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Sankt-Martins-Umzüge abgesagt: Ärger in Fürth: Laternen-Kinder müssen Pegida weichen

Eigentlich wollten drei Kinderkrippen in Fürth am Freitag zum Martinsumzug aufbrechen. Wegen einer Pegida-Demonstration sagten sie lieber ab. Dabei sollte die Demo ausgerechnet das Sankt-Martins-Fest retten.

Martinstag Laternenumzug Fürth Pegida

In Fürth hieß es zum Martinstag Pegida-Demo statt Laternenumzug (Symbolbilder)

Kleine Kinder tragen Laternen und ziehen singend durch die Straßen. Laternenumzüge haben eine lange Tradition, vor allem am Martinstag. Nun wurden gleich drei solcher Umzüge durch eine Pegida-Demo verhindert - die ausgerechnet den Martinstag retten wollte.

Die Martinsumzüge dreier Krippen in Fürth waren schon lange angemeldet, berichtet das Portal "Nordbayern". Doch dann verlegte die Stadt die Route einer erst seit einer Woche angemeldeten Pegida-Demo. Man wollte den Anwohnern des Bahnhofsplatzes den bereits vierten Auflauf des Nürnberger Pegida-Ablegers innerhalb weniger Monate ersparen, heißt es von Seiten der Stadt. Doch dadurch entstand ein neues Problem: Die neue Route kreuzte sich mit der der drei Kitas.

Und die hatten wenig Lust, mit den Pegida-Anhängern zu feiern. Die Krippe "Königskinder" verschob ihren Umzug um eine Woche, eine änderte ihre Route. Und die Kita "Storchennest" der lokalen Kirchengemeinde St. Michael ließ ihn gleich ganz ausfallen - und feierte nur auf dem Kirchenplatz. Man wollte den Kleinkindern eine "bedrohliche Kulisse" ersparen, zitiert "Nordbayern" Pfarrer Hans-Ulrich Pschierer. Eine nachvollziehbare Entscheidung.

Demonstranten statt Kinder mit Laternen

Über Ausweichrouten habe man zwar gemeinsam mit der Stadt nachgedacht, diese dann aber wieder verworfen. Die Steigung der Straße wäre nach Überlegungen der Kita zuviel für die kleinen Beine gewesen. Auch Daniela Bär, Leiterin der verschiebenden "Königskinder" äußert deutlich ihren Unmut: "Kinder mit Laternen müssen Erwachsenen mit Plakaten weichen", sagte sie "Nordbayern".

Besonders ärgere sie und den Priester, dass man ausgerechnet einer Demo Platz machen musste, die unter dem Motto "Sankt Marin und seine Bedeutung" marschierte, schreibt "Nordbayern". Die vermeintliche Aufgabe christlicher Feiertage zugunsten neutraler Bezeichnungen ist ein beliebtes Motiv des rechten Spektrums, um Stimmung gegen die multikulturelle Gesellschaft zu machen. "Den Kindern vermitteln wir Offenheit und Menschenfreundlichkeit gegenüber allen Notleidenden unserer Zeit" erklärte die Leitung des Storchennest in einem gemeinsamen Brief mit der Kirchengemeinde und den Eltern an die "Fürther Nachrichten". "Nun werden wir von Rechtspopulisten verdrängt, welche für Abgrenzung und Ausländerfeindlichkeit stehen. Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen."

Stadt entschuldigt sich für Fehler

Die Stadt reagiert zerknirscht. Der Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Kürzdörfer erklärte, man habe die Laternenumzüge schlicht nicht bedacht. Die Ausweichroute sei demnach gemeinsam mit der Polizei unter Zeitdruck entstanden, das für die Umzüge zuständige Straßenverkehrsamt war nicht involviert. Hätte man von den Umzügen gewusst, hätte man die Route noch einmal überdacht. Kundgebungen zu verbieten oder in abgelegene Bereiche zu verbannen, sei allerdings schwierig. In einer Pressemitteilung erklärte die Stadt, man bedauere die Situation und wolle der Kirchengemeinde jede Unterstützung bieten.

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