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Energie-Website: Energie verstehen mit Minister Glos

Das Wirtschaftsministerium hat ein neues Verbraucherportal rund um das Thema Energie vorgestellt. Das glänzt zwar mit umfangreichem Hintergrundwissen, bietet aber an vielen Stellen weniger als die private Konkurrenz. Verbraucherschützer sind dennoch zufrieden.

Von Marcus Müller, Berlin

Energie ist ein Megathema – was kostet sie, wie kann man sie einsparen, wo kommt sie in Zukunft her? Der Verbraucher spürt die wachsende Problematik immer deutlicher am eigenen Portemonnaie. Grund genug offenbar auch für das Bundes-Wirtschaftsministerium, sich des Themas anzunehmen. Recht programmatisch unter der Adresse www.energie-verstehen.de kommt das Portal aus dem Hause von Minister Michael Glos (CSU) daher.

In die vier Haupt-Rubriken Energiemix, Strompreise, Anbieterwechsel und Stromsparen hat das Ministerium das Thema gegliedert. Kurioserweise jeweils unter einem wechselnden Porträt von Minister Glos werden die politischen Ziele dargestellt.

Bürokratendeutsch versus Verbraucher

Das „Hintergrundwissen“ steigt dabei tief in die Materie ein, sei es bei der Zusammensetzung der Strompreise, wo eine Grafik deutlich macht, dass der dritt- und viertgrößte Posten am Preis die Mehrwert- und die Stromsteuer sind. Oder es erklärt, wie die Interessen neuer Stromanbieter vertreten werden. Ist beim ersten Beispiel die gezeigte Grafik noch hilfreich, zeigt das zweite Beispiel einen der Schwachpunkte des Portals: Es strotzt zum Teil vor Bürokratiesprech.

Zur Frage, „Wer vertritt die Interessen der neuen Anbieter?“, heißt es etwa: „Der Gesetz- bzw. Verordnungsgeber schafft die erforderlichen Rahmenbedingungen, damit neue Anbieter ungehinderten und diskriminierungsfreien Netzzugang erhalten.“ Für solche Hinweise braucht es das Portal bestimmt nicht.

An anderer Stelle beginnt die Antwort auf die Frage, "Wie funktioniert der Strommarkt?", mit: "Der liberalisierte Energiemarkt beschreibt den Markt der leitungsgebundenen Energieversorgung mit Strom und Erdgas durch die Energieversorgungsunternehmen, bei dem möglichst viele Teile der Lieferkette dem freien Wettbewerb unterliegen." Aha. Das dürfte eher nicht so verbraucherfreundlich sein.

Verbraucherzentralen sind zufrieden

Das Selbstlob von Minister Glos bei der Vorstellung der Seite, "wer das nutzt, ist ab sofort ein Energie-Versteher", dürfte da doch etwas zu forsch sein. Denn so gut die Seite für theoretisches Wissen sein mag, allzu konkret darf es an manchen Stellen auch gar nicht werden. So wird - bisher aus rechtlichen Gründen - nicht fündig, wer etwa den günstigsten Stromanbieter in seiner Stadt sucht. Auch wird nur lapidar darauf verwiesen, dass im Internet "eine Reihe von Stromrechnern zur Verfügung" stehen. Links dahin - Fehlanzeige.

Gleichwohl schätzt der Energiereferent des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Thorsten Kasper, die Seite als gelungen ein. Zwar möge sich der Hinweis zum Stromsparen zu Hause, "Die beste Energie ist die, die nicht verbraucht wird", zunächst banal anhören. Es sei aber doch nötig, auch das immer mal wieder zu erwähnen, sagt Kasper. Das Portal, an dem der Verbraucherzentralen-Bundesverband seinen Angaben zufolge nicht beteiligt war, auf den aber verlinkt wird, sei übersichtlich und informativ. "Die Seite bietet das Wesentliche. Ich finde sie gelungen", sagt Kasper.

Glos betonte bei seiner hauptsächlich vom Blatt abgelesenen Vorstellung des Portals, dass sein Ministerium mit dem neuen Web-Angebot zur Versachlichung der Energie-Debatte beitragen wolle. Natürlich bezieht sie aber klar Stellung. Aus der Antwort zur Frage "Geht es ohne Kernenergie?" wird eindeutig klar, dass die Union und Glos rein gar nichts vom Atomausstieg halten. Aber es wird mit ministerieller Zurückhaltung argumentiert, auch wenn Atomkraftgegner die Sache mit den angeblich geringen Kosten der Kernenergie etwas anders sehen als die Befürworter.

Der Minister beliebt zu scherzen

Weitere echte Sprach-Perlen für Energie-Laien sind die "Top-Dokumente", auf die verlinkt wird, wie etwa die "Kraftwerksnetzanschlussverordnung (KraftNav)" oder die "Verordnung über die Anreizregulierung der Energieversorgungsnetze". Das dürfte dann doch her etwas für Profis sein, die sich auch von solchen Wortungetümen nicht abschrecken lassen.

Das Bundesumweltministerium wollte die Seite gegenüber stern.de nicht kommentieren. Vielleicht ein Hinweis auf das seit Jahren grantelige Verhältnis zwischen Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und Wirtschaftsminister Glos. So ließ sich der Wirtschaftsminister es am Dienstag auch nicht nehmen, an einer Stelle Gabriel "abseitige" Vorstellungen vorzuwerfen.

Zum Streit über die kürzlich verschobene Umstellung der KFZ-Steuer von Hubraum auf Kohlendioxid-Ausstoß sagte Glos, dass dies nicht im Schnelldurchgang gehe. Dies ist insofern komisch, als darüber bereits seit Jahren debattiert wird und nach einhelliger Beobachter-Meinung Glos sich dabei in letzter Sekunde querstellte. Ohnehin war der Minister aber zum Scherzen aufgelegt. Seinem Bonmot von der Web-Seite für die Energie-Versteher fügte er an: "Das hat nichts mit Warmduscher zu tun."

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