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Love from Hell: Bitte lieb mich, mein Ego braucht das jetzt!

Auf der Suche nach Liebe mischt sich manchmal unser eitles, vernachlässigtes Ego ein. Dann geht der Ärger los ...

Das Ego verführt einen zu Verzweiflungstaten.

Das Ego verführt einen zu Verzweiflungstaten.

Getty Images

Neulich habe ich in einem Magazin gelesen, dass Liebe – also die Form der Liebe, die wir in Deutschland und Co. leben – ausschließlich auf Egoismus und Narzissmus basiert.

Da stand, dass wir uns eigentlich nur deshalb verlieben, weil wir zurückgeliebt werden wollen. Damit unser Ego glücklich und zufrieden ist. So nach dem Motto: "Wow, ich muss ja ganz schön toll sein, wenn sich jemand so Hals über Kopf in mich verknallt." Dann kann es sich nämlich zurücklehnen und braucht nicht mehr in Selbstzweifeln zu versinken.

Bin ich so ungeil?

Langzeitsingles fragen sich ja gerne mal: "Was mache ich nur falsch? Bin ich echt so ungeil?!" Ihr Ego macht die ganze Zeit Druck: "Ey, jetzt mach mir mal gefälligst jemanden klar! Ich will LIEBE!" Je länger dieser Zustand andauert – schlimmstenfalls gepaart mit einer laut tickenden biologischen Uhr – desto genügsamer werden sie und sind schon froh, wenn sie ab und zu mal via Dating-App ein paar Komplimente abgreifen können – auch wenn diese von einem Wildfremden kommen, der oder die theoretisch auch ein irrer Psychopath sein könnte.

Deshalb stehen manche wohl auch auf One-Night-Stands. Wenn nämlich plötzlich jemand anfängt zu stöhnen oder sogar einen hammermäßigen Orgasmus bekommt, nur weil man selbst so sexy und gut im Bett ist … Ja, besser geht’s doch gar nicht – das ist dann (kurzfristig) der ultimative Kick fürs Ego.


Kritisch wird’s, wenn dem (alternden, vereinsamten) Ego irgendwann egal wird, WER es liebt und es nur noch darum geht, überhaupt irgendwen an der Angel zu haben, der mit ihm zur nächsten Familienfeier geht. Was bleibt ist die heimliche Angst, dass sich der neue Partner über kurz oder lang doch als Flop entpuppt. Die Antilopen Gang beschreibt diesen Zustand in ihrem Song "Verliebt":


"Also laufe ich so schnell ich kann, bis an's Ende der Welt.

Denn ich hab' Angst, dass du was Dummes sagst, das mir nicht gefällt.

(…) Nur ein dummer Satz würde alles zerstören.

Dann wär' ich nicht mehr verliebt in dich."


Die Heimsuchung der Liebe als Passion

Bei uns hat sich die romantische Liebe, wie der deutsche Soziologe Niklas Luhmann in seinem Buch "Liebe als Passion" eingehend analysiert hat, erst mit dem Bürgertum entwickelt und als Standard ausgebreitet. In seinem Buch beschreibt er sie als Mogelpackung. Nachdem die Menschheit Gott nach und nach immer mehr den Rücken gekehrt hätte, müssten plötzlich die Lebensabschnittsgefährten/innen die Leerstelle ausfüllen, die Gott hinterließe. Auf sie würden nun alle Wünsche und Begierden projiziert, was natürlich Enttäuschungen am Fließband zur Folge hätte.


Es gibt genügend Leute, die bereits in frühen Phasen einer Beziehung panisch werden, wenn der andere sie nicht sofort und bedingungslos zum neuen Mittelpunkt seines Lebens macht. Sie verlieren die Nerven und fordern viel zu früh emotionale Bekenntnisse ein, mutieren zu kleinen Stalkern – und wundern sich, wenn der ein oder andere da die Flucht ergreift.

Und die Moral von der Geschicht? "Chill mal Ego, und ruinier’s mir diesmal bitte nicht." (Auch gut als Tattoo-Spruch in chinesischen Schriftzeichen geeignet.)

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