VG-Wort Pixel

Osteifel "Wir müssen etwas tun!" Fotograf stößt Hochwasserhilfe-Camp für betroffene Kinder an

Eine Wiese mit Zelten
In einer Blitzaktion mit vielen helfenden Händen wurde das Hochwasserhilfe-Camp für Kinder und Jugendliche am Laacher See aufgebaut
© Natalie Naringbauer
Wenn das ganze Leben kopfsteht, wie bei vielen Menschen in NRW und Rheinland-Pfalz derzeit, bleibt kaum noch Zeit für die Kinder. In der Osteifel findet nun ein Camp für sie statt, in dem sie sich erholen und ein wenig ihre Ferien genießen können. Eine Solidaritätsaktion mit vielen Beteiligten.

Wir haben viele Fotos und Filme gesehen aus den vom Hochwasser gebeutelten Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, von Zerstörung und Aufräumarbeiten. Wir haben von Vermissten und Toten gehört und von viel Leid. Aber was ist eigentlich mit den Kindern?, hat sich Dirk Gebhardt gefragt. Der Kölner Fotograf, der auch schon in Krisenregionen wie Beirut oder Syrien unterwegs war, hat bei seiner Arbeit festgestellt, dass Kinder und Jugendliche in solchen Notzeiten häufig nicht genug Beachtung finden. Viele Kinder, die jetzt eigentlich Schulferien haben, haben ihr Zuhause verloren und sitzen nun in Notunterkünften. "Wir müssen etwas tun", sagte er zu seiner Frau. Er will Kinder und Jugendliche von dem erlebten Trauma für eine Zeitlang in eine andere Umgebung bringen, in der sie sich ablenken und erholen können.

Der stern hat mit Gebhardt gesprochen und ihn gefragt, wie er seine Idee, die er auf Facebook und Instagram geteilt hat, umsetzt. Das Ehepaar Gebhardt hat zunächst recherchiert, was sich für Möglichkeiten anbieten. Dabei stießen sie auf Die Falken, einen Träger der Kinder- und Jugendhilfe als Teil der Arbeiterjugendbewegung, die eine ähnliche Idee für Rheinland-Pfalz hatten. Die Gebhardts nahmen Kontakt auf und waren sich anschließend sicher, dass sie ein Camp für Kinder und Jugendliche für eine Woche mithilfe von Familie und Freunden finanzieren können würden. Die Falken, die sich gemeinsam mit der Naturfreundjugend Rheinland-Pfalz, der DGB Jugend, dem Jugendwerk Rheinland und dem Jugendverband des ASBs schon mitten in der Planung befanden, freuten sich sehr über die Unterstützung der Familie. Am 25. Juli wurde das Camp aufgebaut und Autos vom Arbeiter-Samariter-Bund besorgt. Inzwischen ist "die halbe Region beteiligt", die Idee umzusetzen, berichtet Gebhardt begeistert.

Die Betroffenen sind schwer zu erreichen

Das Zeltlager für das Hochwasserhilfe-Camp liegt am Naturfreundehaus Laacher See, das sonst auch ein Ziel für Klassenfahrten ist und in der Osteifel liegt. Dort wohnen derzeit zum Beispiel auch die sogenannten Müllwerker, die nach den Hochwasserschäden aufräumen. Das Ferienangebot gilt für Kinder ab sechs Jahren und für Jugendliche. Doch es ist schwierig, die Informationen in die verwüstete Region zu bringen. "Wenn die Telefonleitungen und das Internet nicht funktionieren, bzw. die Menschen gar keinen Rechner mehr haben, müssen wir die Betroffenen über die Notunterkünfte erreichen." Die Helfenden der Jugendverbände, die von pädagogischem Fachpersonal unterstützt werden, waren die letzten Tage in den Hochwassergebieten unterwegs, um mit den Menschen vor Ort zu sprechen und Bedürfnisse zu erfragen.

"Im Ahrtal gibt es immer noch genug Leute, die keinen Strom haben und kein fließend Wasser – wenn sie überhaupt noch ein Haus haben", sagt Gebhard. Mitmachen und das Camp besuchen darf, wer sich meldet, weitere Auswahlkriterien und Kosten gibt es nicht. Das Angebot gilt für Betroffene aus NRW und Rheinland-Pfalz. Gebhardt verhandelt parallel mit dem Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder, dass sie Kinder mit auf ihre Zeltlager nehmen. "Wir würden dann die Kosten übernehmen, damit die Kinder wenigstens etwas Urlaub haben."

Es werden noch Spenden gebraucht

Sonnenuntergang am Laacher See
Wer das Hochwasserhilfe-Camp für Kinder und Jugendliche unterstützen möchte, kann es hier tun:
SJD – Die Falken Rheinland-Pfalz
DE65 5506 0611 0100 2565 36
Betreff: Spende Kinderbetreuung Hochwasser
© S. Derder / Picture Alliance

"Wir haben innerhalb von zwei Tagen die Hälfte des Geldes zusammenbekommen", erzählt Gebhardt, "so um die 10.000 Euro. Die Kosten für das Camp liegen für drei Wochen ungefähr bei 20.000 Euro." Darin enthalten sind die Transportkosten für die Kinder sowie Verpflegung, Hygieneartikel, Spielmaterial, Tagesausflüge und bei Bedarf Schlafsäcke. Die Kinder haben die Wahl, ob sie einen Tag dort verbringen oder gleich mehrere und auch zelten möchten. Ohne die Mitarbeit der ehrenamtlich Helfenden der Organisationen vor Ort wie der DGB-Jugend, dem Jugendverband des ASBs, der Naturfreundejugend RLP und dem Jugendwerk der AWO und den Falken wäre das Camp niemals umsetzbar gewesen. Das Zeltdorf steht, die Infrastruktur ist vorhanden und kann genutzt werden, die Menschen vor Ort sind motiviert und freuen sich auf die Kinder und die nächsten Wochen. Betreut werden sie von ehrenamtlichen Helfer:innen und professionellen Seelsorger:innen, die gelernt haben, mit traumatischen Erlebnissen oder emotionale Krisen umzugehen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker