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Lehrer-Streiks: Droht Deutschland ab Dienstag ein Schulchaos?

Massive Warnstreiks stehen bevor: 200.000 Lehrer wollen ab Dienstag die Arbeit niederlegen. In vielen Bundesländern drohen chaotische Zustände. Eine Übersicht über angekündigte Aktionen.

Ab kommendem Dienstag wollen angestellte Lehrer streiken. Beamte dürfen das nicht.

Ab kommendem Dienstag wollen angestellte Lehrer streiken. Beamte dürfen das nicht.

Nach dem vorläufigen Scheitern der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder wollen ab Dienstag bundesweit Lehrer streiken. Die in Deutschland knapp 650.000 verbeamteten Lehrer dürfen nicht streiken. Doch an den Schulen gehen angestellte Lehrer in den Ausstand. Davon gibt es gut 200.000. In den einzelnen Ländern kann laut Bildungsgewerkschaft GEW an unterschiedlichen Tagen gestreikt werden, allein in Nordrhein-Westfalen gibt es von Dienstag bis Donnerstag in 17 Städten Warnstreiks.

Welche Bundesländer - und vor allem welche Schulen - wie stark betroffen sein werden, lässt sich bisher kaum vorhersagen. Es gibt noch keine genauen Pläne. Deshalb dürfte die Angst vieler Eltern vor einem möglichen Schulchaos umso größer sein - denn sie können sich noch nicht einmal auf einen möglichen Unterrichtsausfall vorbereiten und beispielsweise eine alternative Betreuung für ihre Kinder organisieren.

Zunächst waren Streiks für Montag angekündigt, dann wurde der Start auf Dienstag verschoben. Möglicherweise drohen ab Anfang kommender Woche also unübersichtliche Zustände.

Aktionen wechseln zwischen den Bundesländern

Denn die Zahl der angestellten Lehrer variiert von Bundesland zu Bundesland. Sachsen drohen massive Streiks, da hier alle Lehrer angestellt sind. Größtenteils ist dies auch in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Fall. In Bayern dagegen sind die meisten Lehrer verbeamtet. Warnstreiks dürften dort also weitestgehend ausbleiben. Zudem können verbeamtete Lehrer hier auch für die streikenden Angestellten einspringen. In der Übersicht weiter unten finden Sie einen Überblick über die Lage in den Bundesländern.

Die Aktionen der Lehrer sollten von einem Bundesland zum anderen wechseln, sagte ein Sprecher der GEW. Zuerst wollen am Dienstag Lehrkräfte an Grundschulen, sozialpädagogischen Förderzentren und Berufsschulen in Berlin ihre Arbeit niederlegen.

Lohnplus von 5,5 Prozent gefordert

Die Gewerkschaften verlangen für die knapp drei Millionen Beschäftigten ein Lohnplus von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Zuwachs soll mindestens 175 Euro pro Monat betragen. Zu den Forderungen gehört zudem eine Erhöhung der Vergütung für Auszubildende und Praktikanten um 100 Euro im Monat. Außerdem soll Azubis nach erfolgreicher Ausbildung die Einstellung garantiert werden.

Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft pochen zudem für die 200.000 angestellten Lehrer auf einen eigenen Tarifvertrag, damit diese künftig nicht mehr von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich eingruppiert werden. Außerdem soll die Bezahlung unmittelbar an die der Beamten angekoppelt werden.

Wann und wo die Lehrer streiken sollen

BADEN-WÜRTTEMBERG: Die angestellten Lehrer im Südwesten werden laut GEW voraussichtlich erst in der übernächsten Woche zu Warnstreiks aufgerufen. In Baden-Württemberg sind zehn Prozent der rund 120.000 Lehrer Angestellte. Zudem arbeiten im Landesdienst knapp 800 Pädagogische Assistenten an Schulen, Hunderte Erzieher an den Heimsonderschulen und mehrere zehntausend Tarifbeschäftigte an Hochschulen, die auch von dem Tarifkonflikt betroffen sind.

BAYERN:

In Bayern sind laut GEW in der kommenden Woche keine Warnstreiks geplant. Folgen eines Ausstands dürften überschaubar sein: In Bayern sind mehr als 95 Prozent aller Lehrer verbeamtet - und die dürfen nicht streiken.

BERLIN:

Die GEW hat die angestellten Lehrer an Grundschulen für Dienstag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind auch die zentral verwalteten berufsbildenden Schulen und Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt. An Sekundarschulen und Gymnasien läuft der Unterricht dagegen normal.

BRANDENBURG:

Das Land bleibt von Lehrer-Warnstreiks vorerst verschont. Laut GEW ist erst für den 12. März eine Protestaktion in Potsdam geplant.

BREMEN:

Die GEW hat die angestellten Lehrer für Dienstag zu einem Warnstreik aufgerufen.

HAMBURG:

In der Hansestadt beginnen ab Montag zweiwöchige Schulferien.

HESSEN: Das Bundesland gehört seit 2004 nicht mehr der Tarifgemeinschaft der Länder an. Daher wird in Hessen nicht gestreikt.

MECKLENBURG-VORPOMMERN:

Ab Mittwoch soll es Warnstreiks im öffentlichen Dienst geben. Die Gewerkschaften Verdi, GEW und GdP haben zu Ausständen unter anderem bei Polizei und angestellten Lehrern aufgerufen.

NIEDERSACHSEN:

Hier sind ab Dienstag Warnstreiks geplant. Neben Lehrern sind dazu auch pädagogische Mitarbeiter und Schulsozialarbeiter aufgerufen. Mit massenhaftem Unterrichtsausfall wird nicht gerechnet, weil nur rund zwölf Prozent der Lehrer als Angestellte unterrichten.

NORDRHEIN-WESTFALEN:

Die angestellten Lehrer sollen von Dienstag an in den Ausstand treten. Die Warnstreiks sollen bis Donnerstag abwechselnd ganztägig in den fünf Regierungsbezirken stattfinden.

RHEINLAND-PFALZ/SAARLAND:

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sind in beiden Ländern auch angestellte Lehrer für den 12. März zu einem Warnstreik aufgerufen. Rheinland-Pfalz blickt dem eher gelassen entgegen: Laut Verband Bildung und Erziehung gibt es dort rund 7000 angestellte sowie etwa 35.000 verbeamtete Lehrer. An der Saar sind laut GEW von etwa 8000 Lehrern rund 1200 Angestellte.

SACHSEN:

Die Gewerkschaften haben für kommenden Donnerstag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dann könnte es Informationen über mögliche Maßnahmen geben.

SACHSEN-ANHALT:

Erste Warnstreiks sind laut GEW am Dienstag vorgesehen.

SCHLESWIG-HOLSTEIN:

Die GEW sieht in den ersten Tagen der kommenden Woche von Warnstreiks ab. Genauer äußerte sich die Gewerkschaft nicht. Von den rund 25.000 Lehrern im Land sind 2500 Angestellte, also streikberechtigt.

THÜRINGEN:

Laut GEW wird am Montag darüber beraten, wann und wo gestreikt werden soll. Frühestens Dienstag sei damit zu rechnen.

mka/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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