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Finanzkrise: Was Banken Anlegern jetzt raten

Was empfehlen Bankberater, wenn man in diesen turbulenten Zeiten 10.000 Euro anlegen möchte? stern.de hat sich anonym beraten lassen. Ergebnis: Die Finanzkrise hat die Banken vorsichtig werden lassen - und hält einige trotzdem nicht davon ab, weiter auf Aktien zu vertrauen.

von Anika Jurkuhn

Die Finanzkrise trifft nicht nur Banken und Großaktionäre: Auch Kleinanleger haben Geld verloren. Viele Bankkunden sind angesichts der ständig neuen Schreckensmeldungen verunsichert. stern.de wollte wissen: Was raten Banken und Sparkassen einem Neukunden, der mitten in der Finanzkrise Geld anlegen möchte? Die Vorgabe: Eine Studentin hat 10.000 Euro zur Verfügung, die sie von ihren Eltern zum Studienabschluss geschenkt bekommt. Das Geld soll für zwei bis drei Jahre oder länger angelegt werden.

Die anonymen Beratungen bei vier verschiedenen Bankhäusern zeigen: Insgesamt sind die Berater angesichts der Finanzkrise vorsichtig geworden. Doch nicht alle setzen auf Sparkonten und Festgeld - einige raten auch zum Aktienkauf.

Commerzbank

"10.000 Euro wollen Sie anlegen?" Die Dame am Empfang der Commerzbank kann sofort einen Gesprächstermin mit einem Kundenberater im ersten Stock anbieten. Hier ist es hell und ruhig, die anderen zwei Mitarbeiter führen gerade kein Beratungsgespräch. Der junge Mann im rosa Hemd bietet die Eröffnung eines Spar- oder Tagesgeldkontos an, empfiehlt dann jedoch wärmstens den offenen Immobilienfonds als die gewinnbringendere, ebenso sichere Möglichkeit: Mit der Finanzkrise hätten diese gewerblichen Immobilien nichts zu tun. Seine Begeisterung für den Fonds macht ein Einhaken schwierig. Und wenn die Commerzbank pleite geht - wie sicher ist das Geld denn überhaupt? "Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen: Uns wird es schon noch geben in ein paar Jahren", sagt er lächelnd. "Wir sind sehr gut aufgestellt - auch besser als eine Haspa, würde ich behaupten. Wir haben ja auch gerade erst die Dresdner Bank übernommen". Durch den gesetzlichen Einlagenschutz und den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken seien die Kunden ausreichend abgesichert. "Und dann gibt’s ja noch das Wort von Frau Merkel".

"Wir sind da ehrlich"

Wie es mit Aktien aussähe? Er lächelt etwas verkrampft. "Wir sind da ehrlich - wir können nicht abschätzen, was weiter passiert. Deswegen rate ich Ihnen davon ab, einzelne Aktien oder Aktienfonds zu kaufen". Dann rückt er aber doch mit einer konkreten Empfehlung raus: Er stellt einen Rohstoff-Fonds vor, den er "persönlich sehr interessant" findet. Auf Anfrage druckt er auch Informationen über einen asiatischen Fonds aus.

Seine abschließende Empfehlung: Die Hälfte des Betrags in Immobilienfonds oder auf dem Sparkonto sicher anlegen, die andere Hälfte in Fonds investieren - jedoch nur mit einem speziellen Management System, das die Commerzbank anbietet: Experten beobachten die Entwicklungen an der Börse genau und investieren "scheibchenweise" in vielversprechende Fonds. Der Gesprächsabschluss wirkt wenig verbindlich, ein zweites Gespräch wird nur locker vereinbart.

Haspa

Um die Mittagszeit gleicht die Haspa-Filiale einem Taubenschlag. Der Mitarbeiter, der seine Hilfe anbietet, bedauert: Alle Berater seien ausgebucht. Weil ein Kunde nicht zum Termin erscheint, ist dann doch eine kurzfristige Beratung möglich. Weil es hier statt eines separaten Beratungsraums nur Trennwände gibt, kommt keine ruhige Gesprächsatmosphäre auf. Hektisch wie das Umfeld wirkt auch der Berater: Er spricht, als habe er seine Antworten schon etliche Male heruntergerasselt. Mit seinen Ratschlägen ist er sehr vorsichtig und empfiehlt angesichts der Finanzkrise von vornherein nur "sichere Anlagen": Sparbücher, Inhaberschuldverschreibungen, Schatzbriefe. Bei Aktien lautet sein Rat: Finger weg - vor allem, wenn man das Geld nicht für mindestens vier oder fünf Jahre anlegen will. "Wenn Sie das Geld übrig haben, können Sie natürlich zocken". Selbst bei Immobilienfonds - von anderen Beratern als sicher dargestellt - könne man bei der derzeitigen Lage nicht sicher sein.

"Die Haspa geht nicht pleite"

Ist denn das Geld bei der Haspa überhaupt sicher? "Die Haspa geht nicht pleite, hier sind Sie 100-prozentig sicher - das können Sie auch schriftlich haben", sagt er bestimmt. Er kopiert ein Informationsblatt über Einlagensicherung bei der Haspa. Kurze Zeit später lenkt er ein: Ein gewisses Risiko gebe es natürlich immer - aber es sei doch sehr unwahrscheinlich, dass die Haspa pleite geht.

