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Schon wieder Pommes Ältere Schüler finden deutsches Schulessen überhaupt nicht lecker


Schulkantinen sollen ihre jungen Kunden gesund und lecker ernähren - doch das schaffen nicht viele. Wer die Wahl hat, isst lieber woanders. Gerade ältere Schüler machen häufig einen Bogen um die Mensa.

Wenig frisches Gemüse oder Salat, dafür viel Fleisch und Frittiertes: Das Mensa-Essen an deutschen Schulen bestätigt seinen schlechten Ruf immer wieder. Die Schüler, die die Wahl haben, suchen sich meist einen anderen Ort für ihr Mittagessen. So essen an weiterführenden Schulen nur noch 30 Prozent der Schüler in der Mensa. Das hat eine deutschlandweite Studie vom Mai 2015, die das Bundesernährungministerium in Auftrag gegeben hat, gezeigt. Während der bundesweiten "Tage der Schulverpflegung", die bis zum 20. November stattfinden, wollen Schulen, Caterer und Ernährungsexperten nun zeigen, was gesundes Schulessen ausmacht. 600 Aktionen sind geplant: etwa Tage der offenen Mensa, gemeinsames Kochen in der Schulküche und Wettbewerbe für die besten Mensa-Umgestaltungs-Ideen.

Denn das sich etwas ändern muss in den Schul-Kantinen, ist klar. Doch wie kann das Essen besser werden? Und was sollten Kinder mittags überhaupt zu sich nehmen? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Schulessen.

Wie viele Schüler essen in Mensen?

Im bundesweiten Schnitt isst etwa die Hälfte der Grundschüler mittags in der Schule. Das ergab eine Studie vom Mai 2015. "Je älter die Kinder werden, umso seltener sind sie bereit, in die Mensa zu gehen", sagt Ulrike Arens-Azevedo, Autorin der Studie, die das Ernährungsministerium in Auftrag gegeben hat. An weiterführenden Schulen kaufen nur noch 30 Prozent das Essen dort. In den fünften und sechsten Klassen gehen die Schüler noch recht häufig in die Kantine, in der Oberstufe nur noch sehr selten. Als Grund, warum sie das Schulessen verschmähen, nannten die meisten Schüler dessen Geschmack. Immerhin: Durchschnittlich gaben sie dem Kantinen-Essen die Note 2,5.

Was essen Kinder gern?

Wenig überraschende Antworten haben die Forscher in ihrer Studie herausgefunden, "nämlich Nudeln, Pizza, Pfannkuchen und Pommes", sagt Arens-Azevedo. Einige Gerichte fänden sich gleichzeitig auf der Liste der beliebtesten und am meisten verabscheuten Mittagessen, zum Beispiel Lasagne und Milchreis. Die Mensa-Expertin Sabine Schulz-Greve sagt: "Wenn Kinder ein Grundverständnis dafür haben, was ihnen gut tut, dann wählen sie nicht nur Pizza und Pommes, denn sie sind neugierig." Man müsse ihnen aber durch Ernährungsbildung Vielfalt erst nahebringen.

Was sollten Kinder mittags essen?

"Immer sollte ein Mittagessen Obst beziehungsweise Gemüse enthalten", sagt Arens-Azevedo. Möglichst komme noch ein Salat dazu. "Und es sollte eine Kohlenhydratkomponente enthalten, also Reis, Kartoffeln oder Nudeln." Maximal zweimal pro Woche solle Fleisch auf den Teller kommen. 

In wie vielen Schulen wird selbst gekocht, wie viele lassen liefern? 

Laut Arens-Azevedos Studie wird nur in 20 Prozent der deutschen Schulen selbst gekocht. 60 Prozent der Schulen lassen sich fertige Speisen warmgehalten anliefern, im Osten häufiger als im Westen. Das Liefern sei räumlich und personell am unkompliziertesten, sagt Schulz-Greve. Tiefkühl- oder Kühlschrankkost wärmen demnach jeweils acht Prozent der Schulen selbst auf.

Wie viel kostet Essen in Deutschlands Schulkantinen?

Der Preis für die Mittagsverpflegung ist nicht festgeschrieben. Die durchschnittlichen Preise schwanken an Grundschulen und weiterführenden Schulen laut der Studie zwischen 1,50 und 3,68 Euro. An den Berliner Grundschulen kostet das Mittagessen laut Schulz-Greve einheitlich 3,25 Euro. "Davon zahlt das Land 30 Prozent, die Eltern 70 Prozent." In weiterführenden Schulen hätten sich die Preise auf etwa 3,50 Euro eingependelt.

Was muss sich beim Mittagessen an deutschen Schulen verbessern? 

Ein Ergebnis der Studie lautet: Die Schulmensen servieren noch zu wenig Salat und Rohkost. Fleisch dagegen komme zu häufig auf den Teller. Daneben empfiehlt Arens-Azevedo den Schulen: "Integriert die Schüler mehr in die Abläufe, ermöglicht es ihnen, Wünsche zu äußern." Dies sorge dafür, dass mehr Schüler das Mensaessen akzeptierten. Wichtig sei aber vor allem, dass die Schulen beim Anbieter auf Qualität achteten, und dass sie sich das gesunde Essen auch etwas kosten ließen. Schulz-Greve: "Qualität hat ihren Preis, und das ist gut so."

vim DPA

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