen haben als z.B. Viagra. Wenn Ihr Partner mit Hilfe dieser Medikamente erlebt, dass auf seine Erektionen mehr „Verlass“ ist, kann ihm das auf einer körperlichen Ebene mehr Selbstvertrauen geben. Es ist möglich, dass er trotzdem beim ersten „Mal“ an einem Tag anfangs früh kommt, aber dann beim zweiten Mal länger mit Ihnen schlafen kann. Und durch diese positiven Erfahrungen wird er dann entspannter, so dass sich das Problem mit der Zeit legen kann.

Es ist möglich, dass Sie beide sexuell ganz neu anfangen müssen oder können, also sozusagen jetzt erst den Frühling Ihrer Beziehung erleben. Dazu ist es wichtig, dass Sie sich Zeit lassen, den Druck herausnehmen, entspannte Rahmenbedingungen schaffen (Tageszeit, Ort, Kerzen, Musik…), sich in Ruhe massieren und streicheln und einander sagen, was Sie gerne mögen. Vielleicht gibt es auch andere sexuelle Techniken, die Ihnen außerhalb der Penetration Befriedigung verschaffen? Oder Hilfsmittel, die erstmal auch für Ihre Befriedigung sorgen und die Sie zusammen einsetzen können? Und wenn es Rückschläge gibt: Bleiben Sie so locker und entspannt wie möglich. Erinnern Sie sich und ihn an die schönen Erfahrungen mit ihm und daran, dass es voran geht.

Ihr Partner wird nach der problematischen Zeit viel positives Feedback von Ihnen brauchen, und je deutlicher Sie ihm zeigen, was Sie mögen, desto lockerer wird er voraussichtlich werden.

Ich kann gut verstehen, dass Sie lange auf befriedigenden Sex verzichtet haben und Ihnen langsam die Geduld ausgehen. Aber machen Sie sich klar, dass Ihr Partner es nicht komplett selbst in der Hand hat. Je weniger Druck er sich macht (und er von Ihnen verspürt), desto schneller wird er wieder lockerer, und davon profitieren Sie beide.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie beide den Weg zu einer erfüllten, gemeinsamen Sexualität finden.

Herzliche Grüße, Julia Peirano


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