Auf die Frage, welche Aktien erfolgversprechend seien, will er nicht antworten: "Dazu sage ich nichts. Wenn Sie in Aktien investieren wollen, können Sie das gerne machen - dann aber ohne Beratung" sagt er und lächelt amüsiert. Wenn überhaupt, soll nur ein kleiner Teil des Vermögens in Aktien fließen. Es sei eine "blöde Zeit, um zu investieren", die Finanzkrise schätzt er als sehr gravierend ein. Zwar scheint der Berater keine falschen Versprechungen machen zu wollen, der Kunde bleibt jedoch etwas ratlos zurück.

Deutsche Bank

Dem Berater von der Deutschen Bank ist anzumerken, dass ihm eine spontane Beratung nicht behagt: Er möchte sich möglichst detailreich auf das Gespräch vorbereiten, vereinbart einen Termin für den Nachmittag. Die dunklen, edlen Möbel in dem separaten Beratungsraum verströmen Seriosität. Der ältere Herr im gelben Sakko bemüht sich, möglichst viele persönliche Informationen zu sammeln, fragt nach dem Studiengang und möchte mehr darüber wissen, was mit dem Geld später passieren soll. Zur Beratung will er gleich Daten in den Computer eingeben: "Das ist dann schon so etwas wie eine Kontoeröffnung."

Gute Zeit, um in Aktien zu investieren

Im Gegensatz zum Haspa-Berater glaubt er: Es sei eine gute Zeit, um in Aktien zu investieren. In Krisenzeiten kaufe man schließlich. Er rät nicht zum Sparkonto, sondern empfiehlt Fonds und Zinsanleihe. Ob das denn sicher sei? "Das sind beides sehr vernünftige Anlageformen". Bei der Zinsanleihe stehe schließlich die Deutsche Bank dahinter und bei dem Fonds müsse man lediglich mit Kursschwankungen rechnen. Er sei jedoch sicher durch Risikostreuung: "Selbst wenn eine Bank aus dem Fonds pleite geht, merken Sie das nicht".

Wie lange die Finanzkrise noch dauert, wüsste er auch gerne - in den Medien werde jedoch ein sehr schwarzes Bild gemalt: "Mit 1929 hat das nichts zu tun." Zur weiteren Information gibt er eine dicke Broschüre über Wertpapiere mit. In etwa zwei Wochen soll ein detailliertes Gespräch stattfinden, das der Berater gerne verbindlich vereinbaren will. Er fragt noch zweimal nach, ob er sich wirklich nicht melden soll.

Citibank

In der Citibank wird schon Halloween gefeiert: Überall hängen lachende Papp-Kürbisse und fröhliche Gespenster-Sticker - auch in dem Beratungsraum, den n-tv mit den neuesten Informationen zur Finanzkrise beschallt. Trotz des laufenden Fernsehers und der anderen Beratungsgespräche wirkt die Atmosphäre in dem großen Raum entspannt. Die junge Beraterin bietet Kaffee an. "Wir führen zurzeit ständig Gespräche, viele Kunden sind verunsichert" sagt sie.

Übernahme durch Crédit Mutuel ändert nichts

Zu Beginn des Gesprächs möchte sie über die Citibank informieren: Die Übernahme durch die französische Bank Crédit Mutuel ändere für die Kunden nichts. Da die Crédit Mutuel eine Genossenschaftsbank sei, sei es für die Kunden sogar noch sicherer als vorher. Sie möchte zur Beratung direkt den Personalausweis sehen und Daten aufnehmen: "Eine allgemeine Beratung bringt Ihnen nichts. Schließlich wollen wir für Sie das Angebot finden, das genau zu Ihnen passt." Ein paar allgemeine Tipps gibt es auf Nachfrage trotzdem. Ähnlich wie der Berater der Commerzbank rät sie bei einer Laufzeit von bis zu drei Jahren von Aktien ab, "denn dann müssen Sie das Geld vielleicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt rausnehmen - so wie jetzt".

Wenn der Kunde absolute Sicherheit wolle, könne sie nur konservative Sparmöglichkeiten wie Festgeld oder Immobilienfonds anbieten. "Wirtschaft ist immer Risiko". Auf die Frage, ob ein Aktienkauf sinnvoll sei, will sie sich nicht festlegen: "Das hängt davon ab, ob Sie meinen, dass die Kurse steigen oder fallen". Das könne jedoch niemand sagen. Wer wenig Ahnung von Wertpapieren habe, solle besser nur einen kleinen Teil in diese stecken. Wie sicher Inhaberschuldverschreibung sei, hänge vom Emittenten ab: "Wenn die Bundesregierung dahinter steht, ist es sicher". Sie möchte am liebsten einen zweiten, verbindlichen Termin vereinbaren. Zum Schluss fragt sie etwas verunsichert, was die anderen Banken geraten haben.

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