Deutsche Bahn Mehdorn macht Kasse


Die Deutsche Bahn erhöht ab Januar die Preise. Wie Kunden dennoch billig reisen - zumindest für kurze Zeit.

Es ist ein gutes Jahr für die Deutsche Bahn. Sie hat 2006 über 40 Millionen Reisende hinzugewonnen. Nun verprellt sie ihre Kundschaft wieder: Zum 1. Januar steigen die Ticketpreise im Fernverkehr im Schnitt um 5,6 Prozent, der Nahverkehr wird 3,9 Prozent teurer. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, kann man Hartmut Mehdorn unterstellen. Denn noch vor neun Wochen hat der Bahnchef bei der Präsentation der Halbjahreszahlen in Frankfurt beteuert: "Fahrpreiserhöhungen stehen zurzeit nicht auf dem Programm."

In der Zwischenzeit scheint ihm aufgefallen zu sein, dass die Preise für Energie stark gestiegen sind, womit er nun die Tarifanhebung begründet: "Strom plus 40 Prozent, Öl plus 30, Diesel plus 40", rechnet der Bahnchef seiner Kundschaft vor. Reichlich dick aufgetragen. Schaut man ins Zahlenwerk des Statistischen Bundesamtes, zeigt sich, dass der Strom für Sondervertragskunden - zu denen die Bahn gehört - zwischen der letzten Tariferhöhung der Bahn im Dezember 2005 und August 2006 nur um 7,3 Prozent teurer geworden ist. Diesel stieg im gleichen Zeitraum um 5,6 Prozent. Der Ölpreis ist in der letzten Zeit sogar wieder stark gefallen. Die Lufthansa senkte deswegen gerade erst den Treibstoffzuschlag.

Kein Wunder, dass Bundesländer wie Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Sachsen gegen Mehdorns Pläne protestieren. Im Regionalverkehr muss sich die Bahn die Tarife von den Länderchefs genehmigen lassen. Die Länder bekommen jährlich sieben Milliarden Euro vom Bund, dafür kaufen sie Leistungen im Regionalverkehr bei der Bahn ein.

Es wird aber bei den Protesten bleiben, denn verhindern können die Länder den Anstieg - wie schon die anderen fünf Preisanhebungen während Mehdorns Amtszeit - nicht. Die Pläne der Bahn werden nur formal geprüft. Ob sie wirtschaftlich begründet sind, hat die Länderchefs nicht zu interessieren. Im Fernverkehr darf die Bahn die Preise sowieso selbst festlegen.

Die Bilanz von Mehdorns bisheriger Amtszeit ist für die Kunden kostspielig. Seit seinem Antritt im Dezember 1999 ist das Reisen immer teurer geworden. Zahlte man 2000 noch 1,53 Euro für eine Zehn-Kilometer-Fahrt im Nahverkehr, kostet die gleiche Strecke im nächsten Jahr 1,87 Euro - ein Anstieg von 22 Prozent.

Zugleich hat der Bahnchef den Gewinn in die Höhe getrieben: von 450 Millionen auf 1,35 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Und 2006 dürfte einen neuen Rekord bringen. Nicht zuletzt aufgrund des Gewinns im Personenverkehr, der im ersten Halbjahr 2006 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 38 Prozent auf 464 Millionen Euro gestiegen ist. Zudem haben sich die Vorstandsbezüge seit 1999 von 3,7 auf 14,7 Millionen Euro vervierfacht. Die Zahlen seien nicht vergleichbar, heißt es hierzu bei der Bahn.

Da fragen sich die Kunden, warum der Bahnchef ihnen wieder einmal in die Tasche greift. Der Verdacht: Mehdorn hat nicht die Reisenden, sondern mögliche Investoren im Blick. Seit Jahren verfolgt er ein Ziel, mit dem er seine Amtszeit krönen will: Die Bahn soll an die Börse. Da macht sich eine propere Bilanz ganz gut, und Mehdorn poliert sie mit Erfolg.

Die Kundschaft bleibt auf der Strecke und hat nur wenig Chancen zum Sparen. "Man kann den Preisschock herauszögern", sagt Daniel Kluge vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Motto: Zahle heute, reise später. Bis zum 31. Dezember gelten die alten Preise - auch für Tickets im nächsten Jahr. Allerdings können Fahrscheine maximal drei Monate vor Fahrtantritt gekauft werden. Am 31. März wird es also die letzte Reise zu den günstigeren Konditionen geben.

Kompliziert wird der vorausschauende Kauf durch den Fahrplanwechsel Anfang Dezember. Dadurch können zurzeit nur Tickets bis zum 9. Dezember gekauft werden. Ab 1. November ist es wieder möglich, Fahrscheine mit dreimonatiger Vorlaufzeit zu erwerben.

Joachim Reuter<br/>Mitarbeit: Axel Hildebrand print

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